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Vier Katzengeschichten – Alfred Brehm

Ich war eine Zeitlang im Besitz einer Falbkatze, habe mich aber vergeblich bemüht, ihr nur einigermaßen die Wildheit abzugewöhnen, die sie zeigte. Das Tier war in den Steppen Ostsudans alt gefangen worden und wurde mir in einem Käfig gebracht, der schon durch seine außerordentliche Festigkeit zeigte, daß man ein bedenkliches Raubtier in ihm verwahre. Ich habe die Katze niemals aus diesem Käfig nehmen dürfen, weil sie überhaupt nicht gestattete, daß man ihr irgendwie sich näherte. Sobald man an sie herankam, fauchte und tobte sie wie unsinnig und bemühte sich nach Kräften, Unheil anzurichten. Strafen fruchteten nichts. In unseren Tiergärten habe ich die Falbkatze nur ein einziges Mal gesehen, und zwar in London. Die beiden Tiere, die man dort geraume Zeit hielt, stammten aus Palästina und mochten wohl jung aus dem Lager genommen worden sein, weil sie so gesittet und ruhig sich betrugen, wie man dies von einer Wildkatze überhaupt erwarten kann. Außerordentlich wichtig zur Begründung der Ansicht, daß die Falbkatze die Stammutter unserer Hauskatze ist, sind Beobachtungen, die Schweinfurth im Lande der Njamnjam machte. Nach mündlichen Mitteilungen des berühmten Reisenden kommt die Falbkatze hier häufiger vor als in irgendeinem bis jetzt bekannten Teil Afrikas, so daß man also das tiefe Innere des Erdteils als das eigentliche Vaterland oder den Kernpunkt des Verbreitungskreises unseres Tieres ansehen muß. Die Njamnjam nun besitzen die Hauskatze im eigentlichen Sinn des Wortes nicht, wohl aber dienen ihnen zu gleichem Zweck wie letztere halb- oder ganzgezähmte Falbkatzen, die die Knaben einfangen, in der Nähe der Hütten anbinden und binnen kurzer Zeit so weit zähmen, daß sie an die Wohnung sich gewöhnen und in der Nähe derselben dem Fang der überaus zahlreichen Mäuse mit Eifer obliegen. Die Mumien und Abbildungen auf den Denkmälern in Theben und in anderen ägyptischen Ruinen stimmen mit den Falbkatzen am meisten überein und scheinen zu beweisen, daß sie es war, die bei den alten Ägyptern als Haustier gehalten wurde. Vielleicht brachten die Priester das heilige Tier von Meroë in Südnubien nach Ägypten; von hier aus könnte sie nach Arabien und Syrien und später über Griechenland oder Italien nach dem westlichen und nördlichen Europa verbreitet worden sein und in neuerer Zeit durch die wandernden Europäer eine noch größere Verbreitung erlangt haben. Für mich erhalten diese Mutmaßungen besonders Gewicht durch Beobachtungen, die ich auf meinem letzten Jagdausflug nach Habesch machte. Die Hauskatzen der Jemeniten und der Araber an der Westküste des Roten Meeres zeigen nicht nur eine ganz ähnliche Färbung wie die Falbkatze, sondern auch dieselbe Schlankheit und Schmächtigkeit, die diese vor ihren Verwandten auszeichnet. Allerdings hat dort die Hauskatze nicht dasselbe Los wie bei uns, ihre Herrschaft kümmert sich kaum um sie und überläßt es auch ihr selbst, sich zu ernähren. Dies dürfte aber schwerlich als Grund ihres schlechten Aussehens anzunehmen sein, denn an Nahrung fehlt es einem Raubtier in dortiger Gegend nicht. Ich glaube, daß die Katze Nordostafrikas am treuesten sich ihre ursprüngliche Gestalt erhalten hat. Die gewöhnliche Färbung der afrikanischen Hauskatze kommt der ihrer wahrscheinlichen Stammutter am nächsten, doch findet man auch hier schon ausgeartete, nämlich weiße, schwarze, rotgelbe und sogenannte dreifarbige Hauskatzen. Die Katze, das unbekannte Wesen Zuerst will ich von der Mutterliebe der Katze gegenüber fremden Kindern erzählen. Eines Tages fand ich ein kleines miauendes Kätzchen mitten im Feld. Hungrig war es, furchtsam und müde, dabei sehr scheu und wild. Ich fing es mit Hilfe meines Dachshundes, der mir das Tierchen stellte, brachte es nach Hause und pflegte es nach Kräften. Miezchen gedieh vorzüglich, spielte bald eine Rolle im Haus und begann, noch nicht einmal halbwüchsig, die Jagd auf Mäuse und Ratten, von denen es damals in meinem Haus wimmelte. Hiermit gewann es unsere Zuneigung. Wir Kinder ärgerten es wenigstens kaum und nahmen es abends regelmäßig mit ins Bett.


