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Das Herz des Wortes – Konrad Weiß

Zwischen den Wurzeln am Stamm unten im Ringe von Wald ferne dem steinernen Gram, wo sie nur hölzern verhallt, meine Stimme, mein Kind leg ich im Rauschen es ab, ach daß ein Reislein ich find, hier ein lebendiges hab. Immer ich hart wie ein Stein, widerspenstig mein Mund, nur ein Quellchen lief, ein Wasser aus Trümmern zum Grund. Sieh das Geheimnis im Moos, öffne das düstere Tor, brich mit dem Eiland im Schoß zwischen den Stämmen hervor, beide Arme, so wie Vater und Mutter es wiegt, schaukle, es lächelt, o sieh, wie im Rinnsal der Freude es liegt. (4.1.1920) Verkündigung Als Maria, da der Engel ihr Jungfrauengemach verlassen, schier, wie die Flut ihr Herz hinuntertrank, hin verlöschend durch des Weinens Gier auf das Kissen, wo sie kniete, sank, da, noch eh der Tau vom Auge brach, sah sie, daß vorm Fenster — ihr Gemach wurde hell davon — ein Baum im Reif stand, wie knospet Gold durch Wasser, sprach sie, die weiße Flamme. — Herz begreif! (22.12.1920) Die Empfängnis Daß eine Lust, die Sinn bewahrt, mit einem Mal zum Opfer muß, Maria horch, Maria blieb dies aufgespart, da kam zu ihr des Engels Gruß. Daß unser Herz Entdeckerlust vom Weg in Gottes Führung quält, Maria horch, und dieses Herz ging unbewußt durch Tier und Pflanze wie gestählt, bis eins das andere zerpflückt, dann bricht das Lied gleich einem Knauf, Maria horch, und kommt wie Murmelton erstickt, auf daß er fließt, der Quell herauf. Sie senkte sich, sank an ihr Bett, die Kundige, o nein, wie Laub, Maria horch, mein Buch erfüllt, mein arm Gerät, ein welk und dürrer Sinnenraub. Und daß sie es nicht füllen kann, und so behielt sie ihr Gesicht, Maria horch, nun geht die Lust des Opfers an, Maria singt und weiß es nicht. 1920 Sinnspiele des Advents 1 Für Christoph Flaskamp Du gabst dem Wort, das in sich brach, den Sinn, dem Willen, der nicht auferstehn im Leibe, nur in sich fassen gleich dem ersten Weibe die wunde Schöpfung wollte, die ich bin, du gabst dem Wort verstrickt von Anbeginn, dem willig bloßen, das die Hostienscheibe der Erde in sich nahm, damit sie bleibe der reine Grund der zweiten Mittlerin, du gabst dem Wort des Menschenkernes Kraft; und Adam grub die Schollen um im Land und sammelte die ausgetriebne Schar; die Erde ward bevölkert um den Schaft des Baumes der Erkenntnis, der bestand, bis das Vergängliche Ereignis war. 2 Für Karl Caspar Der Bildner hat nach seinem hohen Plan das Abbild willentlich gestaltet matt, die Größe geht nicht in das kleine Blatt als nur durch größern Willens weite Bahn. Es hängt des Opfers kühne Lust daran, wie er sich einsetzt, der die Fülle hat, aus der Vollendung Bild die Seele satt rührt frei im Mangel das Geheimnis an, daß in die Menschheit hat den Sohn gestellt der Schöpfer, der unendlich über Erden sein Bild im Menschen nicht mehr rein erfand. Er trat unendlich menschhaft in die Welt, daß wir im Sinn des Opfers teilhaft werden, bis uns in Demut eigner Sinn entschwand. 3 So wird in uns der reinen Liebe Kern aus dem vergänglichen Ereignis Fülle, bis wir abwerfen diese Erdenhülle, die in uns Schöpfung wurde, die doch fern uns durch die Fülle hält, wie Pracht den Herrn dem armen Sinn entrückt, aus dessen Stille ein kindlich tiefes Wort als letzter Wille die Erdenarbeit bricht um Ziel und Stern. Denn der Verflechtung Sinn ist unsre Schuld, wir lösen langsam nur uns aus dem Schlafe, auf die von ewig wartete das Kind; die weisen Könige erfaßt Geduld, die Hirten wandeln aus dem Kreis der Schafe, die Seelen spielen, die nun Engel sind. (10.10.1918) Das Linnen Maria stand an ihrem Schrank, und als sie dann die Lade zog, wo sie die Leinwand barg, und bog ihr Haupt zu ihrer Brust, da sank, obgleich sie schnell sein Strömen brach, ein Tropfen tropfend in das Fach. Und war in diesem Augenblick verschluckt und von ihr weggerafft, die knieend nun mit aller Kraft sann, wieviel fließt, dann kommt zurück das Wasser und es ist nicht mehr, weiß schimmernd lag die Lade her. Es ging und kam, sie gab nicht Wort, die zwiefach so getränkte Braut, nun war es wieder aufgestaut das Wasser und hielt seinen Ort; sie weiß, wie viel, die nichts vergißt, von jedem ihr bereitet ist. Maria im Dorn Was sitzest du und sinnest nur, Maria lind? Ich trage, dem ich bin die Spur, dies eine Kind in meines Leibes Wiege, die Spur, daran ich Monde wachsend trage, in der ich mich erliege, fährt über mich wie laute Frage: warum ich so empfänglich bin und sinnenwund, die linde Luft bereift mich in der Lippe Grund und flammt mir in die Kehle, ich bin gezweigt in meines Hauches Nöte und trinke in der Seele, davon entblüht mir Rosenröte. Es treibt mich unter Menschen groß ein Ungestüm, daß ich so tief in meinem Schoß gefangen bin, und schließt mich in die Kammer, es ist der Judas, eh mein Kind entglommen, mit seiner Menschenklammer, mit allen Kindern schon gekommen.


So spielt in mir das nimmersatt wie Herbsteswind, das nur ein Hauch beseligt hat, dies eine Kind und sammelt meine Hauche, die Blüte, die ich dornenvoll ertrage, daran ich mich verbrauche, beknospet mich mit bittrer Klage.

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