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Gedichte – Heinrich Lautensack

Löscht aus – zuviel des Lichts und Weins und träumt von Sinn und Ziel des Seins! Und einer träumt sich kalt und bleich und ist am Morgen im Himmelreich … Löscht aus. Löscht aus – und faltet die armen Händ und betet – just wie ihr beten könnt! Und morgen steigt ein Licht herab und morgen legen wir ihn ins Grab … Löscht aus. Löscht aus – gerade Mitternacht da wird ihm ein Kind zur Welt gebracht wie er so recht im Sterben ist. Und das Kind hat die Augen HERRN JESU CHRIST … Löscht aus. – – – – – – – – – – – – Löscht aus – und ich muß wachen und gehn muß sterben und gebären sehn! Löscht aus – zuviel des Lichts und Weins und träumt von Sinn und Ziel des Seins … Löscht aus! (Von dem unsichtbaren Nachtwächter Tod auf der verdunkelten Bühne dumpf zu singen.) Wiegenlied Müssen alle Menschen schlafen vor und um und in der Stadt. Weil der Himmel Lichter hat, weil sich zwei Verirrte trafen. Keiner darf die beiden schauen in erhellter Nacht. Wenn mein Kind vom Schlaf erwacht, müssen die Sterne scheiden. Hat des Tages Mär ein Ende, hebt die Nacht mit Wundern an. Werden Türen aufgetan, reichen hohe Himmel Hände. Will ein Blühen werden – ist ein Ringen: Leib an Leib. Wird ein Singen: Mann und Weib – ist ein Glück auf Erden! Singet Groß und Alt den Kleinen, unsern lieben Kleinen Ruh. Machet, daß die Äuglein zu, daß die Kleinen nimmer weinen. Irgendwo im Dunkel liegt ermattet Leib an Leib. Ruhen selig: Mann und Weib unter Sterngefunkel. Maria Magdalena Flieg, meine weiße Taube, flieg! Die Frauen haben ausgeweint und von den Tränenhimmeln stieg ein sieghaft Licht. Die Sonne scheint. Der Erde Wunden schließen sich. Die Sonne scheint. Die Sonne heilt. Die Wasser all verfließen … Und Einen hat ein Tod ereilt! Die Frauen haben ausgeweint. Und von den Tränenhimmeln stieg ein sieghaft Licht. Die Sonne scheint. Flieg, meine weiße Taube, flieg! Der Erde Wunden schließen sich.


Die Sonne scheint. Die Sonne heilt. Und Ölbaumblüten sprießen zu goldenem Feste ausgeteilt! – – – – – – – – – – – – Nun trag ich weißen Kranz im Haar. Weiß keins, daß ich ein Kind gebar. Und Einem über eine Nacht so seltsam Weib und willens war. Und länger als ich es gedacht: wohl länger als ein Jahr! … Flieg, meine weiße Taube, flieg! Glaub nicht, daß Er vom Kreuze stieg! … Schon glüht durchs Dunkel manches Licht. Gehn wir, wo man uns Kränze flicht aus Ölbaumblütenzweigen. Die Männer, die sich vor Frauen neigen, müssen sich siebenmal vor mir verneigen – und wissen’s nicht – – – – Das Korsett I Als die wunderschöne Bürgermeisterstochter von Kalteneck – im vierten Monat – auf einem Spaziergange von den andern etwas abseit ging Weh! könnt’ ich mein Mieder lüften! Wer ist elender als ich? Alle Lust versperrt in Grüften. Alle Ketten wider mich. Wider Brust und wider Lenden. Oh ich unglücksel’ges Weib! Dreimal eingesperrter Leib zwischen unbarmherz’gen Wänden! Wie mir’s unterm Herzen schwillt wild und wilder wie Verlangen, das ich einstmals blind erfüllt in wahnsinnigem Umfangen: In dem Maße wie es drängt, wilder drängt und wilder dränget, wird es stärker eingezwängt, schmerzlicher nur eingezwänget. Drüben singen meine Freunde. Wenn sie ahnten, wo ich blieb! Wenn sie sähen, daß ich weinte! Wenn sie wüßten, was mich trieb, einmal – wenn nur in Gedanken! – aufzuatmen aus den Schranken, aus dem würgenden Geschling, das die Lust wie Tod umfing! – Wenn sie wüßten, was ich ach! unbesonnen ach! verschuldet. Trat ein Jüngling ins Gemach und ich hab es ach! geduldet! Einmal einem hingegeben und schon büß’ ich meine Lust: Unterm Herzen keimend Leben und so weh ach! weh die Brust! Doch – in Ketten wachs und werde, Kind, du Mein Kind, trübste Lust: Einmal schaust du Licht und Erde, einmal trinkst du meine Brust, einmal –: Und dann laß ich nicht, läßt die Mutter nicht vom Kinde, Kind, dann sterben wir: Die Sünde ist’s, die unsre Blüten bricht … II Als die wunderschöne Bürgermeisterstochter von Kalteneck – im siebten Monat – ein zweites und letztes Zusammentref en einging Unsere Stadt ist klein. Die wenigen alten Häuser sehen so ernsthaft drein. Und kommt die dunkle Nacht: Hinter Fenstern und in Herzen nicht Licht noch Liebe wacht. Dunkel löscht alles aus, Es ist wie ein großes Sterben nächtens in jedem Haus. Und mußt’ ich zu dieser Stund um alles dir hier begegnen: ich schloß dem Tod den Mund. Der blies kein Lichtlein an, das uns verraten hätte, eh’ wir uns g’nug getan. Doch länger verzieht er nicht. Sieh dort: in meinem Hause weckt er das erste Licht! Nun weiß ich meiner Wege. Ein Kuß noch deinem Mund. Bald schauen hoch vom Stege viel Lichter in schwarzen Schlund …

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