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Waldmeisters Brautfahrt – Otto Roquette

Auf einer Wandrung war es. Die Genossen Sie schweiften zögernd noch durch Wald und Thal, Ich selber fand umgrünt von Rebensprossen, Vor Nacht schon auf die Herberg’ unsrer Wahl, Schon harrte unter frühlingsgrünem Laub Duftenden Maiweins voll gewicht’ge Schale, Die Reben schüttelten den Blüthenstaub, Und dunklen Fittichs zog die Nacht zu Thale. Das war ’ne Nacht! Fast sommerliche Schwüle Ein ferngebanntes Wetterleuchten schuf, Und rings umher von Zweig und Blüthenpfühle Antwortete sich Nachtigallenruf. Welch tief erathmend Wehn durchdrang die Luft, Es küßten, es umschlangen sich die Ranken, Ich sah empor, betäubt von Blüthenduft: Welch Sternentanz belebter Nachtgedanken! Wo war ich plötzlich! — Aus den blüh’nden Reben Stieg elfengleich ein zauberhaft Gebild, Und rings umher, und über mir, und neben, Von lust’gen Geistern ist das Laub erfüllt, Und aus dem duft’gen Bad goldhellen Weins, Die Tropfen schüttelnd, all die Kräutlein sprangen, Gestaltenreich wie jene, und mit Eins Waldmeister sich und Rebenblüth’ umschlangen. Ei welch ein duftig, zärtlich, herzig Pärchen! Welch wonniglicher, süßer Geisterbund! Doch weiter noch gestaltet sich mein Märchen, Schon klingt und schwirrt es durch der Laube Rund. Doch ach! sie hatten’s auf mich abgesehn! Wie bang erseufzte der bestrickte Schläfer! Um meine Stirn schon tanzt im Wirbelwehn Die Rebenfürstin und ihr grüner Schäfer. Und ringsher fliegen blüthenduft’ge Speere, Und tausend Blumenpfeile sind gezückt, Und, wehe mir, vom winz’gen wilden Heere Ist mir der Lebensodem fast entrückt! Doch sieh, ein König golden zieht herein, Er kommt mit prächtig buntem Elfentrosse, Das ist der edle König Feuerwein, Er rettet mich, er hemmet die Geschosse. Er spricht: »So wie die Reb’ im blüh’nden Reiche, So ist der Dichter Herr in seiner Welt, Mit Stürmen kämpfet er, der uns so Gleiche, Nach jenem Ziel, das ihm Natur gestellt. Durch dunkle Felsenspalten mühsam fort Treibt ihrer Wurzeln stille Kraft die Rebe, Sie netzt im Lenz mit Thränen ihren Ort, Und ringt und kämpft, daß sie einst sprossend lebe. Je härter das Gestein, je heller sprühet Dereinst die goldne Flut im Sonnenstrahl, Und wonnereicher, jubelnder erblühet Das ew’ge Lied aus Mühedrang und Qual. Da sammeln sich die Menschen hold erfreut Um goldnen Weins und goldner Lieder Gabe, Sie ahnen nichts von Schmerz, und der sie beut, Auch er vergaß ihn beiso freud’ger Habe. Holdseliger Gewinn, im Lied zu künden, Was heimlich webt in stiller Menschenbrust, Holdselig auch: mit Wonne zu entzünden Durch duft’ger Lebensglut lebend’ge Lust! Drum laßt ihn frei, gefährlich ist eu’r Spiel, Nach jenem Hügel breitet eure Schwingen, Nur des Verächters Herz sey euer Ziel, Doch diesem laßt sein Träumen und sein Singen!« Und leise wehend neigen sich die Ranken, Der Abendthau erglänzt im Mondenstrahl, Sternhelle Funken aus der Höhe sanken — Und horch! Gesang ertönet hell im Thal, Die Freunde kamen. Weg war Traum und Bild. Bin ich erwacht? — Ich weiß nicht was sie wollen, Sie schalten Träumer mich. Doch mir war mild Aus Maienwein ein Märchengruß erquollen. 2. Wandervögel. Kennt ihr den schönen goldnen Rhein Mit seinem Duft und Sonnenschein, Mit prächt’ger Strömung seiner Wogen, Von Berg und Felsen kühn umzogen? Mit seinen Burgen, hoch und luftig, Und sagenreich und rebenduftig? Dort weht ein Odem, lebensprühend, Dort tönen Lieder jugendglühend, Und Weinesdüfte wonnig quellen Weit aus des schönsten Stromes Wellen. Wie Stern an Stern, so reiht sich dort In Hügelketten Ort an Ort, An jedem Ort ein neuer Wein, Hier goldig, dort im Purpurschein, Man wandert aus, man wandert ein, Man glaubt im Himmel gar zu sein! Dort klang so manchem Musensohn, Des Lebens schönster, tiefster Ton, Er ist auch mir, nur fern gebannt, Des Weins, des Lieds gelobtes Land, Und denk ich voll Entzücken sein, Ist mir’s als schlürft’ ich goldnen Wein. Ihr sollt’s in diesem Liede spüren, So kommt, zum Rhein will ich euch führen. Im letzten Abendpurpur baden Ihr Haupt die Berge rebengrün, Da wandeln an des Ufers Pfaden Zwei menschliche Gestalten hin. Nun denkt ihr gleich: Im Abendschein? Das wird ein Liebespar wohlsein! Ihr irrt (ich thu’s euch nun zu Leide) Gesetzte Männer sind sie beide. Der Eine rund und kurz, bedächtig, In schwarzem Kleide, ein Kaplan, Der Andre, lang und dürr und schmächtig, Ist ein Professor lobesan. In würdigem Gespräche schreitet Den Weg entlang das edle Par, Und dort und hierher prüfend gleitet Der Blick des Langen, denn er war Ein Pflanzenkund’ger, tief gelehrter, Und eine Kapsel grün beschwert er Mit manchem wicht’gen Blüthenfunde Von Bergeshöh und Wiesengrunde. Mit halbem Ohr, in Selenruh Hört er dem Wort des Runden zu, Deß Rede salbungsvoll erquoll, Und sich erging in tiefem Groll, Wie tief die Welt im Argen liege, Und nur das Böse heut noch siege.


— Und horch, ein rauschender Gesang Dem würd’gen Par zu Ohren drang: Ihr Wandervögel in der Luft, Im Aetherglanz, im Sonnenduft, In blauen Himmelswellen, Euch grüß ich als Gesellen! Ein Wandervogel bin ich auch, Mich trägt ein freier Lebenshauch, Und meines Sanges Gabe Ist meine liebste Habe. Im Beutel rostet mir kein Geld, Das rennt wie ich in alle Welt, Die ganze Welt durchfliegen Ist besser als verliegen. Dem blanken und dem frischen gar, Dem gönn’ ich gern die Wanderjahr’, Das muß mit all dem andern, Gleich wieder weiter wandern.

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