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Die früh Verlobten – Caroline Pichler

Der Marchese von C . ica stammte aus einer der ältesten Familien von Neapel. Jung, schön, reich, geistvoll besaß er Alles, was dem Menschen auf Erden Glück zusichern, und ihn, aus dem unbeachteten Haufen seiner Mitbürger heraus, auf eine glänzende Stufe der Auszeichnung heben konnte. Er war sich auch dieser Vorzüge wohl bewußt, welche im geselligen Umgange ein Schleyer liebenswürdiger Bescheidenheit verhüllte, durch den sie mit erhöhtem Reize durchschimmerten, und ihm die Ansprüche, welche er insgeheim machte, und die Auszeichnungen, nach welchen er strebte, nur um so gewisser erlangen ließen, da man sich von keiner sichtlichen Anmaßung abgestossen fühlte. [8] Gewohnt von Jugend an, fast alle seine Wünsche erfüllt zu sehn, und besonders bey Frauen eben so glücklich als kühn, und eben so kühn als veränderlich, fühlte er nur in Einem einzigen Puncte, und gerade in dem, der den wichtigsten Einfluß auf sein Lebensglück hatte, sich von einem lastenden und unzerreißbaren Bande eingeengt. Sein Vater hatte ihn nähmlich, noch ehe Geronimo, so hieß der junge Mensch, einen Begriff von der Heiligkeit des Ehebandes fassen konnte, mit der Tochter des Grafen von B . zi in Florenz versprochen, dessen Familie aus Neapel stammte, und ein Zweig des fürstlichen Hauses von S . no war. Ein Proceß zwischen diesem Hause und dem des Marchese, der große Summen betraf, und auf freundliche Art am besten zu endigen stand, war die erste Veranlassung zu dieser Verbindung. Der alte Marchese mußte um dieses Processes willen eine Reise nach Florenz machen. Hier lernte er seinen Gegner den Grafen von B . zi kennen. Die offene Rechtlichkeit desselben, und seine billigen Ansichten nahmen den Marchese für ihn ein, und was früher Absicht der Politik war, wurde endlich der feste Wunsch einer innigen Achtung und Anhänglichkeit, die den [9] Marchese an den Grafen band. Der Proceß war entschieden, die Freundschaft der beyden Familienhäupter blieb. Signora Vittoria war damahls drey, Geronimo sechs Jahre alt. Es konnte keine Rede davon seyn, die Kinder um ihre Einwilligung zu befragen; man würde es aber vielleicht nach den Sitten Italiens, wo in den höhern Ständen die Ehen selten das Werk der Liebe oder eigener Wahl sind, auch nicht gethan haben, wenn die Kinder erwachsen, und im Stande gewesen wären, Liebe oder Widerwillen zu fühlen. Es war eine Familieneinrichtung, und man erwartete von Seite der beyden Verlobten, die gegenseitig mit beständiger Rücksicht auf jenen Plan erzogen wurden, alle mögliche Folgsamkeit. Geronimo wuchs stolz und schön heran, alle seine Fähigkeiten entwickelten sich mit Glanz, ganz Neapel sah auf den edlen ausgezeichneten Jüngling, die Damen wetteiferten, die schimmernde Erscheinung an ihren Siegeswagen zu fesseln, manches bessere Herz schlug im Stillen für ihn, und im Gefühl seines Werthes ging er mit sichern Schritten durch die lockende Welt, die dem lebensmuthigen Jüngling im Rosenlichte entgegen leuchtete. Alle Arten des Vergnügens [10] standen ihm offen, mit tausend Reizen lockten sie ihn an, und er genoß des Taumelkelches, den sie ihm bothen, mit vollen Zügen, ohne jedoch das Bewußtseyn seines Schicksals darüber zu verlieren; denn wie die eiserne Kugel am Fuße des gefangenen königlichen Rates, schleppte er die Erinnerung an die unentfliehbare Kette nach sich, welche jeden zu wilden Aufflug seiner Phantasie, wie seiner Handlungen lähmend niederzog.


Er war gebunden, ewig, unauflöslich, an ein Geschöpf, das er nicht kannte, das er aber eben darum haßte, weil er es lieben sollte. Man sagte zwar, Gräfinn Vittoria sey schön, verständig, edel, und ein tiefes glühendes Gefühl verberge sich bey ihr hinter einer scheinbar kalten Außenseite. Diese Eigenschaften, welche bey jeder Andern hingereicht haben würden, ihn anzuziehen, und zu versuchen, ob er die versteckte Gluth nicht wecken könnte, rührten nur Geronimo an seiner Verlobten nicht. Er schauderte vor dem Gedanken, ihr einst für sein ganzes Leben angehören zu müssen, und wußte durch tausend Ausflüchte und Listen demAndringen seines Vaters zu entgehn, der ihn je früher je lieber mit der als [11] trefflich gerühmten Tochter seines Freundes verbunden gesehn hätte. Geronimo hatte auf diese Art sein zwey und zwanzigstes Jahr erreicht. Jetzt wollte der Vater von keiner Entschuldigung mehr hören, und verlangte bestimmt, daß der Sohn ihn nach Florenz begleiten, dort seine künftige Gemahlinn kennen lernen, und nun mit Ernst an die Vollziehung einer Verbindung denken sollte, von der er sich so viel Glück für Geronimo als für das ganze Haus versprach. Geronimo war nicht dazu zu bereden. Er weigerte sich bestimmt, und es gab unangenehme Auftritte zwischen ihm und seinem Vater. Da brach der französische Krieg aus. Auch in Neapel zuckten seine Flammen auf, auch dort wurden Truppen gesammelt, um dem allgemeinen Feind aller bürgerlichen Ordnung und Ruhe entgegen zu wirken. Geronimo ergriff hastig diese willkommne Gelegenheit. Er sah in ihr nicht bloß ein glänzendes Feld für seinen Ehrgeiz, er fand auch dadurch Aufschub und Verzögerung für eine verhaßte Zukunft, die ihm nahe vor Augen stand. Zeit gewonnen, Alles gewonnen! dachte er, und sein Vater sah sich endlich widerstrebend gezwungen, seinem Sohn zu willfahren, und [12] ihn thätigen Antheil an einem Kriege nehmen zu lassen, dessen Zweck es damahls war, die Vorrechte des Adels, die Unverletzbarkeit der Thronen, die Heiligkeit der Religion zu vertheidigen.

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