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Sämmtliche Werke – Konrad Grübel

Schon im Jahre 1812 haben wir, mein Freund Dr. Osterhausen und ich, das vierte Bändchen der Gedichte unsers verstorbenen Freundes Grübel, welches er selbst nach sorgfältiger Durchsicht zum Drucke bestimmt hatte, herausgegeben. Während dieser Zeit hat die Campesche Buch- und Kunsthandlung zu Nürnberg den Verlag von Grübels Gedichten übernommen, die nun hier, neu aufgelegt, in zierlicher Ausstattung erscheinen. Der letzte Ueberrest von Grübels schriftstellerischem Nachlasse wurde mir zur Durchsicht und Auswahl übergeben, und zugleich der Wunsch geäußert, daß ich, als ein alter vertrauter Freund von Grübel, dem Ganzen eine kurze Lebensgeschichte unsers ehrenwerthen Landsmannes voranstellen möchte. — Wie hätte ich zu dieser patriotischen Aufforderung „Nein“ sagen können? besonders da mein lieber Osterhausen die Sache gleichfalls betrieb und mich durch schriftliche Mittheilung zuverlässiger Notizen zugleich in den Stand setzte, das meiner Seele lebhaft vorschwebende Bild, wenigstens in einem getreuen Schattenrisse, wiederzugeben. * Johann Konrad Grübel wurde 1736 am 3. Juni zu Nürnberg geboren. Seine Eltern waren Johann Paulus Grübel, Harnischmacher und Flaschner, und Magdalena, geb. Rümlein, Jägerstochter von Georgensgmünd bei Roth im bayerischen Rezatkreise. Von dem Schullehrer Buchner wurde er in den nothwendigen Lehrgegenständen nach damaliger Weise gut unterrichtet, aber auch, als er einst einen satyrischen Vers — wahrscheinlich sein erster poetischer Versuch — auf diesen, seinen etwas mißgestalteten Präceptor, niedergeschrieben hatte, verdientermaaßen mit dem Stecken dafür gezüchtigt. In der Werkstatt seines Vaters erlernte er die Flaschnerprofession (Blecharbeit), wobei er sich zugleich in dem bei diesem Geschäfte nothwendigen Zeichnen, in der mit der ehemaligen hiesigen Malerakademie verbundenen Zeichenschule, mit Vorliebe zu befähigen suchte. Außerdem beschäftigte er sich in seinen Feierstunden mit Zitherspielen, Flötenblasen und Trommelschlagen. Gellerts und Rabeners Schriften, Weidenkampfs Trostgründe ec., die er eigen besaß und immer mit Vergnügen wieder zur Hand nahm, mögen einen bedeutenden Einfluß auf seine Bildung gehabt haben, so wie sein religiöser Sinn, der sich besonders in spätern traurigen Jahren so standhaft bewährte, gewiß in dem rechtschaffenen Vaterhause die erste und beste Anregung erhalten hat. An Ostern 1753 wurde er mit allen Formalitäten zum Gesellen gemacht und diese erste Ehrenstufe war für ihn, wie fast bei jedem Andern, die bedeutungsvollste in seinem Erdenleben. 1761 wurde er Meister und konnte nun den übrigen einförmigen Gang feines reichsstädtischen Lebens mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit im Voraus übersehen. Ans Heirathen dachte er noch nicht. Erst als er zwölf Jahre Meister war und bereits Vater und Mutter verloren hatte, im siebenunddreißigsten Jahre seines Lebens (1773) entschloß er sich, die Kirchners- (Meßners) Tochter bei St. Sebald, Anna Maria, geb. Giebel, welche er früher bei einer Thurmreparatur daselbst kennen gelernt hatte, zu seiner Gattin zu wählen. Sie gebar ihm neun Kinder, von denen aber keines mehr am Leben ist. Grübel hatte Sinn für häusliche Glückseligkeit und lebte mit seiner Minna, wie er sie nannte, recht zufrieden. Im Jahre 1774 oder 1775 wurde er von dem vormaligen reichsstädtischen Bauamte als Stadtflaschner angestellt, in welcher Eigenschaft er alle Arbeiten an den öffentlichen Gebäuden in der Stadt, die in sein Gewerb einschlugen, zu besorgen hatte. 1784 wurde er von seinen Professionsverwandten zum Geschwornen und 1807 von neuem zum Gassenhauptmann gewählt, zwei Ehrenstellen, welche in Nürnberg von jeher eine Anerkennung des Verdienstes voraussetzten. Im späten Abend seines Lebens, 1808 am 7.


