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Gedichte – Max Dauthendey

Noch lebe ich unsichtbar. Aber ihr könnt mich alle empfinden. Versucht es mich zu erkennen. Ich will euch neue Sonnen, Neue Welten geben. * Glück Was suchst du? Warte und wache so laut du kannst. Wache und horche. Das Glück, das berauschende, wonnezitternde Glück, Es kommt nie. Es ist. Es umarmt dich jäh, Aus der pochenden Ahnung geboren. Rosen, starke schwellende Rosen häufen ihren Duft. Das ist sein Atem. Und sein Lachen? Es gibt nur ein Lachen. Und das Lachen heißt »Glück.« Und seine Augen! O diese Augen, Die Strahlenblume des Himmels, Der Sternentau silberner Nächte, Schrill und melodisch. Aber so ist es nicht immer. Es kriegt in sich, Lustsaugend an der Erinnerung. Und dann leben die blendenden Träume, Versteinert, stumpf und hart, Wie des Mondlichts marmorne Lilien. Aber nicht lange. Wühlende Glockenlaute, Taumelnd, schwelgend, Von Freude gewiegt, In Freude schwingend und schäumend Das ist seine Stimme, Seine allüberflutende Stimme. Wird es nie müde? Müde! Todesmüde. Aber dann ist es nicht mehr, Und wird nie mehr sein. Es flackert noch rot, Rot, purpurrot, Aber ohne glühende Kraft, Nur noch die Farbe von Flammen und Rosen. Stockend kalt ekelgeronnenes Blut. So ernst wird es dann, Und so angstfromm, Und Weihrauch kriecht ihm zu Füßen. Tief im Dunkel, In modernder Einsamkeit Tasten die blassen welken Gedanken.


Horch! Harfen, ferne, ferne Harfen … Da breitet die Sehnsucht Schluchzend die Arme: O Glück! Glück! O Glück! * Paradies Es wirft sich an’s Herz, auf rauschenden schweren Flügelschlag eine ernste Amethystbläue. Eine Strahlung verborgener heiliger Quellen und aus glühenden Laubgrotten. Aus dem Gebüsch ein Mann und ein Weib. Und sie schreiten über den blumigen Rasen, Seite an Seite. Nackt, ein feuchter Violenschein über ihren Leibern. Ein Löwe leckt seine Hand und andere Tiere folgen. Ein Eber auf der Seite des Weibes. Eine weiße Kuh und schnäbelnde rosige Flamingos und andere, Tiger, Elephanten und noch mehr. Aus hyazinthblauen Büschen kommt der Zug. Triefende Sonnenbrände über den Büschen. Durchglühte Laubhänge, Malachitleuchten und Smaragdfeuer und darüber die Luft weinrot und rotgolden, wie von üppigen Säften getränkt. Tauben, lilienweiß, die Flügel gespannt im Goldduft über dem Menschenpaare. Im Rasen, rings, kurze große Blumen, rotgefleckte Tulpen und Aurikeln und Primeln in kleinen Sträußen. Oben schmettert das Licht in Posaunen, die Sonnenbrände wirbeln und über die Laubkronen brausen die grünen Feuer. Aber unten, alles ist Marmorkühle, alles klar, eine blaufeuchte Klarheit. Das Weib hält eine Blüten-Girlande hinter sich, bis zu den Biegungen der Knie schaukelt die Girlande, bei jedem Schritt streicheln sie die kühlen, tauigen Blüten. Sie neben ihm. Ihre Leiber breit und kräftiges Fleisch. Und an ihnen die Nacktheit ist wärmeleer in unbewußter blauer Keuschheit. Die Schatten sind gelbzart wie Blütenmehl an ihrem Fleische. Aber es ist überall um sie, dies dämmerige Violenblau. Es senkt die Äste, sie wiegen sich gewölbt, wie unter Edelsteinlasten, und unter dem Laube in gedämpften Floren. Und über den Tieren dasselbe nachdenklich schweigende Blau, das die Blutwärme verdeckt und alles rollende Rot. Die großen weißen und roten Blumen im Rasen mit den samtdunkeln Pupillen sehen zu dem Menschenpaar auf, und wandeln vor ihm her. Und auch auf ihnen das kühle stumme Blau, das alles bezähmt.

Das Menschenpaar schreitet über den Rasen. Der blaue Äther wogt um ihre Nacktheit, eine Strahlung verborgener heiliger Quellen und aus glühenden Grotten. Eine ernste Amethystbläue, eine Kühle, es wirft sich an’s Herz auf rauschendem schweren Flügelschlag. * A Vespero Die Sonne fällt zur Erde. Gellend zerspringt ihr Licht. Dicht vor dem blauen Tempel rollt sie nieder. Die berstenden Strahlen jagen durch den Tempelhain. Das Laub fliegt in braunroten Fetzen, geronnene Blutschlacken, triefende Purpurbrände. Alles rast durch die Bäume. Und die Bäume alle von unten in gequollenem Blut und stockend gründumpf. Gestalten in blauen Laken und in Scharlach ziehen zum Licht. Helle Wege sickern wie Wasserläufe unter den Bäumen. Blasse blaue Marmorgötter auf breiten flachen Rasenstufen die Anhöhe empor. Grün, blau, rot splittert das Licht über dem Grase, und in kritzelndem Wirbel wie glühende Metallspäne in der Luft. Ein Schwefelhagel. Es prasselt aus der Sonne. Gellende Strahlstöße, fletschende Goldbrunst hochgeschleudert über den blauen Tempel, über den blutroten Hain. Eine Bläue von geweihten heiligen Düften quillt aus der Halle, aus öden Säulen schwüles samthaariges Weihrauchblau. Aber draußen die blutrote Ruhe im Hain steift sich gegen das tolläugige Licht. Das rasende Gelb verzerrt, reißt das stockende geronnene Schweigen nieder. Jede Grasspitze knistert, sticht Licht hoch. Rot, und Blau und ätzendes Grün. Das rote Dunkel stöhnt im Laube, versengt gekrümmt. Die Bäume in flatternde Fetzen gerissen, flachgepreßt. Und das Licht prallt gegen die Stämme, und verzerrt das Geäst.

Aber das Rot krampfhaft mit braunen röchelnden Kräften und hemmend die gelbe Wut und die Gier. Von den Baumfratzen trieft Purpur. Der Rasen blutet. Und wundgeritzt, rotentzündet der Boden. Die Gestalten in blassem Blau und stierem Scharlach, alle beugen sich vor dem Lichte, vor der Sonne, die auf die Erde gefallen. Die Duftbläue raucht aus dem Tempelmarmor. Und das Blau der Tempelhalle beugt sich vor der Sonne. Das gewaltige Licht steht wie ein schmetternder Donner hochgeschwungen über allem, mit der Kraft berstender Tuben. Die Sonne opfert. Inbrünstige Feuer knien vor dem Tempel, klammern an den Säulen. Auf goldroten Flügeln schwingt es hoch. Ein Hallelujah aus brausenden Himmelsschlünden.

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