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Naturwissenschaftliche Reise – Charles Darwin

Der Verfasser dieser Reisen hatte das seltene Glück, während fünf Jahren Länder zu durchforschen, die zu den wildesten und unbesuchtesten unserer Erde gehören. Die Gelegenheit dazu wurde ihm geboten, indem er als Naturforscher eine Expedition begleitete, die von der englischen Regierung unter der Anführung des Capitän Fitzroy auf dem Schiffe Beagle zunächst zur Vollendung der Aufnahme der Südspitze von Amerika und hauptsächlich im Interesse der Schifffahrt ausgesandt wurde, eine jener großartigen Unternehmungen, wie sie oft von der englischen Nation unternommen worden, und die durch Sammlung von Thatsachen einen neuen Anstoß für die Kenntniß der physischen Geschichte unserer Erde gegeben, die fast immer die Naturwissenschaften mächtig gefördert haben und einen Glanz auf das energische Volk werfen, von dem sie ausgehen, dessen sich keine andere Nation rühmen kann. Wenn Länder, die seit Jahrtausenden der Sitz der Civilisation sind, dem vorurtheilsfreien und mit den Fortschritten der Geologie und der Naturwissenschaften vertrauten Reisenden immer wieder neue Schätze ausschließen, was dürfen wir nicht erst von solchen erwarten, die so selten oder noch nie von dem Fuße eines Gelehrten betreten wurden, von dem längeren Aufenthalte eines solchen an den unwirthlichen, von Stürmen umtobten Küsten des Feuerlandes, wo sich Gletscher zwischen jungfräulichen Wäldern über Klippen in tiefe Meeresstraßen herabsenken? Oder wenn das Schiff, das ihn führt, eins jener im Oceane verlorenen Eilande aussucht, die, wie z. B. die Galapagos – Inseln, von vulkanischen Gewalten über den Spiegel des Meeres erhoben, eine so ganz eigenthümliche Pflanzen und Thierwelt besitzen? oder wenn er die Koralleninseln zum Gegenstande seiner interessanten Forschungen macht, die sich in solcher Menge aus der unermeßlichen Tiefe des Stillen Oceans erheben, und er uns nun die wichtigsten und interessantesten Aufschlüsse über den Bau und die Art der Bildung dieser Inseln giebt, wie dieselben gewisse Gesetze von Erhebung und Senkung verschiedener Theile unserer festen Erdrinde bestätigen, die zuerst durch Leopold von Buch in die neuere Geologie eingeführt wurden, und nun fast allgemein angenommen sind? Die Genauigkeit und Neuheit der Beobachtungen eines so tüchtigen Naturforschers, wie Darwin’s, ist auch in Deutschland so allgemein anerkannt, daß der Uebersetzer es füglich unterlassen könnte, etwas zu seiner Entschuldigung zu sagen, selbst wenn er nicht selbst Gelegenheit gehabt hatte, die Treue der Schilderungen, in soweit sie Neuholland und Neuseeland betreffen, durch eigene Anschauung zu bestätigen. Eigentlich sind alle Reisen, die uns einer endlichen genauen Bekanntschaft des Erdkörpers, auf dem wir wohnen, entgegenführen, ein Gemeingut der gebildeten Völker, und verdienen schon darum die allgemeinste Verbreitung; es tritt uns indessen in dem vorliegenden Werke so vieles Neue und Bedeutungsvolle entgegen, daß es dem Uebersetzer vergönnt sein möge, in einigen Worten die ihm besonders wichtig erscheinenden Punkte hervorzuheben. Nach einem kurzen Aufenthalte in St. Jago, einer der Inseln des grünen Vorgebirges, finden wir unseren Naturforscher mit der Untersuchung einer in der Mitte des Atlantischen Oceans gelegenen Felsengruppe, dem Felsen von St. Paul beschäftigt. So klein der Umfang dieser Felsen, so unbedeutend die Ausbeute, die sich seiner Forschung hier darbot, so armselig seine Fauna, so folgen wir ihm doch mit fast größerem Interesse, als selbst auf einem Continent. Es ist bekannt, daß Inseln, besonders wenn sie weit von einem benachbarten Festlande entfernt liegen, uns eine tiefere Einsicht in die Verbreitung der Pflanzen- und Thierformen darbieten, als das letztere, da sich in den meisten Fällen ganz eigenthümliche Formen dort finden. Jenes Grundgesetz der organischen Schöpfung, daß die Pflanzen- und Thiergattungen in gewissen Mittelpunkten entstanden sind, wo sich die schöpferische Kraft betätigte, daß sie sich von dort ausbreiteten, daß die Flora und Fauna nun erst durch die Eigenthümlichkeiten benachbarter Länder modifizirt wurden, und die Formen nach der Nähe dieser Länder und der Gegenwart anderer der Verbreitung günstiger Umstände sich mehr oder weniger mischten, ist unter Naturforschern anerkannt. In Bezug auf