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Gedichte in Hochdeutscher Mundart – Friedrich Stoltze 2

Einem Wunsche meines heimgegangenen Freundes Friedrich Stoltze nachkommend, habe ich die Ordnung und Herausgabe seines Nachlasses übernommen; seine Hinterbliebenen haben mich dabei in der nachhaltigsten Weise unterstützt, wofür ich ihnen an dieser Stelle meinen herzlichsten Dank ausspreche. Meine nächste Ausgabe war, die zwei Bände „Gedichte in Frankfurter Mundart“ und den Band „Novellen und Erzählungen“, von denen neue Auflagen nöthig wurden, sorgfältig durchzusehen. Dies ist geschehen; die neuen revidirten und zum Theil vermehrten Auflagen liegen jetzt dem Publikum vor, und zwar der erste Band der „Gedichte in Frankfurter Mundart“ in zwölfter, der zweite in siebenter und die „Novellen und Erzählungen“ in zweiter (viertes Tausend) Auflage. Sodann mußte der gesammte Nachlaß, der sich als ungemein reichhaltig und verschiedenartig erwies, in eine gewisse Eintheilung gebracht werden. Es war die Absicht des Verstorbenen, seinen „Gedichten in Frankfurter Mundart“ in der nämlichen Form und Ausstattung einen Band hochdeutscher Gedichte folgen zu lassen, für den er schon im Allgemeinen Anordnungen getroffen hatte. Dieser Band, der hier dem Leser vorliegt, sollte eine Auswahl der hochdeutschen Gedichte aus der längst vergriffenen Ausgabe von 1862, sowie aus dem dritten Bande der Ausgabe von 1871 und dann eine größere Anzahl neuer Gedichte enthalten. Die älteren Gedichte hat Stoltze theilweise selbst noch ausgewählt, und auch bei vielen von den neuen hat er die Aufnahme verfügt; für einzelne hat er sogar die Stelle bestimmt, wo sie stehen sollen, so z. B. für erste Gedicht „Bis zum letzten Tropfen Blut“ die Stellung an der Spitze der ganzen Sammlung. Nach diesen Anordnungen habe ich mich gut wie möglich gerichtet. Eine Ausnahme habe ich mir nur bezüglich derjenigen Gedichte erlaubt, bei denen Stoltze die Aufnahme nicht verfügte oder mindestens zweifelhaft war, und zwar, wie ich mich überzeugt habe, aus lediglich formalen Gründen. Dies gilt von einigen Gedichten der älteren Periode, sowie von einzelnen Strophen, in denen der Reim etwas frei behandelt war (wie z. B. in dem Gedichte „Im Hochgefühle einer freien Seele“), und die er nicht strich, sondern nur bei Seite legte, um sie gelegentlich umzuarbeiten und zu verbessern. Bei einigen ist die verbessernde Umarbeitung erfolgt, bei anderen kam er nicht dazu. Ich denke, man wird mir keinen Vorwurf daraus machen, wenn ich mich nicht entschließen konnte, aus lediglich formalen Bedenken schwungvolle und inhaltlich reiche Gedichte oder Strophen fortzulassen. Eine streng systematische Eintheilung des Stoffes vorzunehmen, war nicht möglich und vom Dichter auch nicht vorgesehen. Am nächsten lag noch, die Gedichte in historisch-biographischer Ordnung sich folgen zu lassen. Dem stand aber entgegen, daß bei manchen Gedichten das Jahr ihrer Abfassung nicht mehr zu ermitteln war, und daß die große Verschiedenartigkeit der einzelnen Gedichte nach Inhalt, Form und Stimmung einen harmonischen Gesammt-Eindruck des ganzen Bandes nicht hätten aufkommen lassen. Ich habe es daher vorgezogen, ähnlich wie Stolze bei den früheren Ausgaben zu verfahren; ich habe nämlich die Gedichte nach ihrer inneren Verwandtschaft in größere Gruppen zusammengestellt, innerhalb deren wieder die Rücksicht entweder auf das HistorischBiographische oder auf den Uebergang vom Pathetischen in das Humoristische für die Anordnung maßgebend war. So habe ich die vorwiegend politischen Gedichte in der ersten Abtheilung untergebracht, welche den Titel „Heimath, Vaterland und Freiheit“ trägt; nach den einleitenden Gedichten allgemeiner Natur, die gewissermaßen das Thema zur politischen Lyrik Stoltze’s abgeben, folgen die übrigen in wesentlich chronologischer Ordnung, die es dem Leser gestattet, nicht bloß die politische Entwickelung Deutschlands in großen Zügen zu verfolgen, sondern auch wahrzunehmen, welchen Eindruck sie in ihren einzelnen Stationen auf das Gemüth des Dichters gemacht hat. Die zweite Abtheilung „Natur- und Menschenleben“, habe ich nach dein Gesichtspunkte der Jahres- und Festzeiten geordnet und auch hier das Allgemeinere dem Besonderen vorangehen lassen. Die Abtheilung „Meinen Lieben“ ist fast ganz nach den Bestimmungen Stoltze’s zusammengestellt; in ihr hat der Dichter den Seinigen, denen er in grenzenloser Liebe anhing, ein schönes literarisches Denkmal gesetzt. Den Schmerz um schwere Verluste, die er erleiden mußte, wird man auch aus anderen Gedichten herausklingen hören. Die übrigen Abtheilungen bedürfen keiner Erläuterung.


Es war der ausdrückliche Wunsch Stoltze’s, daß diese Sammlung seinem früh verstorbenen Freunde Dr. Gustav Kanngießer, der unser gemeinschaftlicher Freund war, gewidmet werde; die Widmungsworte hat er selbst noch festgestellt. Dr. Gustav Kanngießer. geboren am 22. Sept. 1844 in Wolfhagen bei Kassel, hatte Theologie und Philologie studirt, fand aber in dem von seinem Bruder Otto im Jahre 1867 gegründeten „Frankfurter Beobachter“ und in dessen Unterhaltungsblatt „Siesta“ eine seinen Kenntnissen und Neigungen besser entsprechende literarische Thätigkeit. Er war eine gemüthliche, feinfühlige, anregende Natur, die man unwillkürlich lieb gewinnen mußte. Am 7. Juli 1878 raffte ihn eine tückische Krankheit hinweg. Nicht weit von seinem Grabe suchte und fand Stoltze die Ruhestätte für sich und seine Frau, und die Widmung die es Bandes zeugt von einer Freundschaft, die das Grab überdauert. Was an Stoltze’schen Dichtungen noch vorhanden ist, wird in einem Nachlaß-Bande gesammelt erscheinen. Es sind Dichtungen verschiedenster Art: Hochdeutsche und in Frankfurter Mundart, Novellen und Erzählungen, Ernstes und humoristisches, kurze Geschichten und Theaterstücke, Räthsel, Widmungen, Tischlieder, Sprüchwörter u. s. w. Dieser Nachlaß-Band, dem eine Biographie Stoltze’s beigegeben werden soll, wird im Laufe des nächsten Jahres erscheinen und die Ausgabe seiner Werke vorläufig abschließen. Frankfurt a. M., am Jahrestage der Geburt Stoltze’s, 21. November 1891.

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