| Books | Libros | Livres | Bücher | Kitaplar | Livros |

Erotische Novellen – Elisabeth Dauthendey

en zarten Tänzen schweben, trafen sich ganz plötzlich ihre Blicke. Denn leise und versonnen waren sie über diese hochzeitliche Schwelle getreten. Jedes sich allein wähnend. Allein mit ihren pochenden Herzen. Ihrem schwellenden Allgefühle. Du – sagte er. Und seine Stimme war wie das lockende Lied der Nachtigall. Du – antwortete sie. Und ihr Atem spielte wie der linde Morgenwind auf der Harfe ihrer bebenden Glieder. Sie hatten sich noch nie gesehen. Wer du – wer ich – Wie weit war all dies Fragen von ihnen. Der Gott, der auf schwingenden Sohlen durch die keusche Stille all dieser glühenden Erwartung schritt, nahm milde lächelnd ihre Herzen und führte ihres Atems Wellen zueinander. Dass sie gesegnet und erlöst sich erkannten als ein selig Teil von Erde und Wald, von Vogelsang und Sonnenleuchten. Ein selig Teil all der unerhörten, nie auszusagenden Pracht der Frühlingstrunkenheit, die für einen kurzen göttlichen Augenblick alle Gnaden des Paradieses über die verarmte Menschheit ausschüttet. Dass sie an ihr genese. Das Kind Das Kind saß auf einer Bank. Mitten im Sonnenblust des blühenden Schlossgartens. Es blickte versonnen vor sich hin. Die flimmernden Sonnenwellen, die schweren Düfte und leuchtenden Farben der üppigen Blumenbeete umher umhüllten seine zarte, noch unerwachte Seele mit seltsam fremden Bildern. Umspannten es mit flatternden Traumfäden, die sich irgendwo an sein Denken und Fühlen anhängen wollten. Aber da alles in ihm noch so ungeschlossen und allzu bereit wie frisch aufgebrochene Frühlingserde war, fanden sie nichts Haltendes darin. Und so blieben sie nur ein lindes Schwingen von Licht und Schatten und Düften. So gleichsam in einem doppelten Traumkreis verfangen, schwamm des Kindes Seele wie ein Rosenblatt auf den heißen Wellen des ringsum blühenden Lebens umher. Schlank und zart und lieblich war alles an ihm gebildet. Das seidenweiche Blondhaar lag schlicht um das feine Gesicht.


Die großen, schimmernden Augen waren voll Lauschen und Suchen und Erwarten. Die zart geschwungenen Lippen etwas geöffnet und von einer leisen Traurigkeit umspielt. Die schmalen, blassen Hände lagen lässig im Schoß, die Schultern neigten sich ein wenig wie unter einer unsichtbaren Last. Es war nichts Fröhliches um das Kind. Seine Kleidung gut und sauber, aber nichts von dem flatternden Tand daran, womit glückliche Hände ihre Lieblinge schmücken. Ein frühreifer Ernst lag ihm auf der Stirn, der seltsam und fast beängstigend die träumerische Versonnenheit dieser kindlichen Reine umschattete. Aber trotz all diesem Zwiespältigen oder vielleicht gerade um dessen willen, war es von einem seltsam sinnlichen Reiz umblüht. – – Resa – Das Kind schrak zusammen. Konnte aus seiner traumhaften Verlorenheit sich nicht gleich zurechtfinden und blickte hilflos um sich. Aber zugleich mit dem Rufe war es automatisch aufgesprungen. Man fühlte es dieser spontanen Bewegung an, dass es an allerstrengsten Gehorsam gebunden war. Auf einer entfernteren Bank saß die Kinderfrau neben dem Kinderwagen, in dem blütenzart umhüllt das jüngste Brüderchen lag. – Beweg‘ dich ein wenig – sagte die Kinderfrau, da hast du etwas für die Goldfische im Teich. – Resa nahm das Brot und ging langsam in die schattendunklen Laubgänge hinein. Ihr Gang hatte nichts von der federnden Erregbarkeit des Kindes, es lag etwas Müdes, von Gedanken Beschwertes in ihrem versonnenen Schreiten. Es fehlte die tragende Schwebung des Gleichgewichtes zwischen Körper und Seele. Etwas Überreifes lag wie ein schmerzlicher Hauch über Stirn und Augen, dem die Zartheit der Glieder nicht gewachsen schien. Soviel Drängen und Fragen schwirrten durch des Kindes Denken und Fühlen. Die Umwelt war ihm ein furchtbares Chaos von antwortlosen Dingen und wirrem Geschehen. Keine liebende Hand baute ihm die heiteren Brücken, welche die Seele aus ihrem langsamen und schweren Erwachen mit Spiel und Tanz zu den Tälern der Menschen führen. Die Muttergüte fehlte seinem Leben. Härte und Strenge führte es auf engen, dunklen Straßen. Und all der köstliche Reichtum seiner unendlichen Begabungen lag wie eine Last auf ihm und welkte an den stumpfen Wegen, die man es zu gehen zwang. So blieb ihm nur der Traum seine Zuflucht. Ein Warten und Lauschen auf Kommendes und Fernes, das wie ein Licht käme von irgendwoher und all die Dämmerungen zerbräche, die wie eine Mauer vor ihm standen, aus der es keinen Ausgang fand.

– Resa kam an den Fischteich. Achtlos warf sie das Brot hinein in automatischem Gehorsam der nachwirkenden Worte der Kinderfrau. Die Fische interessierten sie nicht. Sie blickte zu der gewaltigen Steingruppe in der Mitte des Brunnens, wo ein mächtiger Triton auf einem Delphin saß und mit vollen Backen auf einer Seemuschel blies, hinter ihm auf einem erhöhten Felsen lehnte eine Frau, deren Leib in einen breiten Fischschwanz endete, in ihrer Hand hielt sie einen zappelnden Fisch, mit dem sie lachend zu sprechen schien.

.

PDF Herunterladen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

PDF • Kostenlose eBooks © 2020 | Free Books PDF | PDF Kitap İndir | Baixar Livros Grátis em PDF | Descargar Libros Gratis PDF | Telecharger Livre Gratuit PDF |