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Zwei – Fran Peterz

Die Erkenntnis des Mörders Er hatte schon wieder zugeschlagen. Ich denke daran. Als ich auf dem Weg zum Fundort der Leiche gehe. Der Anruf hatte mich aus meinem unruhigen Schlaf gerissen. Wieder er, den die Medien ohne viel Fantasie den Namen Bowieschlitzer gegeben hatten. Dies war möglicherweise sein siebtes Opfer. Sie waren immer vom gleichen Typ: Blonde langbeinige junge Frauen, mit einem Hang zu kurzen Röcken und hohen Absätzen. Und zu One Night Stands. Soweit wir wussten, lief es immer gleich ab: Der Mann machte die Bekanntschaft der Opfer in Bars oder Cafes. Überredete sie, mitzukommen. Hatte mit ihnen Verkehr. Dann schien er sie zu überreden, noch einmal weg zu gehen. Er schlitzte ihnen danach die Kehle durch. Ließ sie in einer der engen Sackgassen in der Stadt liegen. Zudem schlitzte er ihnen allen noch eine Nummer auf ihre flachen Bauchdecken. Nummerierte sie durch. Opfer Eins bis Sechs hatten wir schon gefunden. Ein Rätsel blieb mir, aber auch der gesamten Kommission, die gebildet worden war, warum. Wieso hatte er mit ihnen Sex und brachte sie dann um? Keine der Frauen war vergewaltigt worden. Keine Gewaltanzeichen. Aber all sie hatten unmittelbar vor ihrem Tod Sex gehabt. Mit dem Mörder. Wir hatten in einigen Fällen Zeugen gefunden. Sie hatten bestätigt, dass das jeweilige Opfer mit einem Mann mit langen schwarzen Haaren und einem Schnurbart weg gegangen war. Als ich jetzt vor dem Fundort um die Ecke biege, sehe ich schon Polizeiautos, eine Absperrung, Lichter.


Höre Sirenen. Ich quetsche mich durch die gaffende Menschenmenge. Zeige meinen Ausweis vor. Der Polizist an der Absperrung lässt mich durch. Wieder liegt das Opfer in einer dunklen Sackgasse. Hinter einer Mülltonne. Ein Fotograf ist mit Aufnahmen beschäftigt. Sein grelles Blitzlicht wirft ein grausames Licht auf die Szene. Die – wieder blonde, langhaarige – Frau liegt mit seltsam gebogenen Gliedern am schmutzigen Boden. Ihr kurzer Rock ist weit über ihre mit Strümpfen bedeckten Schenkeln gerutscht. Ihre Füße in den High Heels scheinen sich noch zu bewegen. Als würde sie versuchen, zu laufen. Alle Opfer wurden so gefunden. Auch in diesem Fall geht ein sehr präziser Schnitt über ihren sonst makellosen Hals. Sie liegt in einer riesigen Blutlache. Ihr schönes Gesicht ist ohne Verletzung. Aber ihr Gesichtsausdruck ist von Grauen verzogen. Mir fröstelt, als ich sie im Scheinwerfer, der aufgebaut wurde, betrachte. Ich ziehe das kurze Top, das sie trägt, nach oben. Ihre Haut ist noch warm. Es kann noch nicht lange her sein. Auf ihrer Bauchdecke prangt die Zahl Sieben, in Blut. Er war es – wieder! Ich muss mich abwenden, mir wird übel. Ich schließe meine Augen, aber die Zahl Sieben – ich kann sie nicht ausblenden. Seit nunmehr über zehn Jahren bin ich bei der Mordkommission.

Aber seit dem ersten Mord des Bowieschlitzers wird mir regelmäßig übel. Weil meine eigene Freundin das erste Opfer war. Sie, Karen, die Frau, die ich heiraten wollte. Ich verstehe immer noch nicht, wieso sie überhaupt mit ihm mitging. Mit ihm Sex hatte. Damals war es Zufall, dass ich zuerst am Fundort war. Und die Zahl Eins auf ihrer Bauchdecke sah. Das Grauen in ihrem mir so gut bekannten Gesicht sah. Meine Vorgesetzten wollten, dass jemand anderer den Fall übernehmen sollte. Aber ich schaffte es, sie zu überreden. Blieb dran. Einmal hatte ich ihn fast gehabt. Aber er entkam mir. Hinterließ keine Spuren. Mordete weiter. Du bist wieder auf Jagd. Erst gestern hast du aus der Entfernung die Blaulichter, die Sirenen gesehen. Und du hast deine Verfolger gesehen. Du bist nicht näher gegangen. Weil du weißt, dass sie oft genug auch das Publikum, die Voyeure filmen. Weil nach einer alten Weisheit der Täter zurück an den Tatort kommt. Deine Verfolger, die verdammten Bullen. Es hat dich erregt, zu sehen, wie sie fassungslos die Leiche angestarrt haben. Aber du musst weiter machen. Der Drang, er treibt dich weiter an.

