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Fabel und Parabeln – Abraham a Santa Clara

Die strahlende Sonne und der stürmische Wind haben auf eine Zeit miteinander gewettet, wer stärker unter allen beiden sei. Nachdem sie einander die Hand darauf gegeben, so mußte die Prob‘ geschehen an einem Wandergesellen, welcher mit seinem Bündel oder Ranzen in die Fremde gereist. Welcher diesem seinen Mantel samt den Kleidern werde abziehen, der sollte gewonnen haben. Der Wind, welcher ohnedas ein stolzer und aufgeblasener Gesell, macht den Anfang und fangt mit solcher Gewalt zu blasen und rasen an, daß bei einem Haar dem armen Handwerksbürschel der Hut wäre vom Kopf geflogen. Wie aber der gute Mensch solches vermerkt, da hat er dergestalten den Hut an den Kopf gedruckt, daß auch ein Binder oder Küfer den Reif an das Faß nicht besser zwingen könnte. Desgleichen hat er sich auch dermaßen in den Mantel eingewickelt, daß auch ein Zigeunerweib ihr Kind nit besser könnte einfätschen: Ja zu mehrer Sicherheit hat er sich an einen großen Eichbaum gelehnt, alldort so lang zu verharren, bis der tobende Wind den Kehraus pfeife. Wie solches der Wind wahrgenommen, da hat er alsobald an dem Sieg verzweifelt. Hierauf hat die Sonn‘ ihre Kräften angespannt und dem reisenden Wandergesellen, so sich allbereits wieder auf den Weg gemacht, angefangen auf den Buckel zu stechen und nach und nach denselben mit den hitzigen Strahlen zu quälen, daß er den Mantel ernstlich abgelegt, nachgehends das Wams und, wie er zu einem Bach gekommen, gar alle Kleider ausgezogen und sich darin durch das Baden abgekühlt, wodurch die Sonn‘ den glorreichen Sieg erhalten, der tobende Wind aber mit seinem Sturm nichts ausgerichtet. Mit glimpflicher Art, mit Sanftmut und Güte richtet man öfter mehr aus als mit unmäßiger Schärfe. Eine schlagfertige Antwort Ein Bot ging einmal mit seinem Spieß durch ein Dorf, allwo ihn ein bissiger Hund angefallen. Der Bot aber wehrete sich tapfer mit dem Spieß, also zwar, daß der Hund auf dem Platz liegengeblieben. Der Herr dieses Hundes wollte in alleweg ihn bezahlter haben, schlug ihn auch in hohen Preis an wegen seiner bekannten Treu und Wachtsamkeit. Der Bot entschuldiget sich, es wäre aus keinem Vorsatz geschehen, sondern er habe seinen Leib müssen schützen. Darüber kamen sie vor den Richter, welcher zu dem Boten als Beklagten gesaget: »Du hättest fein den Spieß sollen umwenden und nicht die Spitz vorhalten.« »Ja«, sprach der Bot, »wann mir der Hund den Schweif und nicht die Zähne gewiesen hätte.« Der Richter mußte hierüber lachen, und der Bot wurde ohne Entgelt ledig gesprochen. Der Roßschweif an der Krippe Ein Landfahrer und Leutebetrüger ist einmal auf Landshut, so eine Stadt in Bayern, ankommen und hat daselbst austrommlen und ausrufen lassen, daß bei ihme eine Wundersach zu sehen seie, nämlich, er habe ein Pferd, welches den Kopf hat, wo andere Roß den Schweif, wer solches schauen will, der muß einen Groschen geben. Die Leute, so mehrerteils dem Vorwitz ergeben, sind in großer Menge zugeloffen. Nachdem nun alle bezahlet, da hat er den Stall eröffnet. Ein jeder wollte fast der erste darin sein, es wurden aber alle diesfalls ziemlich betrogen, maßen er das Pferd im Stall umgekehret und mit dem Schweif am Roßbahrn oder Krippen gebunden. »Da schauet«, sagt er, »andere Pferde haben den Kopf an diesem Ort, mein Roß aber den Schweif«, welches dann nicht ohne Gelächter abgeloffen. Die Leute und gewinnsichtige Menschen erdenken allerlei Ränke und Betrug, wie sie nur mögen Geld bekommen, sie erwägen dessenthalben nicht weder Gottes Gebot noch der Menschen. Das Geld sollte eigentlich genennet werden Vestra Dominatio, Eure Herrlichkeit, maßen es über die mehreste Menschen herrschet. Ein Bauer wirft einen Pfleger in den Bach Ein Verwalter oder Pfleger, der seines Edelmannes Bauren tapfer schinden helfen und nach Wohlgefallen dieselbe gekämplet, kam endlich auch in Ungnaden, also, daß er seines Dienstes entlassen worden. Wie er sich nun auf den Weg gemachet, um andere Dienst umzuschauen, kam er in ein Dorf, so seinem gewesenen Herren zugehörig.


