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Die Philosopen aus dem Uranus – Johann Gottfried Pahl

Nachdem Herrschel den neuen Planeten entdeckt, und durch diese Entdekung unter den Astronomen Europens, eine allgemeine Thätigkeit veranlaßt hatte, ihn zu beobachten und durch die tiefsinnigsten Rechnungen, seine Größe, seine Entfernung und seinen Lauf zu bestimmen; so ward von ihnen auch die Behauptung, als ein sichres Resultat ihrer Bemühungen festgesetzt, daß man im Uranus nicht wisse, daß wir Erdbürger, mit allen großscheinenden Armseligkeiten unsers Planetenballs existiren. Indeß war diese Behauptung offenbar zu gewagt. Hätten sie die Astronomen mit der Einschränkung niedergeschrieben, daß die Existenz der Erde im Uranus unkannt seyn müßte, wenn nämlich seine Bewohner keine vollkommenere Werkzeuge zur Beobachtung entfernter Welt-Körper besizen, als wir; – oder wenn sie eben so fest an ihren Planeten geheftet wären, als die Bürger der Erde an den ihrigen: – nun dann hätte ihre Behauptung die höchste Evidenz gehabt; sie hätte ihrem Scharfsinn und ihrer Bescheidenheit gleich große Ehre gemacht, und sie wäre auch nicht, wie es wirklich geschah, durch den Erfolg widerlegt worden: deßwegen befanden sich diese Herren in einer nicht geringen Verlegenheit, und machten gewaltig grose Augen, als vor ganz kurzer Zeit zween Philosophen aus dem Uranus mitten in Deutschland auftraten, und ihnen dadurch ad oculum demonstrirten, daß auch unser Planet von ihnen beobachtet worden sey, gerade so, wie der ihrige von uns. In einem Stücke behielten aber die Astronomen unsers Erdballs doch Recht. Die Philosophen aus dem Uranus bekannten ihnen, daß sie unsern Planeten auf dem ihrigen nicht beobachtet hätten, und bewiesen auch die Unmöglichkeit, einen Körper, der so viel mal kleiner ist, als derjenige, der ihnen zum Wohnplatz angewiesen worden, in einer so ungeheuren Entfernung zu bemerken; „aber doch – fuhren sie fort – habt ihr zu oberflächlich und zu flüchtig geurteilt, und die Menschen im ganzen Weltall für so schwach und eingeschränkt angenommen, wie ihr selbst seyd. Wie sehr ihr euch hierinn betrogen habt, lehrt euch nichts deutlicher, als unsre Gegenwart. Eure Erde ist ein unbedeutender Punkt im grosen Schöpfungsreiche, und doch wähnet ihr, daß die Natur den ganzen Reichthum ihrer Gaben, über euch ausgegossen habe, und daß ihr nirgends übertroffen werdet. Gewiß euere Anmasung könnte kaum größer seyn! Einer der wichtigsten Vorzüge, den der Himmel den Uranusbewohnern vor den Bürgern der Erde gegeben hat, ist das Vermögen, aus ihrem Planeten in andre Welt-Körper zu wandern, die Sprachen ihrer Bewohner zu verstehen, und sich ihnen wieder in denselben mitzuteilen. Von diesem Vorzuge machen besonders ihre Philosophen Gebrauch. Sie durchwandern dann ganze Systeme, und erstatten dann von ihren Bemerkungen ihren Königen, und dem wißbegierigen Theile ihrer Nationen, Bericht. Zween von diesen Philosophen Atabu und Elafu beobachteten während ihres Aufenthalts auf dem Jupiter, unsre Erde, und teilten diese wichtige Entdekung sogleich ihrem Könige mit. Dieser gab ihnen den schleunigen Befehl, sich ungesäumt reisefertig zu machen, und den neuen Planeten, dessen Existenz bisher auf dem Uranus unbekannt gewesen war, zu besuchen. Sie hatten den Auftrag, vorläufig nur eine Gegend der Erde zum Gegenstande ihrer Beobachtungen zu wählen, und dann, nach ihrer Zurükkunft, eine neue Gesandtschaft, die sich über den ganzen Welt-Körper ausbreiten sollte, zu unterrichten. Atabu und Elafu liesen sich gerade in der Mitte von Deutschland nieder, und fiengen hier an, ihre Beobachtungen über die Erde und ihre Bewohner zu machen. Vor ihrer Rükreise verfaßten sie ihren Bericht an den König, der in ihrer Sprache Kalefa genennt wird; ein Wort, das ein einzelner Ausdruk aus unserer Sprache nicht erschöpft. Denn es bezeichnet einen Mann, der durch Weisheit und Tugend über Andre erhaben ist. Die Philosophen würdigten den Herausgeber ihres Berichts, während ihres Aufenthalts auf der Erde, ihrer besondern Freundschaft; und Elafu hatte sogar das Zutrauen zu ihm, daß er ihm den ersten Entwurf ihres Aufsatzes als ein Geschenk zu seinem Andenken einhändigte. Zwar machte er sich dabey die Bedingung, daß ihn der Herausgeber sorgfältig in seinen Schrank verschliesen, und ja nicht in die Hände des Publikums kommen lassen sollte: denn er befürchtete, weil die Bewohner der Erde nichts weniger ertragen können, als Wahrheit, die ihre Eigenliebe beleidigt, – die Bekanntmachung desselben dürfte für seine Brüder, die nach ihm unsern Planeten besuchen sollten, unangenehme Folgen haben. Allein ich glaube mein Gewissen nicht zu beschweren, wenn ich das Wort breche, das ich ihm gegeben habe. Denn ich halte dafür, teils, daß sich die Verbindlichkeit der Geseze der Moral, die dem Erdbewohner vorgeschrieben sind, nicht bis auf die Bewohner des Uranus erstrecke, – teils, daß diejenigen, die sich durch die Urteile der Philosophen, beleidigt finden, klug genug seyn werden, ihr Griesgramen so viel möglich in sich zu verschliesen, und sich nicht erst durch die öffentlichen Ausbrüche desselben zu verrathen. –

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