Du hasst sie, die blonden Dinger. Die Schlampen, die ihren Körper nicht ordentlich bedecken. Du kannst ihre Körpermitte sehen, wenn sie sich auf die Barhocker setzen. Und ihre Röcke weit nach oben rutschen. Gleichzeitig liebst du sie. Bist auf sie scharf. Und du bekommst sie alle ins Bett. Dann unter die Guillotine. Keine ist dir entkommen. Du wirst die Welt noch von ihnen säubern. So gehst du wieder in eine der Bars. Du hast hier schon eine von den Frauen abgeschleppt. Deshalb trägst du heute eine blonde Perücke. Und einen Bart. Sie suchen immer noch nach dem Mann mit den schwarzen Haaren und dem Schnurbart. Bald hast du ein geeignetes Opfer gefunden. Sie ist sehr hübsch, hat lange blonde Haare. Genau dein Fall. Du sprichst sie an, setzt dich neben sie. Lädst sie ein. Bald hat sie drei oder vier Drinks in sich. Sie erzählt dir die ganze Zeit, dass sie von ihrem Freund verlassen wurde. Du tröstest sie, um sie ins Bett zu bekommen. Dann die Welt von ihr, von ihnen zu befreien. Heute musst du nicht mehr viel tun.

Die Kleine ist bereit für dich. Für deine Lust. Für ihren Tod. Bald verlässt du mit ihr die Bar. Sie lädt dich in ihre Wohnung ein. Kaum ist die Türe hinter euch geschlossen, fallt ihr über einander her. Sie kennt keine Hemmungen, zieht dich direkt in ihr Bett. Das gefällt dir. Sie reitet auf dir, wirft ihre langen Haare hinter sich. Stöhnt auf, als ihr beide gleichzeitig zum Höhepunkt kommt. Aber es bleibt nicht bei dem einen Mal. Sie scheint unersättlich. So, als ob sie wissen würde, dass es ihre letzte Nacht sein wird. Erst um drei Uhr morgens hast du sie soweit. Dass sie noch einmal mit dir weggeht. Die Bars haben ja bis sechs Uhr morgens offen. Du siehst ihr zu, wie sie sich anzieht. Du hast sie mit Jeans in der Bar getroffen. Überredest sie jetzt, dass sie einen kurzen Rock anzieht. Schwärmst von ihren schönen, endlosen Beinen. Sie ist Wachs in deinen Händen. Als ihr über die Treppe nach unten geht, starrst du diese Beine an. Denkst daran, dass sie schon bald zu einer toten Puppe gehören werden. Du lotst deine Geliebte mit einem Trick zu einer der dunklen Sackgassen, drängst sie zu einer Mauer. Sie lacht laut, glaubt, du willst sie küssen.

Aber du ziehst dein Messer. Ziehst einen blutroten Strich über ihre Kehle. Sie begreift nicht, sieht dich mit starren, offenen Augen an. Du spiegelst dich in ihnen, als das Leben aus ihr läuft. Sie stirbt schnell, kein Laut verlässt ihre Lippen. Du lässt sie langsam zu Boden gleiten. Dann richtest du ihre Beine in die Todesstellung ein. Ihre Haut ist noch warm, duftet noch nach Leben. Aber nicht mehr lange. Jetzt fehlt nur mehr dein Zeichen. Du hebst ihr Top an, signierst ihre Bauchdecke. Die Acht sieht wie ein Kunstwerk aus. Wie das Zeichen für Unendlichkeit. Langsam verlässt du den Tatort. Wieder läutet das Telefon, bevor ich bereit bin, aufzuwachen. Ich hebe ab. Immer noch betäubt durch die große Menge Alkohol letzte Nacht. Ich weiß nicht einmal, wo ich war. Was ich gemacht hatte. Völliges Blackout. Ich hebe dann doch ab. Ich verstehe zuerst nicht. Aber dann komme ich abrupt zu mir. Er hat schon wieder gemordet. Schon eine Nacht nach dem letzten Opfer.

Draußen ist es schon hell. Ich fahre zum Fundort, wahrscheinlich auch der Tatort. Wieder ist es eine Sackgasse. Heute liegt die Frau direkt an einer Mauer. Wieder das Grauen im Gesicht. Wieder trägt die Frau Minirock, dunkle Strümpfe und Pumps mit hohen Absätzen. Wieder ein präziser Schnitt über ihre Kehle. Und wieder lange, blonde Haare. Mein Magen ist geschwächt. Mir wird dieses Mal schon übel, bevor ich ihr Top angehoben habe. So ersuche ich meinen Partner, das zu tun. Tatsächlich prangt auf ihrem Bauch die Zahl Acht in Blut. Der Mörder hat sein nächstes Opfer gefunden. Am Nachmittag sitze ich mit immer noch empfindlichen Magen im Büro. Studiere einmal mehr die Wand mit den aufgehängten Fotos der Opfer. Es gibt so viele Gemeinsamkeiten. Mordet der Täter nur blonde Frauen in kurzen Röcken in einem Alter zwischen zwanzig und neunundzwanzig? Warum genau diese Gruppe? Wir hatten herausfinden können, wo der Mörder sein letztes Opfer kennen gelernt hatte. Praktisch vor unserer Nase. In einer der Bars unweit von hier. Aber es gibt so viele Bars in der Nähe, mehr als Polizisten in unserer Einheit. Unmöglich, alle zu überwachen.

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