Daselbst war ein Bach, daß er zu Fuß nicht wohl durch konnte, bate demnach einen Bauren, er möchte ihn doch hindurchtragen, er wolle ihm anderwärts wiederum einen Dienst erweisen. Der Bauer war hierzu gar ehrerbietig. Wie er aber mitten in den Bach gekommen und den Pfleger auf dem Rücken getragen, so fragte er denselben, wo er denn hin wolle. Der Pfleger gab zur Antwort: »Ich muß sehen, daß ich andere Dienst bekomme.« Der Bauer sagt: »Wie, seid Ihr nicht mehr bei unseren Edelmann und Herrschaft?« Der Pfleger sagte: »Nein.« Darauf sagte der Bauer: »So trag Dich der Teufel«, und wurf ihn darmit in Bach und lief darvon. Diejenige, so allzuhart mit dem armen Bauersmann verfahren, verdienen nicht allein dergleichen Dinge, sondern haben andere Strafe von Gott zu gewarten. Die alten und die jungen Frösche Die jungen Frösche haben einmal bei warmer Sommerzeit nächst einer Lache über allen Maßen gequackt und geschrien, also zwar, daß ein alter Frosch selbst über diese abgeschmackte Musik verdrüssig geworden und die Jungen nicht wenig ausgefilzt hat. „Schamt euch, ihr grünhosenden Fratzen!“ sagte er, „ihr wilden Lachendrescher, ihr hupfenden Spitzbuben, schamt euch, daß ihr so ein verdrießlich Geschrei vollführt! Wenn ihr aber doch wollt lustig sein und frohlocken, so singt aufs wenigst‘ wie die Nachtigall, wlche auf diesem nächsten Ast sitzt. Ihr großmaulenden Narren, könt ihr denn nichts anderes als nur das Qua-Qua-Qua?“ „Vater“, antworteten die Frösche, „das haben wir von dir gelernt.“ Löwe, Bauer und dessen Tochter Es geschieht gar oft in einer Wahl, daß die mersten mit ihren Stimmen auf denjenigen zielen, der ein guter Mann ist, der das Krumme grad sein läßt . : ein lammfrommer Columbus, der keine Gall hat, ein Kalender, worin kein trübes Wetter, ein Garten, wo keine Brennessel. Es ist ihm wie jenem Bauern, der eine gar schöne junge Tochter gehabt, daß sich sogar ein Löw darein verliebte und selbige zu heuraten begehrte. Der Bauer erschrak nit wenig ob solchem Anbringen und getraute sich nit, diesem so erschröcklichen Tier, vor dem alle andern erzittern, eine abschlägige Antwort zu geben, verspricht demnach besagtem Löwen die Tochter, jedoch mit dem Beding, daß er sich lasse die Zähn ausbrechen und die Klauen abzwicken, damit die Tochter nit erschrecke. Wie nun der verliebte Löw allem diesem nachgekommen und sich alsdann beim Bauren eingefunden, da hat dieser den geschwächten und waffenlosen Löwen mit Prügeln also empfangen, daß ihm alle Gedanken zu heuraten gänzlich verschwunden. Manchmal erwählt man einen nur darum, weil er ganz gut ist, weil er keinem weiß die Zahn zu zeigen, weil er laßt mit sich umgehn, wie man will, kein »Ernst«, sondern ein lautrer »Lamm-bert«; darum kommt er zum Brett, weil er keinen weiß abzuhobeln und abzuschmieren. Satyr und Wandrer Zur kalten Winterszeit, da die Bäumer gleich den alten Männern einen weißen Schopf tragen, da die vorhin silbern strömenden Bächerl in einem kühlen Arrest sitzen und nit einen Schritt können weiter gehen, da hoch und nieder Stand, nämlich Berg und Tal, unter einer weißen Decken liegen, da die Vögerl, obschon mitten in Federn, gleichwohl vor Frost in ihrem Gesang eine lange Pausen machen – dazumal nahm ein Reisender seinen Weg durch einen großen Wald und dickes Gehölz, und wie er fast die Mitte dieser Wildnis erreichte, da hat ihn Satyrus oder Waldmann ganz freundlich in seine Höhle eingeladen, und zwar gleich zum Mittagmahl, was dem guten Reisenden sehr bequem und angenehm. Kaum aber daß er sich zum Tisch gesetzt, da kaucht und blast er in beide Händ, worüber der Satyrus sich nit wenig verwundert und daher die Ursach gefragt hat, warum er in die Hand blas. Die Antwort ware: »Damit die Händ erwärmen!