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Luftpirat Der Beherrscher des Luftmeers-Verschiedene

Hoch oben in den Lüften über den reichgesegneten Landschaften des südlichen Frankreichs schwebte eine gewaltige dunkle Kugel. Ein Luftballon war es, der, in der Nacht aufgefahren, eine lange Dauerfahrt antreten wollte. Der Ballon besaß eine gewaltige Größe, er trug einen Korb, groß und geräumig und offenbar für einen längeren Aufenthalt hergerichtet. Die zwei Männer, welche sich darin befanden, schienen erfahrene Luftschiffer zu sein, das sah man schon daraus, wie ruhig sie trotz der ungeheuren Höhe atmeten. Dicht neben ihnen hingen seltsamgeformte Kapseln mit langen Schläuchen, die Sauerstoffbehälter, welche die Atmung unterstützen sollten, falls sich die dünne Luft gar zu unliebsam bemerkbar machte. An der riesengroßen Seidenkugel, welche die Gondel trug, war eine eigentümliche Vorrichtung befestigt, nämlich eine Art Segel, die mittelst Bambusstäben regiert werden konnten. Diese Segel dienten dazu, bei ungünstigem Winde die gewünschte Richtung inne zu halten. Der eine der beiden Männer war schon bei Jahren, der zweite bedeutend jünger, zeigte durch sein militärisches Benehmen, daß er wohl dem Soldatenstande angehörte. Seine durchdringend scharfen Augen ruhten eben auf den Instrumenten. „Wir fahren mit größter Schnelligkeit,“ sprach er zu seinem Gefährten. „Wenn es so weiter geht, und der Wind die Richtung beibehält, so schlagen wir unsere Konkurrenten binnen Kürze. Ich wette, wir haben die zwölf Ballons, die heute Nacht gleichzeitig mit uns Paris verließen, alle weit hinter uns gelassen. Vor allen Dingen kommt es uns zustatten, daß wir uns gleich in diese ungeheure Höhe begaben, hier weht der Wind mit größter Regelmäßigkeit, hier geraten wir nicht in die verschiedenen Luftströmungen, die unsere Freunde in den tieferen Regionen finden.“ Es war noch sehr früh am Morgen, den Sonnenball sah man selbst aus dieser ungeheuren Höhe noch am Horizont, in Gegenden, welche direkt unter dem Ballon lagen, mußte noch Dämmerung herrschen. Plötzlich begann sich die Szenerie zu verändern. Die Luft war bis vor kurzem noch durchsichtig klar gewesen, nun schien sie sich mit leichten Nebeln zu erfüllen, das waren die leichten weißen Wolken, die selbst in diesen Höhen schweben und die ganz urplötzlich und zauberhaft erscheinen. Dennoch blieb die Windrichtung dieselbe und nur die Fernsicht wurde durch die Wolken beschränkt. Der mächtige Ballon trieb noch mit großer Schnelligkeit dahin, obwohl es aussah, als ob er völlig still stände. Man brauchte aber nur einen Blick auf die Instrumente zu werfen, um zu sehen, daß sich die riesige Seidenkugel mit größter Geschwindigkeit fortbewegte. „Das wird eine prächtige Fahrt,“ rief der jüngere der Herren begeistert. „Wenn es so weiter geht, passieren wir in fabelhaft kurzer Zeit die deutsche Grenze, wir müssen tief im Innern Rußlands landen, wir müssen diesmal eine Fahrt unternehmen, wie sie noch nicht dagewesen ist, eine Dauerfahrt, die uns den Weltrekord sichert.“ Weiter schwebte der gewaltige Ballon, manchmal boten die Wolken eine größere Fernsicht, dann aber schlossen sie sich wieder zusammen, so daß es den Luftschiffern zu Mute war, als ob der Ballon mitten durch einen milchweißen See dahinschwebte. Plötzlich wendete sich der ältere der Herren, der eben die Barometer beobachtet, jählings um und starrte in die jetzt wieder dichter werdenden, weißen, wallenden Nebelmassen. „Sehen Sie, dort, dort,“ rief er seinem militärischen Gefahrten zu. „Jetzt ist es wieder verschwunden – aber da kommt es wieder! Sehen Sie dort zwischen den Wolken nicht den dunklen Körper?“ „Das ist einer der anderen Ballons, welche die Dauerfahrt unternahmen,“ antwortete der jüngere Herr überrascht.


