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Gedichte Auswahl – Anakreon

Gott gab den Stieren Hörner; Den Hengsten starke Hufe; Den Haasen schnelle Läufte; Den Löwen weite Rachen, Mit Zähnen stark besetzet; Den Vögeln leichte Schwingen; Den Männern gab er Klugheit. Allein dem Weine keine. Was gab man denn? Schönheit. Die schüzt es wider Schilde, Und wider alle Schwerdter. Und beydes Stahl und Feuer Bezwingt die blosse Schönheit. III. Auf Amorn. Jüngst um Mitternacht, wenn Arktos Vor Bootens Hand sich drehet, Und von Arbeit überwältigt, Alle Welt im Schlafe lieget: Schlug Kupido mit dem Klopfer An die Thüre meines Hauses. Wer, so rief ich, raßelt drausen? Du verjagst ja meine Träume! Oefne mir, war Amors Antwort. Fürchte nichts: ich bin ein Knabe, Welcher ganz von regen triefet, Und im Finstern sich verirret. Dieß bewegte mich zum Mitleid. Gleich ergriff ich meine Leuchte, Schloß ihm auf, und sah den Knaben, Mit dem Bogen, und dem Köcher, Und den Flügeln auf dem Rükken. Als ich ihn zum Feur gesetzet, Wärmt ich seine kalten Finger Selbst in meinen hohlen Händen; Und aus seinen gelben Locken Drückt‘ ich ihm das Regenwasser. Als ihn nun der Frost verlassen, Sprach er, lasset uns versuchen, Ob die naßgewordene Sehne Meines Bogens nicht verdorben! Darauf spannet er den Bogen, Und durchbohrt, gleich einer Wespe, Mir das Herz, recht in der Mitte, Hüpfte lächelnd in die Höhe, Sprach, o Wirth, sey mit mir frölich! Sieh! mein Bogen ist noch schadlos; Doch dein Herz wird Quaal empfinden. VIII. Sein Traum. Ich schlief, berauscht vom Bacchus, Des Nachts auf Purpurdecken; Da deuchte mirs im Traume, Daß ich mit Schönen spielte; Und daß ich auf den Zähen In großer Eile liefe. Da schimpfeten mich Knaben, Die schön, wie Bacchus, waren, Und dieser Schönen wegen, Mir bittre Reden gaben. Als ich sie nun zur Strafe Ein paarmahl küssen wollte, Entflohn sie mit dem Traume; Und ich Einsamer wünschte Von neuem einzuschlafen. X. Der wächserne Amor. Es wollt ein Jüngling Amorn, Aus Wachs gemacht, verkaufen. Ich stand bey ihm, und fragte: Was geb ich für dieß Bildgen? Er sprach zu mir auf dorisch: So viel, als dir beliebet. Doch dir nichts zu verheelen: Ich bilde nicht aus Wachse. Allein ich will nicht länger Bey diesem Amor wohnen, Der, was er sieht, gelüstet.


So gieb mir um ein Drachma Den schönen Schlafgesellen. Du aber, merk es, Amor, Sollst mich so gleich entzünden; So nicht? – – im Feuer schmelzen. XX. Auf sein Mädgen. Zum Fels ward Tantals Tochter Auf Phrygiens Gebürgen; Und des Pandions Tochter Ward ehedem zur Schwalbe. Ich möcht ein Spiegel werden, Daß du mich stets beschautest; Zum Kleide möcht ich werden, Daß du mich immer trügest; Zum Wasser möcht ich werden, Daß ich dich baden dürfte. Zum Flore deiner Brüste, Zum Kleinod deines Halses, Zum Schuhe möcht ich werden, Daß mich dein Fus doch träte. XXVIII. Auf sein Mädgen. Auf! Vortreflichster der Mahler! Auf! und schildre, Preis der Mahler, Meister in der Kunst der Rhoder, Schildre mein entferntes Mädgen, Wie ich sie beschreiben werde. Mahle mir vor allen Dingen Zarte rabenschwarze Haare; Und, wenn es das Wachs gestattet, Mahle sie auch lieblich duftend. Mahle zwischen schwarzen Locken, Da, wo sich die Wangen schliesen, Eine Stirn von Helfenbeine. Laß sich nicht die schwarzen Bogen, Die sich um die Augen krümmen, Gänzlich trennen, noch vermischen; Sondern, wie bey meinem Mädgen, In einander sanft verlieren. Ihrer Augen Reiz zu treffen, Mache sie von regem Feuer, Und auch blau, wie Pallas Augen, Und auch zärtlich, wie Cytherens; Mische Milch zu jungen Rosen, Wenn du Nas und Wangen mahlest. Gib ihr Lippen, wie der Suada, Die den Mund zum Küssen laden. Um das sanfte Kinn der Schönen, Und um ihren Hals, wie Marmor, Laß die Huldgöttinnen fliegen. Kleide sie nunmehr in Purpur; Aber laß vom zarten Busen Etwas Wenigs unverhüllet, Das Verhüllte zu verrathen. Geh izt hin. Ich seh mein Mädgen. Wirstu, Bild, nicht auch bald reden? XXIX. Auf Bathyllen. Mahle meinen Freund Bathyllen, Wie ich dich belehren werde. Glänzend mache mir die Haare; Mache mir sie schwarz im Grunde, Und von aussen gleich dem Golde. Laß sie, als ein Spiel der Winde, Ungekünstelt, und in Ringen, Wie sie selber wollen, schweben. Seine zart und lichte Stirne Ziere mir mit Augenbraunen, Die noch schwärzer sind, als Drachen.

Trozig sey sein schwarzes Auge, Doch mit Heiterkeit vermischet; Jenes borg ihm vom Gradivus; Dieses von der schönen Venus; Daß, wenn jenes Furcht erwecket, Dieses doch mit Hofnung schmeichelt. Mache seine zarten Wangen, Wo sich junges Milchhaar reget, Gleich den rosenrothen Aepfeln; Und so viel dir immer möglich, Mische holdes Schamroth drunter. Doch ich weiß nicht, wie, o Mahler, Du die Lippen machen werdest. Niedlich, und ein Siz der Suada, Auch im Schweigen selber redend, Müssen seine Lippen werden. Rundgebildet sey sein Antliz; Und der Hals von Helfenbeine Gleiche des Adonis Halse. Gib ihm auch die Brust Merkurens, Und desselben beede Hände, Und des Pollux weisse Hüften, Und den Bauch des schönen Bacchus. Unter seinen zarten Hüften, Seinen feuervollen Hüften Mach ihm eine Scham voll Unschuld, Die sich schon nach Liebe sehnet. Deine Kunst ist wohl recht neidisch, Daß sie seinen schönen Rücken, Der das Beste ist, verbirget. Was beschreib ich erst die Füse?

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