die Pflanzenwelt sind solche Ausgangspunkte weit bestimmter nachgewiesen, als in der Thierwelt. Wenn auch der St. Pauls Felsen Herrn Darwin nur Gelegenheit bot, seine Beobachtungen über die ersten Bewohner solcher Orte mitzutheilen, so finden wir ihn später mannichfache Beweise für die Richtigkeit des oben angeführten Gesetzes darbringen, namentlich wenn er die Falkland Inseln, die Galapagos Inseln und die Keeling Inseln besucht, wo sich diese Eigenthümlichkeiten in stärkerem Grade seiner Beobachtung aufdrängten. Auf dem Festlande von Südamerika verweilt unser Reisende längere Zeit. Die großartige und doch so einfache geologische Beschaffenheit jener weiten Ebenen, die sich im Osten der Anden ausbreiten, erhält durch ihn die bedeutendsten Aufschlüsse; er macht an den Ufern des Plata und seiner Nebenflüsse eine reichhaltige Sammlung von urweltlichen Thieren, von denen er höchst sonderbare und neue Formen nach Europa bringt. Ueber den wahrscheinlichen Zusammenhang der Lebensweise dieser entschwundenen Rassen mit der geologischen Beschaffenheit und physischen Natur des Landes erhalten wir anziehende Erläuterungen. Alle diese Fossilienreste sind jetzt eine Zierde des Hunter’schen Museums in London und der berühmte vergleichende Anatom Richard Owen hat viele davon beschrieben. Herr Darwin hat die Güte gehabt, das daraus sich beziehende Kapitel in seiner Reise von Neuem durchzusehen und das Verzeichniß dieser vorweltlichen Thiere zu vervollständigen, wie er sich überhaupt einer Revision der englischen Ausgabe zum Zweck der deutschen Uebersetzung unterzogen hat. Was diese Ueberreste uns auf’s Neue bestätigen, ist die Einheit des Typus fossiler Thiere mit den noch jetzt in Südamerika lebenden, eine Einheit, die sich auch durch die in den Kalksteinhöhlen von Neuholland gefundenen Knochen von erloschenen Marsupialien für dieses Land bestätigte. Aber auch seine Schilderungen der ehemaligen spanischen Colonien Südamerikas, die nun schon seit beinahe einem halben Jahrhunderte darnach ringen, mit der ihnen lange vorenthaltenen und dem Mutterlande entrissenen Selbständigkeit und Freiheit sich zu vernünftigen und kräftigen Staatskörpern zu gestalten, sind im höchsten Grade belohnend und anziehend, seine Feder zeichnet in einfachen aber scharfen Zügen Tugenden und Mängel in dem Character ihrer halbwilden Bewohner, die nur zu deutlich noch das Gepräge ihrer spanischen Abstammung verrathen. Besonders fruchtbringend ist Herrn Darwin’s Betrachtungsweise der physischen Geographie der Länder, welche er untersucht. Indem er diese überall als die Summe der geologischen Veränderungen betrachtet, die in ihnen vorgegangen sind, ist es ihm Bedürfniß, die geologischen Monumente unserer Erde auf noch in verschiedenen Theilen derselben Statt findende Erscheinungen zurückzuführen, alle gewaltsamen Katastrophen aus unseren Ansichten zu verwerfen, überall das Vergangene durch ein gegenwärtiges Analoge zu erklären, mit weitem und freiem Blicke die ewigen Gesetze zu überschauen, die von jenem Anfang der Dinge, bis zu dem allein die menschliche Erkenntniß dringen kann, geherrscht haben. Wenn er von den Cordilleren in die hoch in ihnen liegenden Thäler hinabschaut, und in denselben die alten Buchten und Arme des Meeres wieder erkennt, oder wenn er die Wirkung der Gletscher des Feuerlandes, die sich bis in’s Meer herabsenken, wo die durch sie getragenen Felstrümmer auf abgebrochenen Eisbergen durch Stürme und Meeresströmungen weit von ihrem Mutterfelsen getragen werden — nun auf ähnliche Erscheinungen im Jura und nördlichen Europa überträgt, die Wegführung der erratischen Blöcke auf eine natürlichere und ungezwungenere Weise erklärt, so wird ihm die Wissenschaft zum höchsten Danke verpflichtet.


Ich mache noch darauf aufmerksam, daß Herr Darwin seine Erfahrungen über die Verbreitung der Irrblöcke im südlichen Amerika, namentlich auf der Ostseite der Cordilleren, in dem Thale des Santa Cruz, im Feuerlande, in der Magelhaens Straße und auf der Insel Chiloe, sowie seine Ansichten über dieselben im Allgemeinen in einer vor der geologischen Gesellschaft in London gelesenen und in ihren Berichten mitgetheilten Abhandlung weiter entwickelt hat (On the Distribution of the Errati Boulders and on the Contemporaneous Unstratified Deposits of South America. Read April 14th 1841.).

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