„Wahrhaftig, ich hätte nicht geglaubt, daß wir bei unserer fabelhaft schnellen Fahrt überholt werden könnten.“ „Aber sehen Sie doch nur hin,“ begann der ältere von neuem. „Das ist kein Ballon, es ist etwas anderes, die Wolken lassen es ja verzerrt erscheinen, aber ich setze meinen Kopf zum Pfande, daß es kein Fahrzeug ist, wie das unsere, da – jetzt kommt es näher, da sehen Sie nur! -“ Der Sprecher brach rasch ab, aber jetzt war auch sein jüngerer Gefahrte aufgesprungen, und beide bohrten ihre Blicke in die Dunstmassen, als welche die Wolken in dieser Höhe erschienen. Ja, da kam es heran, etwas Seltsames, offenbar Langgestrecktes. Es ließ sich noch nicht deutlich erkennen, aber es war zweifellos, daß es sich auf den Ballon zubewegte. „Die fahren direkt gegen den Wind,“ schrie jetzt der jüngere der Herren. „Das geht ja nicht mit rechten Dingen zu! Das hat etwas besonderes zu bedeuten!“ „Ein lenkbares Luftschiff,“ antwortete der ältere der Luftschiffer, „ein Fahrzeug, ich sehe es ganz deutlich. Jetzt kommt es eben zwischen den Wolken hervor, es hält noch immer die Richtung auf uns ein. Wahrhaftig, das ist zum mindesten sonderbar.“ Die beiden Männer starrten sich an, dann warfen sie einen Blick auf die Instrumente, welche die Höhe anzeigten. „Fünftausend Meter,“ sprach der ältere Herr. „Ein lenkbares Luftfahrzeug in dieser Höhe, das ist unmöglich! Die beiden Fahrzeuge, welche sich in Paris befinden, können gewiß nicht in solche Höhe hinauf und das hätte ja auch gar keinen Zweck. Es ist auch nicht das lenkbare Luftschiff von SantosDumont, auch nicht das zweite, welches der geniale Erfinder hergestellt hat, nein, die kenne ich ganz genau, die sind auch bedeutend kleiner.“ „Es muß doch eins von ihnen sein,“ rief der jüngere der Herren mit stockender Stimme. „Es sind die Nebel- und Wolkenmassen, welche das merkwürdige Fahrzeug so vergrößern.“ Der andere aber schüttelte den Kopf, sein ernstes Gesicht war förmlich erstarrt. Kein Zweifel, dieser Mann wußte sich vor Staunen nicht zu lassen. „Es ist viel, viel größer, Herr Leutnant,“ begann er nach kurzem Schweigen. „Verlassen Sie sich darauf. Und es kann auch keins der Lenkbaren sein, die in Paris untergebracht sind, denn sie werden jetzt gerade ausgebessert, sie sind unmöglich aufgestiegen.“ „Sollte es vielleicht ein deutsches Fahrzeug sein?“ fragte der franzö sische Offizier, in dessen Augen sich jetzt ein Gefühl des Aergers und der Feindseligkeit bemerkbar machte. „Die Deutschen sollen ja auch Luftfahrzeuge besitzen. Es wäre nicht ausgeschlossen, daß sie eine Reise mit ihnen nach Frankreich unternehmen.“ „Nein, nein, auch das ist nicht der Fall,“ rief der andere. „Das einzige, was hier in Betracht käme, und welches so groß ist, wie das sonderbare Fahrzeug, das auf uns zufährt, das hat, wie ich bestimmt weiß, den deutschen Boden nicht verlassen.

Und die anderen Lenkbaren sind viel kleiner, nein, Herr Leutnant, wir haben ein fremdes Fahrzeug vor uns, welches, wie ich es offen zugestehen muß, mir völlig unbekannt ist. Wahrhaftig, wenn Sie nicht bei mir wären, wenn sie nicht mit mir sprächen, so würde ich glauben, daß ich träume oder daß ich mich in einem Fieberanfall befinde. Da, da ist es! Jetzt kommt es wieder aus den Wolken hervor. Aber sehen Sie doch nur, das ist ja geradezu unheimlich!“ Ein riesiger Körper kam aus den weißen, wallenden Massen hervorgeschossen. Er fuhr direkt gegen den Wind, man hörte ein eigentümliches Knattern, jedenfalls waren es die Maschinen, welche arbeiteten. Die beiden Männer in der Gondel des Ballons hatten schon manchen Aufstieg mitgemacht. Sie waren oft bei Stürmen in den Lüften gewesen, sie hatten mit ihrem Ballon schwarze Wolkenmassen durchfahren, wo sie Blitze umzuckten und der Donner schrecklich krachte. Aber nie hatten sie ein solches Grauen empfunden, wie jetzt bei der Annäherung des seltsamen Fahrzeuges, welches sich mit so unglaublicher Sicherheit vorwärts bewegte. Die Kraft, welche es durch den Luftozean trieb, mußte außerordentlich sein. Die beiden Herren sahen sich an, als wollten sie ihren Sinnen nicht trauen. „Nein, das ist keins der uns bekannten Fahrzeuge,“ stammelte plötzlich der ältere Herr. „Sehen Sie doch, Herr Leutnant, das Luftschiff besteht ja aus Metall, es ist kein Zweifel, das ist ein eigenartiges Metall, welches mit einem unglaublich leichten Gas gefüllt sein muß. Und sehen Sie nur am Vorderteil diese gewaltige Spitze.“

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