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Gedichte in Hochdeutscher Mundart – Friedrich Stoltze

Kannst du folgen nicht dem Fluge, Auf des Dichtergeistes Flügeln, Bin ich dir gleich einem Buche Unter’m Schluß von sieben Siegeln; Doch vermagst du mitzuschweifen Kühne Flüge einer Seele, Wirst du meine Lust begreifen Und den Sinn, wie ich erzähle. Der ich durch die Himmelsfernen Kühn mit Flügelrossen brauste, Der ich bald auf diesen Sternen, Bald aus jenen Sternen hauste; Purpurn mit der Morgenröthe War mein Wagen ausgeschlagen Und die Sonnenscheibe drehte Sich als güldnes Rad am Wagen. Ueber mir, so mild und hehre, Wölbte sich ein Regenbogen, Wie im Tanz die Bajadere Wird vom Schleier überflogen. Hinter meinem Wagen staubte Eine schwere Wetterwolke; So mit stolz erhobnem Haupte Fuhr ich über allem Volke. Saß ich doch mit Machtgeberde Königlich schon auf dem Throne! Mein Reichsapfel war die Erde Und die Sonne meine Krone; Glänzende Gestirne standen Zitternd zu des Thrones Seiten, Monde waren die Trabanten, Mich, den König, zu begleiten. Wenn zu meinem Herrschersitze Geister der Empörung drangen, Dräute ich! und wilde Blitze Tanzten mir wie zahme Schlangen, Und der Donner schwieg erschrocken Und die Windsbraut strich mit Beben Aus der Stirne mir die Locken, Denn mir war Gewalt gegeben. Zog ich doch mit dem Komete Schon hinaus auf Abenteuer! Von dem Helm, rückschlagend, wehte Mir ein langer Busch von Feuer. Nach der Sonnenburg, der mächt’gen, Zagen wir, ein kühn Beginnen; Sahen.in der Näh’ die prächt’gen Hohen, lohen, goldnen Zinnen. Und aus Perl’ und Diamanten Waren Thor und Wall gegossen; Feuerige Schaaren standen Da, die Sonnenpfeile schossen; Fernehin nach den Planeten Und Trabanten, die in Eile Flüchtend um die Burg sich drehten, Schaffen sie die Sonnenpfeile. Hab’ ich doch selbst Bahn gebrochen Zu des Erdballs tiefstem Kerne! Donnern gleich hört’ ich das Pochen Eines Herzens schon von Ferne. Und ich sah’s! das mächt’ge Herze, In dem Brustgewölb von Quadern; Und sein Blut, als edles Erze, Ströme hin in tausend Adern. All das hab’ ich unternommen! Und ich könnt’ noch mehr enthüllen, Denn der Geist ist auf mich kommen Mich mit Bildern zu erfüllen. Mein die Himmel! mein die Erden! Gottes Reich, es ist auch meines! Ob auch Viele sagen werden: „Er ist voll des süßen Weines!“ Rösleins Geburtstag. Ein Röslein feiert in dem Thal Sein Wiegenfest, den Mai; Aus weißen Blüthen prangt das Mahl, Das Veilchen ist Lakai. Und in Kristallen, himmelblau, Hellschimmert edler Wein; Servirt wird kühler Morgenthau Und warmer Sonnenschein. Und ein Orchester ist erbaut, Mit Zweigen dekorirt, Und von den Vög’lein wird da laut Und lustig musicirt. Wie freuen alle Gäste sich Von keinem Stolz berückt, Ob manch ein Haupt auch kaiserlich Die goldne Krone schmückt! Der Rose macht, der hohen Frau, Das Bienchen hier die Kur, Und ist doch, nimmt man es genau, Ein Handwerksknötchen nur. Dort schwört der Stutzer Schmetterling Dem Gänseblümchen Treu; Ist’s auch von Herkunft nur gering, Das ist ihm einerlei. Den Zephyr, einen Buhler, küßt Die Lilie hier bei’m Tanz, Die Lilie, die Vestalin ist! Es leb’ die Toleranz! Die schöne Türkin Tulipan Schwingt ihren Becher Wein, Das wird gewiß im Alkoran Nicht vorgeschrieben sein! Und noch gar Mancherlei geschieht Was Mahom nicht erlaubt. Und unter Scherz und Wein und Lied, Wird’s Abend, eh’ man’s glaubt. Und weil die Dunkelheit erschreckt, So wird der liebe Mond Und alle Sternlein angesteckt Und nicht des Lichts geschont. Und als man alles Wachs verthan, Da war’s die höchste Zeit! Herr Sinngrün, ein Poet, hub an Und sprach voll Dankbarkeit: „O Röslein! noch so mancher Tag Mög’ dir vorüberziehn! Du mögst, verschont von Hagelschlag, Bis im Oktober blühn. Ein jeder Morgen geb’ dir Thau, Dein Mittag sei nicht schwül; Dein Abend aber lind und lau, Und keine Nacht zu kühl! Und wenn du einmal sterben mußt, Sei’s nicht im Sturmgebraus! Am Frieden einer schönen Brust Hauch’ deine Seele aus!“

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