November, wurde er noch in den Nürnbergischen Blumenorden aufgenommen, und 1809 am 8. März, gerade hundert Jahre nach dem Tode seines Großvaters, Johann Andreas, starb er mit aller Ergebung krank und, im eigentlichsten Sinne des Worts, lebenssatt im dreiundsiebenzigsten Jahre seines Alters. Am 12. März wurde er feierlich zur Erde bestattet und sein Sarg mit dem Dichterkranze, unter rührender Theilnahme, in die Familiengruft hinabgesenkt, wobei folgende Worte gesprochen wurden: So ruhe denn im stillenheil’gen Kreise, Du biederherz’ger Bürger, wack’rer Künstler, Du, Nürnbergs Sprach‘ und Sitte für die Nachwelt Bewahrend mit gemüthlich reinem Sinne! Hier ruh’n auch sie, die Nürnbergs Größe schauten, Ehrwürd’ge Namen aus der Vater Zeiten: Pirkheimer, Dürer und Dein Vorbild Sachs. Dahin sinkt Alles; auch dies Reiß verwelkt, Von Nürnbergs Bürgern dankbar Dir geweiht, Des Dichters Schmuck und später Lohn. Dahin sinkt Alles — doch aus Deiner Asche Ersteigt ein Phönix ewig jung und neu, Dein Nam‘, Dein Ruhm im Ausland und im Volke. * Was Grübel als Volksdichter war, ist bekannt. Aber wie ist er das geworden? Darüber wollten wir uns, mein Freund Dr. Osterhausen und ich, etwas genauer unterrichten und deshalb bei einem Jugendfreunde von Grübel, dem alten Schneidermeister Leib, im Garten vor dem neuen Thore, einige Nachfrage halten. Es war am 8. November 1831 Nachmittags, als wir die kleine Entdeckungsreise antraten. Der alte Meister empfing uns freundlich, und als er erfuhr, daß wir des Grübels wegen bei ihm zugesprochen hatten, rief er seiner brautlichen Gehülfin, mit welcher er demnächst seine goldene Hochzeit feiern wollte, und wurde noch freundlicher. Wir setzten uns, und wer war froher als der gute Alte, daß sich ein paar solche studirte Männer Raths bei ihm erholen mußten. „Ei freilich,“ sagte er, „kann ich Ihnen Auskunft geben. Nicht wahr, Alte, Grübel hat gar oft davon erzählt?“ Als er aber sah, daß ich durch die halb offene Thür in das anstoßende Zimmer blickte, worin ein großes Gemälde hing, Napoleon vorstellend, wie er den Bernhard hinan galoppirt, mußte vorerst dieses noch in Augenschein genommen werden, wobei der alte Meister erzählte, daß er oft von Franzosen, die bei ihm einquartirt waren, ersucht worden sey, hinansteigen zu dürfen, um ihrem Kaiser einen Kuß zu geben. Sodann wurde von Neuem Platz genommen und der Meister sprach, wie folgt: „Als die Schlacht bei Roßbach verloren ging und Alles auseinander lief, und die Reichstruppen auch mit liefen“ — „Du wärst auch nicht stehen geblieben!“ bemerkte die Frau — „hörte man nächtlicher Weile in allen Gassen ein Spottlied singen, wo es immer hieß: Schlimm, mei Moutterla, schlimm ec. Grübel, welcher damals 21 bis 22 Jahre alt seyn mochte, hörte von seinen Kameraden das Ding — es war nicht viel daran — auch oft singen. Da erwachte sein Spiritus, und er dachte: ein solches Ding traute ich mir auch zu machen. Das that er, und machte ein Lied, das sich gerade so singen ließ, wie der vorbemeldete Gassenhauer, und theilte es seinen Kameraden mit, als ob er es von einem Andern bekommen hatte. Bald war das alte vergessen und Grübel hörte sein Lied von nun an in allen Gassen erschallen. Er hatte seine größte Freude daran, das können Sie sich einbilden, und jetzt war der Volksdichter fertig. Er hatte keine andern Meister; wer hatte ihn das lehren sollen?“ „Da haben Sie Recht, Herr Leib,“ sagte ich, „Dichter müssen geboren werden.“ „Freilich,“ bemerkte die Meisterin, „sonst wären keine da.“ „Gewiß,“ erwiederte ich, und fragte lachend: „Und wie ging’s nun weiter?“ „Wie es weiter ging? Es machte sich alles selber, wie gesagt. Sein erstes gedrucktes Gedicht hieß „der Steg.

“ Aber es wurde wider sein Wissen und wider seinen Willen gedruckt. Ja, etwas drucken lassen, das war was Großes in seinen Augen. Er wußte kein Wort davon, daß das Ding in der Leute Händen war, und es war kurios, wie er dahinter kam.“ „Nun wie denn, Herr Leib?“ „Das erräth kein Mensch; es war aber so. Er hatte seiner Profession wegen etwas bei Herrn Senator v. Geuder zu thun, welcher damals Rugsherr war. Auf der Stiege kam ihm dessen Junker entgegen und begrüßte ihn mit den Worten: Brouder, wou bist du denn g’steckt? Das war der Anfang vom Lied. Grübel verwunderte sich und fragte, wo er dies her habe. Da gab ihm der Junker das gedruckte Blatt in die Hand. Grübel war verlegen darüber; aber es währte nicht lange. Sein nächstes Gedicht, das Kränzlein, ließ er selber drucken; aber es war ihm nicht wohl dabei zu Muthe. Zwei- bis dreimal ging er mit dem Papier auf die Druckerei zu, hatte einmal schon die Klingel in der Hand, wie er mir sagte, und kehrte jedesmal schüchtern wieder heim, bis er endlich doch den Muth faßte, etwas im Druck ausgehen zu lassen. Das Andere wissen Sie besser, als ich selbst, da Sie beide vertraute Freunde von meinem unvergeßlichen Grübel waren und auch nach seinem Tode noch für seine Hinterlassenen Sorge trugen. Jetzt ruht er gut dort drüben. Wir sind nicht weit von einander.“ — Eine Stille trat ein. Wir reichten dem alten Meister und seinem Weibe die Hand und trennten uns unter traulicher Danksagung und freundlichen Wünschen. Beim Heraustreten warfen wir einen Blick auf den nahen Kirchhof und freuten uns der vielen klugen, weisen und frommen Nürnberger, die dort ruhen, und wünschten, daß auch wir dereinst im freundlichen Andenken bleiben möchten.

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