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Wildfell Hall II – Anne Bronte

A Zweiter Theil. Erstes Kapitel. Weitere Warnungen. m nächsten Tage begleitete ich meinen Onkel und meine Tante zu einem Diner bei Mr. Wilmot. Er hatte zwei Damen bei sich zum Besuche seine Nichte Arabella, ein hübsches, glänzendes Mädchen von etwa fünf und zwanzig Jahren, nach ihrer eignen Behauptung, eine zu große Kokette, um sich zu verheirathen, aber sehr bewundert von den Herren, die sie allgemein für ein prächtiges Frauenzimmer erklären — und ihre sanfte Cousine Millizent Hangrave, die eine gewaltige Freundschaft für mich gefaßt hatte und mich für viel besser hielt, als ich war, und ich hatte sie dagegen ebenfalls sehr lieb — ich sollte eigentlich die arme Millizent bei meinen allgemeinen Einwendungen gegen die Damen meiner Bekanntschaft gänzlich ausnehmen, ich habe jedoch die Gesellschaft weder wegen ihrer noch wegen ihrer Cousine erwähnt, sondern um eines anderen Gastes Mr. Wilmots willen, nämlich Mr. Huntingdon. Ich habe guten Grund« seine Gegenwart hier zu erwähnen, denn dies war das letzte Mal, daß ich ihn sah. Er saß bei Tische nicht neben mir, denn es war sein Schicksal, eine breite, alte, verwitwete Dame zu Tische zu führen und das meine, von Mr. Grimsby dazu geleitet zu werden, der einer seiner Freunde aber ein Mann war, gegen welchen ich große Abneigung hegte. Sein Gesicht hatte einen finsteren Ausdruck, und sein Benehmen ein Gemisch versteckter Wildheit und wortreicher Falschheit, welches ich nicht ausstehen konnte. Welch eine langweilige Sitte dies, beiläufig erwähnt, ist, eine von den vielen Quellen künstlich gemachter Aergerniß unseres übercivilisirten Lebens. Wenn die Herren die Damen einmal in das Speisezimmer führen müssen, so könnten sie doch eigentlich diejenigen nehmen, welche ihnen am besten gefallen. Ich bin jedoch nicht ganz sicher, daß Mr. Huntingdon mich gewählt haben würde. Es ist sehr möglich, daß er Miß Wilmot genommen hätte, denn sie schien darauf versessen zu sein, seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und er nicht abgeneigt, die von ihr verlangte Huldigung zu leisten. Ich dachte dies wenigstens, als ich sah, wie sie redeten und lachten und über die Tafel blickten — zur Vernachlässigung und zum offenbaren Aerger ihrer respectiven Nachbarn — und wie sie später, als sich uns die Herren im Gesellschaftszimmer anschlossen, ihm augenblicklich nach seinem Eintritt laut zurief, einen Streit zwischen ihr und einer andern Dame zu entscheiden, folgte er der Aufforderung, ohne auch nur einen Augenblick zu zaudern und entschied die Frage sofort zu ihren Gunsten — obgleich sie meiner Ansicht nach geradezu unrecht hatte — und blieb dann in vertraulichem Gespräche mit ihr und einer Gruppe anderer Damen stehen, während ich mit Millizent Hangrave am andern Ende des Zimmers saß, die Zeichnungen der Letzteren durchsah und ihr auf besonderen Wunsch mit meinen kritischen Bemerkungen und Rathschlägen beistand. Trotz meiner Anstrengungen, gefaßt zu bleiben, wanderte aber meine Aufmerksamkeit von den Zeichnungen zu der munteren Gruppe und gegen meine bessere Ueberzeugung erhob sich mein Grimm und lächerlich muß sich mein Gesicht verdüstert haben, denn Millizent bemerkte, daß ich ihrer Sudeleien und Krähenfüße müde sein müsse, bat mich, nun zur Gesellschaft zu gehen und die Besichtigung der übrigen auf eine andre Gelegenheit zu verschieben. Während ich ihr aber versicherte, daß ich gar keine Lust habe, zu Jenen zu treten, und nicht müde sei, kam Mr. Huntingdon selbst zu dem kleinen runden Tische, an welchem wir saßen. »Sind diese von Ihnen?« sagte er nachlässig, eine von den Zeichnungen zur Hand nehmend. »Nein, sie sind von Miß Hangrave.« »O, nun lassen Sie sie doch einmal ansehen.« Und ohne auf Miß Hangrave’s Betheuerungen, daß sie des Ansehens nicht werth seien, zu achten, zog er einen Stuhl an meine Seite, nahm die Zeichnungen eine nach der andern aus meiner Hand, besah sie und warf sie dann auf den Tisch, sagte jedoch kein Wort darüber, obgleich er die ganze Zeit nicht zu reden aufhörte.


Ich weiß nicht, was Millizent Hangrave von diesem Benehmen dachte, aber ich fand seine Unterhaltung ungemein interessant, obgleich sie, wie ich später, als ich sie analysirte, entdeckte, hauptsächlich darauf beschränkt war, über die verschiedenen Mitglieder der Gesellschaft zu spötteln, und wiewohl er einige kluge Bemerkungen und eine Menge von äußerst drolligen machte, denke ich doch nicht, daß sie hier niedergeschrieben als etwas Besonderes erscheinen würden, wenn man nicht dazu auch die Blicke und Töne und Geberden schreiben, sowie den unerklärlichem aber zauberhaften Reiz schreiben könnte, welcher über Alles, was er that und sagte, einen hellen Glanz warf, und es zu einem Genusse gemacht haben würde, in sein Gesicht zu blicken und die Musik seiner Stimme zu hören, selbst wenn er gerader Unsinn gesprochen hätte — und der mir übrigens ein so bitteres Gefühl gegen meine Tante einflößte, als sie diesem Genusse ein Ende machte, indem sie ruhig unter dem Vorwande, die Zeichnungen zu betrachten, um die sie sich nicht kümmerte und von denen sie nichts verstand, herantrat, und während sie that, als ob sie dieselben beschaue, sich mit ihrem kältesten und zurückschreckendsten Gesichte an Mr. Huntingdon wendete und eine Reihe von den alltäglichsten und förmlichsten Phrasen und Bemerkungen begann, um seine Aufmerksamkeit von mir abzulenken — oder vielmehr, um mich absichtlich zu ärgern, wie ich dachte, und nachdem die Mappe durchgesehen, überließ ich sie ihrem tête-à-tête und setzte mich auf ein Sopha, ganz von der Gesellschaft abgesondert, ohne zu bedenken, wie seltsam ein solches Benehmen erscheinen würde, sondern um nur erstlich dem Aerger des Augenblickes mich hinzugeben und zweitens meinen Privatgedanken nachzuhängen.

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