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Essays und Erzählungen – Gustav Meyrink

Ich glaube jetzt, daß Gustav ein Tiefseefisch ist, seitdem ich gesehen habe, wie ihn der Anblick einer sterbenden Ratte ergriff. Wie du weißt, hat er kürzlich einen Menschen, dessen Gesicht ihn anekeln mußte, mit Milzbrandbazillen heimlich getötet. Warum ekelte ihn die Ratte nicht an? Das ist es ja eben. Er weiß es selbst nicht, wie er mir sagte – und das Leben freut ihn seitdem. Er kennt den Sternenhimmel seines Innern bis zur Langeweile, er spricht davon und die Leute glauben, er meine den äußerlich sichtbaren. Diese Ratte, die nicht fähig war, ihm Ekel einzuflößen, war ihm ein Komet, der mit gerader, unerklärbarer Flugbahn von der Außenwelt her in sein Gefühlsleben eindrang. Jetzt warten wir alle mit ihm, ob darin ein Zusammenstoß erfolgen wird, der die alte Erde wegfegt. Der Glückliche! Jetzt hat er eine Anregung. – Mir ist keine geblieben. Höchstens stecke ich mir eine Zigarette verkehrt in den Mund! Und du? Immer noch die blonden, schwarzen, braunen Katzen? Nein, das Material ist aufgearbeitet. Jetzt muß ich den Schlüssel der künstlichen Entfremdung anwenden. – Warum grinst du?! Sei doch neutral, gib dich doch nicht Vermutungen hin. Wenn es auch Liebe, Neigung oder irgendein anderes Geruchsvorurteil wäre, so könne das auch kein Lachmotiv sein. – Noch dazu ist es nur Takt. Die Dame muß mit mir brechen, nicht ich mit der Dame! – Das bringt der Tiefseefisch künstlich hervor. Man kränkt nicht. – Brichst du etwa das Herz einer armen Katze? Man zerekelt es. Arthur steht darin im 3. Grad. Er greift im Notfalle zum brutalen Knoblauch. Ich weiß es, habe ihn auch stets bewundert. Deswegen! Und siehst du, doch kennt er die schauervollen Abgründe der Liebe nicht. Er ist zu egoistisch; bleibt kalt aus Furcht, das Gleichgewicht zu verlieren. Pardon, das war früher, lang vor der Entdeckung der Borsäurewirkung. Jetzt ist Arthurs Ich in der Verpuppung begriffen, wie du weißt.


Na, na, du wirst sehen, nächstens kommt er und heuchelt Phönix!‘ A propos, warum fällt mir fortwährend das Wort „Brenzcatechin“ ein! – Weg damit. – Eine Alge; unterbewußte Gärung! Was sagtest du vorhin von Borsäurewirkung? Das kennst du nicht? Von Fritz entdeckt. – Mich ekelt gerade das lange Reden und ich fasse mich kurz. Der Genuß liegt in der gänzlichen Hingebung, in der schrankenlosen Liebe – kopfüber in den Wirbel. Nur keine Nüchternheit, um Gotteswillen!… Ich habe immer die Geliebte mit Maiglöckchen bestreut, lautlos, ergriffen bis zum heiligen Schauer – bei Wachskerzenschein. Arme Katzen, wie euch nach mir ein Mann trivial erseheinen mag, unzulänglich. Wie ein Sitzbad! So eine Liebe, wie loderndes Feuer kann selbst den „Katzenhai“ zerstören. Bis zur Spurlosigkeit. Ich selbst war oft nahe daran. Wie Fritz riet – eine Einpinselung der Nasenschleimhäute mit Borsäurelösung. Ich verlor jede Witterung und konnte ohne Seelenpein das Selbstbewußtsein in mein altes Ich zurückzwängen. Das und die Erfindung der Bügelfalte auf den Hosen haben eigentlich der pessimistischen Weltanschauung die Stützen weggehauen. So ist es. – Hast du Georg nicht gesehen? Er malt Tiefseefischkarten. Sein Hund soll die Räude haben. Es ist ein ewiges Werden und Vergehen. Er beabsichtigt statt seiner einen Maulwurf am Strick zu führen, dem er Handschuhe anzieht. Ganz recht. Das Tier ist geschaffen dafür. – Bitte dich; kleine, schöne, empfindsame Menschenhände! Holla, dort kommt Freundin Melpomene. Alles an ihr ist doch lebendig. Wie sie nervös die linke Spachtel krümmt, die rechte um einen grünen Schillerschirm gewickelt. Ist das ein Anblick! Nein, solche schmalen Hände, wirklich Spachteln. – Nicht einmal ein Kuß hat Platz darauf. Schau, bitt‘ ich dich, die Streitlocke zittert ihr vor Erregung.

Sie träumt, wie sie die Tiefseefische unentgeltlich und ohne Risiko zerstören könnte. Ich hoffe, das glückt ihr doch nicht. – Na ja, ihre Adonisse hat sie wohl satt nun, der kleine weibliche Sonnengigant. Wirklich kein Wunder; die bloße Anwesenheit sechs solcher Normalmänner soll einen Reiter samt Pferd töten können, sagte, irre ich nicht, schon Brehm. Einer von ihnen hofft Gnade vor ihren Augen zu finden, in dem er unablässig seine Fähigkeit, jederzeit sechs Beefsteaks auf einen Sitz konsumieren zu können, nachdrücklich immerwieder betont. Der Orden der Katzenhaie enthält sich hoffentlich diesbezüglich jeder Kritik?!! – Der ja. Guten Morgen, Fräulein Melpomene! Wohin? Wo haben Sie „Sa Tschippenberger“? Peter besorgt ihm eine neue Hundemarke. – Ich habe ihn heute gewaschen, den kleinen guten Hund. Mindestens 60 Flöhe ausgekämmt. Ich habe jetzt keine Zeit – guten Tag. Wohin, wohin? Über die Kettenbrücke? Nein, über das Quai – ich tue mir Abbruch heute. In die Franziskanerkirche. Einer Hochzeit zuschauen. Wer heiratet denn? Schauen Sie, fragen Sie nicht, ich bin versiegelt. Kommen Sie morgen zu uns. Die Tante ist zu Hause. Guten Tag. Wie gefällt dir die Krawatte? Die Acme der Tobsucht. Ein Seidenkropf. Bitt‘ dich gib mir eine Zigarette. Klapp. – ff – p.p.p. – Servus.

Servus, Bitte, Handkuß zu Hause.

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