Weder Falschheit zeigte es noch Tücke, ließ sich gut erziehen und wurde schließlich dahin gebracht, daß es weder naschte noch unseren Stubenvögeln zu Leibe rückte, obwohl sein Jägertalent mit der Zeit immer mehr zunahm. Im nächsten Jahr warf die nun erwachsene Katze zum erstenmal Junge. Wir nahmen ihr diese bis auf zwei gestreifte, sogenannte Zyper, ab, die sie mit der größten Hingabe pflegte. Da brachte man uns drei noch blinde Eichhörnchen, die von uns großgezogen werden sollten. Trotz aller Sorge und Pflege starben sehr bald zwei davon, und wir mußten fürchten, auch das dritte zu verlieren. In dieser Not kam uns der Gedanke, der hilflosen Waise die säugende Mutter zu geben. Die Katze war das, und sie erfüllte das in sie gesetzte Vertrauen ganz. Mit Zärtlichkeit nahm sie das fremde Kind unter ihre eigenen auf, leckte, wärmte und nährte es aufs beste und behandelte es von Anfang an mit wahrhaft mütterlicher Hingebung. Das sonderbare Kleeblatt gedieh ausgezeichnet. Die Kätzchen wurden entwöhnt und weggegeben; das Eichhörnchen aber blieb bei seiner Pflegemutter. Nunmehr schien diese das reizende Geschöpf mit dreifacher Liebe zu betrachten. Es war unmöglich ein innigeres Verhältnis denkbar. Die Mutter rief nach Katzenart, Hörnchen antwortete mit Knurren, und beide verstanden einander. Das hübscheste Schauspiel gewährten sie, wenn die Katze das Pflegekind spazierenführte. Leicht und anmutig schritt die Mutter voran, schwerfällig humpelte das Eichhörnchen hintendrein. Jeden Augenblick sah sich Miez nach dem Kleinen um; blieb es zurück, so rief sie es durch Miauen heran, schien es müde, so blieb sie geraume Zeit mit ihm stehen. Nun sollte das Eichhörnchen unterrichtet werden. Die Sache ging auffallend leicht, wenn die Mutter eine natürliche Begabung ihres Pflegekindes erproben und ausbilden wollte, schwer, wenn sie diesem alle Kunststücke des Katzengeschlechtes beizubringen versuchte. Mit wahrhaft komischer Überraschung bemerkte die Lehrerin, daß ihr Zögling der Anleitung zum Klettern und der notwendigen Warnungen dabei gar nicht bedurfte, sondern von selbst schon diese Kunst ausgezeichnet beherrschte. Mit Verwunderung mußte sie dagegen erfahren, daß alle geschickt auf die Erregung der Fanglust gerichteten Schwanzbewegungen auf den Zögling gar keinen Eindruck machten. Als die Katze ihr Pflegekind zum erstenmal über einen hohen und schmalen Steg nach dem jenseitigen Ufer unseres Dorfbaches führte, schritt sie mit größter Vorsicht und unter fortwährendem Zurufen voran; das Eichhörnchen war aber eher am anderen Ufer als seine Führerin und wurde deshalb von dieser sehr geliebkost. Später kam es oft vor, daß bei den Spaziergängen der nach und nach kühner werdende Pflegling in den Bäumen von Krone zu Krone dahinlief, während die Mutter am Boden dahinging. Bisweilen kletterte sie ihm auch wohl bewunderungsvoll nach, setzte sich still auf einen Ast und beobachtete mit Mutterlust und einiger Angst die kühnen Sprünge des bald auf den Bäumen heimischen Zöglings. Dieser gehorchte seiner Pflegerin musterhaft. Sie tat ihm ebensoviel zu Willen wie alle Katzen ihren Kindern, brauchte aber, wenn sie Gehorsam verlangte, nur ein einziges Mal zu rufen, um des gewünschten Erfolges sicher zu sein.

Ein Oberförster erzählt auch von einem Hasen, der von einer Katze großgezogen wurde.

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