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Das Sinnreich der Erde – Konrad Weiß

VORWORT Was im einzelnen gefügt Wort ist und nicht mehr kann rücken, daß es nicht im ganzen trügt, geh du fort auf Traumes Stücken – nein, der Sinn versinkt wie Traum in dem auferwachten Tage, und du suchst im ganzen Raum endlos deine eigne Sage. 5.6.1937 Konrad Weiß: Das Sinnreich der Erde Wanderer in Tagen Wanderer in Tagen NACHTLIED Leicht wallt Gewölke vor dem Mond hin, weißen Atem haucht die Nacht aus, leise flüstern die Blätter dem Wind nach, die Seele tritt aus ihrem dunklen Bild heraus. Frage ist auf Frage Antwort nur, schied die letzte, zittert noch der Mund, stößt die Seele jäh auf den verborgnen Grund, nächtens weckt die Mutter auf ihr Kind. Sommer 1914 Wanderer in Tagen MORGEN-LEIS Nach einer schlaflos langen Nacht den Sinn dumpf, müd und überwacht weckt quirlend eine Vogelstimme, das klingt so rein im frühen Schein, und über jedem dunklen Grimme schläft Unrast ein und Eigenpein. Da irgendwo, wo ich nicht weiß, singt nun das Kehlchen wirbelleis und steht auf seinen zarten Füßen, es ringt sein Mund, ihm selbst nicht kund, als müsse doppelt es begrüßen zu dieser Stund den Erdenrund. Mein Sinn und mein Gedankenspiel sucht neu erquickt das alte Ziel: so will ich meine Seele schreiben, so rein und nicht verdroßner Pflicht, daß nirgendwo die Füße bleiben, daß mein Gesicht vergeht im Licht. 3.9.1919 Wanderer in Tagen MORGENGESTIRN Ob er zur Vollendung riefe tief in Nacht oder schliefe, flieht am Morgen nicht vollbracht halber Wunsch und halber Wille, und allein tief in Stille findet sich die Seele ein. Hart und was sie viel gelitten, wie ein Stern schon entglitten trägt sie noch die Sichel gern. Unerlassen was ihr bliebe, rührt im Tun, wem zuliebe, und in Wahrheit auszuruhn, naht sie ihrer kalten Wiege, wie der Wind, was er biege, noch in dunklen Blättern sinnt; spornt sich schneller nun zur Eile schon im Licht, das wie Pfeile sich an starken Schilden bricht, flieht zur Ferne kaum gemieden; dort verblaßt hoch in Frieden, was schon in Ergebung fast immer her die Arme wendend hier am Ort nimmer endend suchen muß der Wille fort. 22.9.1916 Wanderer in Tagen DER WANDERER Der eine Mensch braucht leichte Hand, er beugt sich morgenglanzbetaut, der andere wie schwüles Land, auf dem Gewitterabend braut, verkrampft in Gottes Faust sein Blut, die schwer auf Erden ruht. Ich bin dem Morgen spät erwacht, als schon die Sonne Kränze trug, Gewölkebrut aus Mitternacht die Seele feurig überschlug, die Tageszeit steht im Zenit, verlängre deinen Schritt. Das wird ein harter Abendgang, der Herz an Herz treibt durch die Welt, durch Dunkelheit bricht Licht dem Klang voraus, der starr in Ufern hält, ein banger Groll furcht himmelwärts, Herr, stärke mir das Herz! 25.8.1918 Wanderer in Tagen DER DRACHE Gaukelwerk zu Häupten mir, meines müden Sinns Panier, stößt von eines Knaben Griff in die Lüfte wie ein Schiff. Wallend mit dem Segler dort unerlassen fort und fort, meiner Seele Bild geschwind hebt ein Fittich in den Wind. Hartes Ding im Himmel rein, das ein Kind nun fern und klein zu sich und zur Erde zieht, – wilde Ruhe, die mich flieht, weile, denn das Himmelstor tritt geschlossener hervor, ehern hängt der Erdensaum rings im grenzenlosen Raum. Keine Regung, die mehr blieb, aus dem hauchhaft leisen Trieb stetiger die steile Bahn fährt das Schiff gen Himmel an. Fortgelockt vom schwanken Bild, hohe Dauer, Ferne mild, ist der Geist im reinsten Flug dinglich Wesen nie genug. Wanderer in Tagen GEWITTERABEND Ich weiß, du hast mich aufgespart und läßt mich leben in meiner Kreatur, wie hell der Blitz, der eben vor die Sonne fuhr, sich mit dem Abendhimmel paart, wie kein Besitz mir gänzlich hingegeben.


Wagt mich mein Herz schon ganz verarmt, du läßt mich wagen um meinen bloßen Schein, um Einsatz leer, und voller nur im Widersein des Dunkels, drin mein Herz verbarmt, des Lichtes Wehr auf meinem Haupt zu tragen. Kniet mancher wohl um Lebens Drang, daß treu es bliebe, oder um Hungers Not, daß weiter stark er schlicht erfülle dein Gebot, das ihn zum sichern Leben zwang, gestillt sein Mark, um Gut und Rast in Liebe. Nicht Sicherheit ist mir zu Teil; mein freier Wille bebt fort im Zwiespalt, um, was er erschafft, zu füllen in die Wimper stumm, gleich einer Mutter Leben Heil gibt, Kraft aus Kraft, daß ich die Zeit erfülle. Den Rundblick wie ein Baldachin bedrängt das lichte Gewölke mit Gewalt vor dunkler Last und setzt sich wider die Gestalt empor und zückt aus ihr den Sinn und gibt ihr Rast, daß dunkler sie sich schlichte.

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