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Persische Briefe – Charles Montesquieu

In den »Betrachtungen über die Ursachen der Größe der Römer und deren Verfall« besitzt die Universal-Bibliothek bereits eine von Montesquieus Schriften{1}. Der Herausgeber, mein Freund Robert Habs, erwähnt in seiner biographischen Einleitung zu dem genannten Buche, auf welche ich die Leser des vorliegenden Werkes verweisen muß, daß er eine Übersetzung der »Persischen Briefe« für die Universal-Bibliothek vorbereite. Er hat jedoch diesen Plan nicht zur Ausführung gebracht, sondern die angekündigte Arbeit mit Bewilligung des Herrn Verlegers an mich abgetreten, wodurch ihr Erscheinen länger, als anfänglich beabsichtigt war, verzögert wurde. Es darf hier wohl erwähnt werden, daß ich sie bereits im Mai 1883 in New-York begonnen, dann auf einem Ozeandampfer und später in England weitergeführt und erst jetzt, nach längerer Unterbrechung durch andere Arbeiten, in Deutschland vollendet habe. Hiermit übergebe ich sie nun den Liebhabern der klassischen Litteratur des achtzehnten Jahrhunderts. Dies ist nicht die erste deutsche Übersetzung der »Persischen Briefe«. Bereits im Jahre 1759 war in Frankfurt und Leipzig eine anonyme Übertragung unter dem Titel »Des Herrn von Montesquiou Persianische Briefe« erschienen, und eine zweite verbesserte Auflage folgte 1760. Beide Ausgaben haben mir vorgelegen, die erste in der königl. öffentlichen Bibliothek zu Stuttgart, die zweite in der Bibliothek des Britischen Museums zu London. Beide enthalten indessen nur 140 Briefe, wie die kastrierte, sogenannte zweite Ausgabe des französischen Originals, von der weiter unten die Rede sein wird, und sie tragen alle Fehler ihrer Zeit, in welcher dem Übersetzer nur geringe Hilfsmittel zu Gebote standen, während er zugleich mit einer noch ungeformten Sprache zu kämpfen hatte. Im Jahre 1799 wurde sodann zu Wien eine deutsche Übersetzung von Montesquieu’s sämtlichen Werken, und 1803 zu Landshut eine Übertragung der »Persischen Briefe« mit Erläuterungen von E. A. Michaelis veröffentlicht. Es ist mir jedoch nicht gelungen, der beiden letzteren habhaft zu werden. Endlich folgte in der von Adolf Stern, dem verdienten Litterarhistoriker, herausgegebenen Bibliothek der Litteratur des achtzehnten Jahrhunderts eine deutsche Übersetzung von Adolf Strodtmann (Berlin, 1866). Wie alle ihre Vorgänger ist auch sie im Buchhandel längst vergriffen, und gewiß beweist dies, daß das Bedürfnis einer neuen Ausgabe vorhanden ist. Dennoch trug ich anfänglich Bedenken, eine Arbeit, die ein so bewährter Übersetzer wie Strodtmann vor mir unternommen hatte, zu wiederholen. Ein genauer Vergleich seines Textes mit dem französischen Original mußte mich jedoch überzeugen, daß auch Strodtmanns Ausführung der Verbesserung noch fähig ist. Nicht nur hat er nach einer mangelhaften älteren Ausgabe gearbeitet, was durch die von den neueren abweichende Reihenfolge der Briefe 79 bis 129 bewiesen wird, sondern es finden sich auch durch das ganze Buch Auslassungen von mehr oder minder langen Perioden. Hierzu aber kommen noch zahlreiche auffallende Irrtümer in der Übertragung, die mit bei einem Meister wie Strodtmann um so überraschender waren, als der größere Teil des Buches von seinem vollendeten Geschmack und seiner Beherrschung der Sprache Zeugnis giebt. Und nicht immer sind solche Fehler durch die Solöcismen und Barbarismen, durch die Taciteische Dunkelheit, die Montesquieu’s Stil oft verderben, zu erklären. Ich verehre Strodtmann zu hoch, als daß ich ihn durch die Erwähnung dieser Thatsache herabzusetzen wünschen könnte; sie hat wohl darin ihren Grund, daß der deutsche Berufsschriftsteller sich selten die Zeit nehmen darf, sich in solche Arbeiten liebevoll zu versenken und sie so zu feilen, daß sie den höchsten Ansprüchen genügen. Leider muß der Ringkampf, den die Quantität deutscher Litteraturerzeugnisse geschaffen hat, die Qualität nachteilig beeinflussen. Das Honorar eines Übersetzers wird nicht nach der Zeit bemessen, die er auf seine Arbeit verwendet, sondern nach der Anzahl der Bogen, die er liefert.Widmet er also, nachdem die Übersetzung oberflächlich fertig gestellt ist, noch vierzehn Tage einer sorgfältigen Überarbeitung, so geschieht dies auf seine eigenen Kosten; denn diese vierzehn Tage sind für andere Arbeit verloren.


Man kann also sagen, je gewissenhafter der Übersetzer, desto geringer ist der materielle Ertrag seiner Thätigkeit; er muß sich mit dem idealen Honorar, dem eigenen Bewußtsein redlichen Strebens, begnügen. Darum ist leider die Übersetzungskunst in dieser Zeit zu einem Handwerk hinabgesunken, und man hat sie eine Seuche nennen dürfen. Nicht als ein Sündenregister also, aber zum Beweise, daß diese neue Übersetzung nicht überflüssig ist, muß ich hier wenigstens einige von Strodtmanns Fehlern anführen. So übersetzt er tu n’as point de taches comme cet astre (wie die Sonne nämlich) durch: »wie jenes Gestirn bist du fleckenlos«, während es natürlich heißen muß: »Du hast keine Flecken, wie die Sonne sie hat«. Sur toutes les cheminées (auf allen Kaminen, nämlich auf den Simsen derselben in den Zimmern) lautet in seiner Übertragung »an allen Straßenecken«. Vue délicate (schwache Augen) verdeutscht er durch »schöne Aussicht«. Petitesmaisons (Tollhaus) ist bei ihm durch »kleine Hütten« wiedergegeben. Elle se dérobait (sie stahl sich hinweg) bedeutet in seinem Text: »sie kleidete sich um«. Und so lassen sich wenigstens fünfzig sinnentstellende Irrtümer nachweisen, wodurch oft ganze Sätze unverständlich werden. Trotzdem erkenne ich mit Vergnügen an, daß ich Strodtmann’s Vorarbeit wesentliche Hilfe verdanke; denn ich glaube, es ist die Pflicht eines Übersetzers, in schwierigen Fällen bei seinen Vorgängern Rat zu suchen, und den habe ich bei Strodtmann oft gefunden. Außer den genannten Übertragungen habe ich auch noch eine englische, von John Ozell, in der dritten Auflage von 1731 (London) benutzt. Sie enthält natürlich, wie die erste französische Ausgabe von 1721, nur 150 Briefe.

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