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Katz‘ und Maus – Nataly von Eschstruth

Nun so redet!« sprach Abt Wunfried, Griff bedächtig nach dem Humpen, Neigte sich, warf einen schnellen Blick in seine Purpurtiefe, Wo die grellen Lichtreflexe Funken gleich im Weine tanzten, Hob ihn an die schmalen Lippen Und that einen knappen Zug. — Gegenüber an der Tafel, Vor dem unberührten Becher Saß, dem diese Worte galten, Finsterblickend, stahlgewappnet, Robert von dem Frankensteine, Den man auch nach seinen streichen Rings den »wilden« Junker nannte. Seinen langen, blonden Schnurrbart Zornig in den Fingern zwirbelnd, Düstern Blick zum Abte schickend, Schlug er mit der Rechten dröhnend Auf die eich’ne Tafelplatte Und rief hastig: »Ja, beim schwarzen Höllenfürst und allen Teufeln, Reden will ich, Abt Wunfriedus, Und Ihr sollt der Rede staunen! Haben sich die Lästerzungen Hier im Kloster Sanct Johannis, Mich verketzernd, eingenistet, Daß Ihr mich wie einen Schandbub’, Beichte heischend, vor Euch ladet?« Hob das ernste, bleiche Antlitz Abt Wunfriedus und sprach ruhig: »Fein bedächtig, Junker Robert! Wißt, daß ich Euch hergerufen Unterm scheine alter Freundschaft, Einer Zwiesprach hier zu pflegen, Nicht um Euer Thun zu richten; Ihr hingegen führet Reden, Die ein friedliches Berathen Schier unmöglich machen. — Demuth Heisch’ ich hier als Euer Priester, Offenheit als Freund und Oheim. Ist’s Geheimniß denn geblieben, Was in Kreuzburg vorgefallen? Soll allein in Sanct Johannis Niemand ahnen, was im Lande Weit schon über Thüring’s Grenzen Kecklich alle Spatzen pfeifen? Und wie wißt Ihr, ob ich’s glaube; Ob ich nicht in schweren sorgen Aengstlich forschte, ob dies Schreckniß Nicht geschah de gravi causa? Seid Ihr schuldig, Junker Robert, — Sanct Johannes mög’s verhüten — Wer vermöchte eh’r denn Wunfried Eure Seel’ zu absolviren? Drum erzählt mir ohne Zaudern Und genau, daß jeglich Wörtlein Auf das Kreuz Ihr könnt beschwören, Wie Ihr streit bekamt zu Kreuzburg!« Heftig an der Lippe nagend, Starrt der Junker auf den Boden, Wo auf weiß gefegten Dielen Sich die langen Schatten malten; Dann erhob er jach das Antlitz, Dieses freie, finster kühne, Wetterbraune Männerantlitz, Und so hob er an zu sprechen: »Hab’ gesündigt, Abt Wunfriedus, Doch so schwer nicht, als Ihr meinet; Wißt ja, heißes, ungestümes, Trotz’ges Blut der Frankensteiner Schäumet hinter meinen Schläfen, Und so kommt es — weiß der Satan! — Gar zu leicht, daß mir die Adern Zornhoch auf der Stirne schwellen. Bös gemeint ist’s niemals, Wunfried, Ist nur so, wie’s unser Herrgott Auch dem jungen Most beschieden, Der erst gährt und schäumt und dränget, Eh’ er sich, zu Gold geläutert, In den besten Wein verwandelt! Wißt, ich habe keine Mutter, Keine Schwester, keine Base, Bin als wie ein herrnlos Füllen, Zwischen Männern aufgewachsen Und entbehrte jeden Zuspruchs. Also ward ich, was ich bin nun, Frei empor geschossen Stämmlein, Dessen wilde Sauersprossen Keine zarte Hand gereutet, Guter Art, doch arg verwahrlost, Seine Kräfte fälschlich nutzend Und nach allen Seiten kecke In die lust’ge Freiheit strebend! Also höret. — War mit Hermann, Herrn von Treffurt und zu Beilstein, 1 Wohl befreundet und verbrüdert, Wenn mich gleich sein tückisch Wesen, Seine falsche Schleichermiene Oft auf’s grimmigste verdrossen. Dennoch war ich stets in Frieden Mit ihm Handels einig worden, Seine Nähe meistens meidend, Wie man eklen Spinnen ausweicht. Nun geschah es, daß Herr Hermann Plötzlich ein Gelüst verspüret, Sein Ererbtes zu vergrößern Und die Grenzen seines Lehnes Längs der Werra zu erweitern. Schon seit grauen Jahren sitzen Die von Frankenstein zu Salzung, Bis ich jüngst mir zum Ergötzen, Hier am Petersberg bei Wartburg, Meinen Mittelstein erbaute. 2 Solches nutzte der von Treffurt, Und er hob an, mich zu kirren, Ihm die wenig Hufen Landes, So am Werra-Ufer laufen Und auf Salzungen verbrieft sind, Frankensteinisches Ganerbe, Einzutauschen oder gegen Baare Münze zu verkaufen. Ich sann hin und her und dachte, Daß der Landstrich zu entbehren, Wenngleich er zum besten Acker Zählte, den ich je besessen; That’s dem Treffurt auch zu Liebe, Denn ich wollt’ ihn nicht zum Feinde; Doch verkaufen gegen Baares Wollt’ ich ungern. — Nun hat Hermann Dicht gelegen meinen Forsten Einen Flecken, heißet: ›Haynich‹; 3 Dahinein verlor manch’ Wild sich, Wenn ich’s in den Bergen hetzte, Und verleidet’ mir das Jagen.

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