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Die stillen Inseln – Hans Bethge

In Jugendsehnen nach den stillen Inseln Des Friedens schuf ich diese Verse mir. Die stillen Inseln liegen weit, weit ab, Und die sie fanden, kehrten nicht zurück. Wüsst ich den Weg zu ihrer Herrlichkeit, Ich nähme lachend meinen Wanderstab Und liesse Euch und Eure trübe Welt Und zög demFrieden zu. Wer kennt den hier? Er blüht nur dort, wo kein Verlangen ist, Nicht Wechsel, keine hoffnungsbange Saat Und keine Ernte, die Vernichtung bringt. In hohem Meer, von Schönheit übersonnt, Durchblüht von Blumen, die kein Auge sah, Erfüllt von Klängen, die kein Ohr empfand, In Düften, die wie Kindermärchen sind — So liegt das Reich. Doch ist’s unendlich fern, Und keines Vogels Fittich weist den Pfad. Ich suche nun so lange, lange schon, Den Vielen gleich, die voll Begehren sind; Oft ist’s zum Zagen — doch ich wanke nicht; Die Hoffnung bleibt mir treu, ein seliger Trost. Was drum die Zukunft immer bringen mag; Mein Leben soll ein frohes Ringen sein Den stillen Inseln zu, dem Friedensreich, Dahin der Weg so grausam unbekannt, Denn die ihn fanden, kehrten nicht zurück. Schönheide im Erzgebirg. Sylvester 1897. VISION In blasser Mondnacht stand ich an Meeres Rand, Ich sah den ewig raunenden Wassern zu Und atmete die schweren Düfte, Die von den Heideblüten kamen. Und seltsam ward mir. Seltsam durchbraust’ es mich Wie Frühlingsahnen, ach, so versöhnungsmild. Vor meiner Seele Blick erstanden All meine heiligen Kindheitsträume. Das war so schön. Ich hätte im Überschwang Aufjubeln mögen, trunkenen Glückes voll — Da — jählings aus den Wolkenfernen Flammte ein Blitz. Die Träume schwanden. Ich wollt sie fassen! Aber erbarmungslos Zerrannen sie. Und einsam und sehnsuchtsmatt Blieb ich zurück. Das Meeresrauschen War meinen Ohren wie ein Spottlied. AUF EINE TOTE I Ich sah Dich vor der Laube stehen, Den bunten Sommerhut am Arme, Die grossen Augen träumend offen, Die Hand aufs laute Herz gedrückt. Ein Kuckuck fing aus fernen Wäldern Zu rufen an. Du zähltest bange. Er rief das erste Mal im Jahre. Kuckuck.


Dreimal. Der Vogel schwieg. Da bissest Du den Mund zusammen, Da wurden Deine jungen Wangen Wie Asche bleich. Nur auf der Mitte Die beiden roten Tupfen blieben. II Sie lag in heissen Krankenkissen, Verwacht, mit glanzlos müdem Blick, Und horchte auf den Pendelgang Der Kuckucksuhr. Weissblaues Mondlicht Drang aus der fliedersüssen Lenznacht Durchs Fenster; wob in den Gardinen Und fiel in Streifen auf das Bett. Sie sah das Licht. Sie hob die eine Von ihren schweren, kühlen Händen Hinein. Es graute ihr. Sie hätte Niemals gedacht, dass es so fahle, So tote Hände geben könnte An Lebenden. Dann aber wurde Sie still, ganz still. Sie blickte lange Auf das beglänzte, erdverfallene Glied, Wunschlos — Und lächelte. III Ihr Auge war so sterbens-sterbensmatt. Die Sonne schien auf ihre Lagerstatt. Sie sah mit Lächeln in das süsse Licht. Sie ahnte Alles. Doch sie klagte nicht. Die Sonne ging. Sie sah dem Scheiden zu. Dann weinte sie und legte sich zur Ruh. Und als das Abendlicht gekommen war, Lag schon ein Kranz auf ihrem Mädchenhaar. KIRCHHOFSNACHT Nachtgetier mit weichen Flügeln Segelt um den alten Kirchturm. Unten auf den Leichensteinen Hockt gespensterhaft das Mondlicht. Düfte ziehen um die Gräber, Nelken- und Violendüfte, Und der Leichenduft des Lorbeer Und ein Ahnen aus dem Beinhaus. Stille, stille sind die Toten.

Stille liegen ihre Hügel, Drüber hin mit Palmenwedeln Schwebt ein blonder Friedensengel. Horch. Mit leisem Knacken plötzlich Hebt die Turmuhr aus, die alte. Zwölf gedehnte Glockenschläge Hallen dröhnend in die Runde. Und der Nachtwind fährt mit Rascheln Durch die welken Totenkränze. Leise rauschen die Cypressen. Von dem Turme schreit ein Käuzchen. AM GRABE STORMS Auf Husum lagen Nebel dicht und schwer, Am Hafen sah man kaum die Halligsegel. Die Luft war voll von Rufen grauer Vögel, Und hinterm Deiche regte sich das Meer. Ich trat an eine steinern kahle Gruft, Hart an der Strasse, wo die Kinder spielen. Die Linden, deren Blüten schon entfielen, Verstreuten ihren letzten Duft.

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