« Bald greift der Fremd mit dem Löffel in die Schüssel nach der Speis, die er dann auch mehrmal angeblasen, daß also dem Waldmann wiederum ist Anlaß gegeben worden, zu fragen, warum er die Speis anblase. Der andre sagt: die Speise sei ihm zu heiß; er blas, damit sie kalt werde. »Du«, sagt mit ganz zornigem Angesicht der Satyrus, »du ›Kalt-und-Warm-auseinem-Maul‹! Ey, so pack dich zum Teufel aus meiner Herberg! Warm und kalt aus einem Maul, das mag ich nit leiden, das kann ich nit leiden, das will ich nit leiden!« Wahr ist’s: schön steht’s nit, ja gar nit, wann einer bei seinem Wort nit bleibt, sondern redet bald weiß bald schwarz, bald gut bald bös, bald rechts bald links, bald süß bald sauer, bald trucken bald naß, bald huy bald pfuy, bald warm bald kalt, bald ja bald nein. Es steht nit wohl. Sonne und Frösche Die Sonn, dieses strahlende Himmelslicht, hat sich auf eine Zeit gänzlich entschlossen zu heiraten. Nachdem auch bereits das Versprechen und Verlobung vorbeigegangen, da wurden alle gehörigen Anstalten gemacht zu einer prächtigen Hochzeit in Ansehung und Anbetracht dessen, daß dieser Planet der Fürst aller gesamten Himmelsgestirn ist; es sind dahero die Ladschreiben geschickt worden an alle lebendigen Geschöpf der Erden, zumalen diese allesamt der sonnenreichen Gnaden und Freigebigkeit genießen. Wie unter andern die jungen Frösch vernommen, daß sie zur Hochzeit und dem herrlichen Ehrenfest der Sonn seien eingeladen worden, da waren sie voller Freuden und Frohlocken; sie kunnten kaum Tag und Zeit erwarten.

»Allegro!« sprachen sie untereinander; »da werden wir lustig sein, da werden wir ein gutes Mütl haben. Mutter, du mußt uns neue grüne Hosen machen lassen. Da wollen wir tanzen, daß sie sich alle darüber verwundern werden; denn wir hupfen ohnedas gern. Lustig, allegro!« – »O, ihr Fratzen!« sprach der alte Frosch, als ihre Mutter zu ihnen; »es ist wohl Schein und klar, daß der Verstand nit vor der Zeit komme: ihr denkt nit soweit hinaus, was für Übel solche Heurat inskünftig nach sich ziehe! Ihr sollt in dem Fall mehrer weinen als lachen. Gedenkt nur, daß bishero nur eine Sonn am Himmel gewesen und diese manchen Sommer die Strahlen also hitzig von sich geworfen, daß die mehrsten Lachen, worin wir arme Frosch uns aufhalten, hiervon ausgetrücknet sind. Was wird erst geschehn, wenn die Sonn heuratet und folgsam (in der Folge) durch solchen Ehestand mehr Sonnen herfürkommen?« Es ist zwar dies ein Poetengedicht und will sich nit wohl schicken unter die hl. Schrift, die öfters in meiner Verfassung und Schrift zitiert und angeführt wird; allein es zeigt doch die gründliche und unverfälschte Wahrheit, gleichwie aus dem schlechten Eselskinnbacken des Samsons ein klarer Brunnquell geflossen. So hat auch ein Rab, sonst ein unwerter Galgenvogel, dem Elias ein Brot gebracht; also kann ebenfalls eine poetische Fabel eine Unterweisung leisten . Wir Menschen sind mehrmal nit anders beschaffen und tun oft unbesonnenerweis etwas reden oder anfangen, was wir mit rechter Bedachtsamkeit nit wohl vorher erwägen.

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