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Kraut und Rüben – Adolf Stoltze

Ueber Erwarten schnell war die erste bedeutende Auflage dieses Buches vergriffen und sehe ich mich deshalb in die angenehme Nothwendigkeit versetzt, eine zweite, nur wenig veränderte Auflage desselben zu veranstalten. Bei dieser Gelegenheit kann ich es nicht unterlassen für die rücksichtsvolle und freundliche Beurtheilung, welche das Nachstehende bei seinem ersten Erscheinen Seitens des Publikums wie der Presse gefunden an dieser Stelle den herzlichsten Dank auszusprechen und dies um so mehr, als wohl selten ein Schriftsteller mit einem größeren Vorurtheil über Werth oder Unwerth seiner Leistungen zu kämpfen hatte, wie gerade ich, wo stets die Paralelle zwischen den Erzeugnissen des Vaters und Sohnes als alleiniger Maßstab des Urtheils dienen mußte. Ist es mir gelungen, wie ich wohl annehmen darf jene eng begrenzten Schranken des Urtheils beseitigt zu sehen, so wird dieß für mich ein Sporn größerer schriftstellerischer Thätigkeit sein. Vielfach sind mir über den Titel dieses Buches abfällige Bemerkungen gemacht worden, welche vielleicht ihre Berechtigung haben mögen, im Großen und Ganzen glaubte ich jedoch, daß bei einer solchen bunten Zusammenstellung ernster und humoristischer Arbeit der verschiedensten Genres, der Titel des Buches, wenn auch nicht besonders wohlklingend, doch auf alle Fälle bezeichnend erscheinen wird. Indem ich bitte diese zweite Auflage mit gleicher Freundlichkeit wie die Erste entgegen zu nehmen, hoffe ich, in nicht ferner Zeit eine größere Sammlung ausschließlich ernster Dichtungen der Oeffentlichkeit übergeben zu dürfen, welche ich schon jetzt einer gütigen Beachtung bestens empfohlen halte. Frankfurt am Main, im April 1878. Adolf Stoltze jr. Vorrede zur ersten Auflage Den Lesern. Ich schick‘ mein Knäblein trutzig sehr Wohl in die weite Welt; Sein Ränzel wird ihm nicht zu schwer Auch drückt ihn nicht sein Geld. Doch ist es froh und wohlgemuth Und singt den ganzen Tag, Ein frisches, frohes, leichtes Blut, Hell wie der Drossel Schlag. Tritt das wohl in ein Dörfchen ein Und pochet an ein Haus, Schenkt dort gewiß den besten Wein Die schönste Wirthin aus. Auch leert es manches Glas beherzt Der Fröhlichkeit gebracht, Und sind die Sorgen weggescherzt, Dann sagt’s erst gute Nacht. Und schaut es eine holde Maid. So bleibt es sinnend steh’n. Und klaget ihr sein Herzeleid In Liebesliedern, schön. Und löscht sie dann hinweg gewandt Verstohlen eine Thrän‘, So reicht es dankbar ihr die Hand: »Leb‘ wohl auf Wiederseh’n.« Denn es muß fort die Trommel schallt, Die Freiheit ist bedroht, Des Volkes heilig Banner wallt Zum Siege oder Tod. Und ist sein Arm auch zart und klein, So schwingt es doch sein Schwert Und steht für Recht und Freiheit ein Und für den Heimathherd. D o c h i s t v o r b e i d e r w i l d e S tr e i t , Und gi l t d e s Vo l ke s R e c ht. Singt es mit heller Freudigkei t F ü r S i tt e r e i n und e c ht. Und schaut es eine Kinde r s c ha a r Im Ab e nd d ä mme r s c he i n , D a nn s c hü tt e l t e s s e i n Lo c ke nha a r Und tr i tt i n i hr e R e i h’n Auc h ne c kt e s s c he l mi s c h g e r n und l a c ht Zup ft And’r e hi nt e r r ü c ks Und s i e ht a l s hä tt‘ e s ni c ht s g e ma c ht S i e a n g a r d r e i s t e n B l i c ks. Wenn es von kraußer Stirne d a nn D i e F a l t e n s c hw i nd e n s i e ht , S o s i ngt’s , e i n j ung e r Le i e r s ma nn D e r F r e ud e no c h e i n Li e d. So ist mein Knäblein, in die W e l t Zi e ht e s mi t fr o he m K l a ng. Geh‘ Gott das; es Euch auch g e fä l l t M i t s e i ne m s c hl i c ht e n S a ng. Das wenn es pocht an Eure Thü r‘, Ihr fr e und l i c h r uft ; » H e r e i n!« E s w e i ß E uc h fr ö hl i c h D a nk d a fü r , S o j ung e s i s t und kl e i n.


A d o l p h S t o l t z e j r. Frankfurt a, M., Ende 1876. Der Gänsebraten. Motto: Eene jut jebratene Jans Is eene jute Jabe Jottes. Daß mer an erre ganze Gans mehr hawwe duht wie an dem achte Dähl von erre Gans, werd kää Mensch net bestreite kenne, daß odder ääch e ganz Gans widder entsprechend dheuerer sei duht wie e achtelche is odder ääch e alt Subb; un daß selbst e halwer Mann net vertelst satt mit emme achtelche Gans werd, gibt gewiß e Jeder zu der den richtige Fedderviehverstand hat. Zu dem nehmliche logische Resultat is ääch e keniglicher, hierherverblanzter Reichs-Subaltern odder gar Quinternbeamter nach reiflicher Iwwerlegung komme. E Mann, dem zwar net des eiserne, odder doch wege seim gar geringe Verdienst viel annere Kreuz un sonstige Schicksäler ze Dähl geworde warn. Trotzdem awwer war der Herr Gotthelf Grenzerich e Muster von emme Beamte der steh sogar, vermöge unerhörter Sparsamkeit, während seiner funfzehjährige Dienstzeit bereits e Capital von 13 Dahler 7 un en halwe kupperne Silwergrosche häämlich zerrickgelegt hat. Der Herr Grenzerich war odder ääch e scheener Mann, der obgleich err die hechste Verzig uff dem Buckel gehen hat, was sei Uniform mit ihren verwäschene-grie-katunerne Kannepeeiwwerzugscoleur boshafter Weis verrathe daht, dennoch sich in dem unheilige Stand vollstenniger Ehelosigkeit befand. Un wann als der Herr Gotthelf Grenzerich an erjend erre Werthschaft vorbeigange is, an der e Zettel mit der verfiehrerige Inschrift: »Heute Abend Gans mit Kastanie« gehonke hat, do is er jedesmal en Äägeblick dafor steh gebliewwe, un hat Betrachtunge angestellt iwwer die Gäns im Allgemääne un immer die Brate im Besonnere. Dann Gans des war sei Leibspeis, obgleich sei Leib nor wenig davon gewißt hat. Hunnertmal hat er sich verstanne alle derartige Verfiehrunge entschlosse den Ricke ze kehrn, bis uff äämal an emme regnerische Awend die begehrliche Stimme seines wollustsichtigen Magens, alle gute Vorsätz seines besseren Rechensinns im iwwern Haufe geschmisse hat, un er mit emme gelinde Aafall von emme bedeutende Haaßhunger in e Werthschaft gesterzt is un sich sofort, eigehend un genau immer den Preis der Gänsebrate erkundigt hat. »Dreißig Kreuzer die Portion. Marie, e Portion Gans for den Mann, wann noch ää do is,« hat der Werth ans seim Profitkaste, seiner Schenkamm, die in ihrer freie Zeit die Gäst bedient hat, zugerufe.

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