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Das Pentameron – Gianbattista Basile

Es ist ein bewährtes Sprichwort von altem Schrot und Korn, daß, wer da sucht, was er nicht soll, findet, was er nicht will und gleichermaßen, daß, wer andern eine Grube gräbt, selbst hineinfällt. So erging es auch einer zerlumpten Mohrensklavin, welche nie Schuhe an den Füßen gehabt hatte und eine Krone auf dem Kopfe tragen wollte; da nun aber doch der gerade Weg der beste ist und man endlich für alle Dinge einmal büßen muß, so geschah es zuletzt, daß die Sklavin, weil sie auf ungerechtem Wege sich das, was ihr nicht zukam, angemaßt hatte, dafür hart gestraft wurde und, je höher sie gestiegen war, desto tiefer hinabstürzte, wie hier sogleich erzählt werden soll. Es war nämlich einmal ein König von Buschtal, welcher eine Tochter namens Zoza hatte, die man gleich einem zweiten Zoroaster oder Heraklit niemals lachen sah, weswegen der traurige Vater, der keine andere Freude auf Erden besaß als dieses sein einziges Kind, nichts unversucht ließ, um ihren Trübsinn zu verbannen, und um sie aufzuheitern, bald Seiltänzer, bald Reifenspringer, bald Gaukler, bald Hanswürste, bald Taschenspieler, bald starke Herkulesse, bald Hunde, welche Kunststücke machten, bald Esel, die aus Gläsern tranken, bald Tänzer, bald das, bald jenes kommen ließ. Es war aber alles umsonst; denn selbst nicht das Rezept eines Wunderdoktors noch die Ranunkel, die das sardonische Lachen erzeugen soll, noch ein Stich in den Unterleib zum Abzapfen melancholischen Wassers hätte sie dazu bringen können, auch nur ein klein wenig den Mund zum Lächeln zu verziehen, so daß der arme Vater, der nun gar nicht mehr wußte, was er tun sollte, um noch den letzten Versuch zu machen, vor dem Tor seines Palastes einen Springbrunnen von Öl in der Absicht errichten ließ, damit die Leute, welche in großer Menge gleich einem Ameisengewühl dort vorüberzuwimmeln pflegten, genötigt wären, um sich nicht die Kleider durch das emporspritzende Öl zu beflecken, wie die Heuschrecken zu hüpfen, wie die Böcke zu springen und wie die Hasen zu rennen, und damit auf diese Weise bei dem Gleiten und Stoßen und Drängen derselben sich vielleicht etwas zutragen möchte, worüber die Prinzessin zu lachen anfinge. Als nun dieser Springbrunnen errichtet war und Zoza eines Tages so sauer wie Essig aussehend am Fenster stand, kam eine alte Frau herbei, welche sich mit einem Schwamm, den sie in das Öl tauchte, ein mitgebrachtes Töpfchen vollfüllte. Während aber die pfiffige Alte dies mit der größten Geschäftigkeit tat, warf ein mutwilliger Hofpage einen Stein und zielte so genau, daß er gerade den Topf traf und ihn in tausend Scherben zerschmiß, weswegen die alte Frau, welche keinen Spaß verstand und Haare auf den Zähnen hatte, sich sogleich gegen den Pagen, hinwandte und ihm zurief: »Schmutzfinke, Laffe, Dreckpeter, Bettpisser, Bocksnarr, Hundejunge, Galgenstrick, Maulesel, schwindsüchtiger Klapperbein, auf dem sogar die Flöhe den Husten haben, wenn dich doch die Pestilenz holte; wenn doch deine Mutter von dir nichts als Böses hören möchte, so daß ihr grün und blau vor den Augen würde; wenn du doch zwei Fuß kaltes Eisen in den Leib bekämst oder auch ein hänfenes Halsband um den Nacken, damit ja kein Tropfen deines Blutes verlorengehe; hol‘ dich alle tausend Schwerenot mit allem, was drum und dran bangt, und das lieber heut als morgen, so daß du mit Stumpf und Stiel ausgerottet werdest, du Schelm, du Lump, du Hurensohn, du Gaudieb!« Der junge Fant, der noch wenig Bart und noch viel weniger Klugheit besaß und diesen Strom von Schimpfreden vernahm, bezahlte sie mit gleicher Münze und sagte: »Wird sie nicht bald aufhören, alte Vettel, Großmutter des Teufels, Höllengabel, Kinderwürgerin, alte Sau, Schweineliese?« Die Alte, welche sich so derbe Dinge sagen hörte, wurde darüber so zornig, daß sie alle Zügel der Geduld verlor, aus dem Stalle der Langmut herausstürzte und, sich den Vorhang vor der Hinterbühne aufhebend, die Waldszenerie den Blicken der Zuschauer preisgab, so daß man wohl hätte ausrufen mögen: »Gehet hin und staunet.« Auch Zoza, als sie dieses Schauspiels ansichtig ward, wurde von solcher Lachlust ergriffen, daß sie darüber beinahe in Ohnmacht fiel. Als die Alte sich auf diese Weise so traktieren sah, geriet sie in so große Wut, daß sie mit einem wahrhaften Fratzengesicht, zu Zoza gewandt, ihr zurief; »So wünsche ich denn, daß dir nimmer auch nur das geringste Stückchen von einem Ehemann zuteil werde, es sei denn, daß du den Prinzen von Rundfeld bekommst.« Sobald Zoza diese Worte hörte, ließ sie die Alte rufen und wollte durchaus von ihr wissen, ob ihre Rede eine Verwünschung oder nur eine Schmähung enthalten hätte, worauf die Aue erwiderte: »So wisse denn, daß der Prinz, den ich vorhin erwähnt habe, Thaddäus beißt, wunderschön ist und durch die Verwünschung einer Fee des Lebens beraubt sowie außerhalb der Stadt in ein Grab gelegt worden ist, dessen Steininschrift besagt, daß diejenige Frau, welche in drei Tagen den an dem Orte selbst an einem Haken aufgehängten Krug vollzuweinen vermöchte, den Prinzen wieder ins Leben rufen und zum Ehegemahl nehmen kann. Weil es nun aber unmöglich ist, daß zwei Menschenaugen so viel Wasser zu lassen anstände wären, daß sie einen so großen Krug, der beinahe einen halben Eimer faßt, vollmachen können, außer etwa die der Egeria, welche, wie man sagt, sich zu Rom in eine Tränenquelle verwandelt hat, so habe ich dich, weil ich mich von euch beiden so sehr verspottet und verhöhnt gesehen, auf diese Weise verwünscht und bitte den Himmel, daß er mir für den erduldeten Schimpf diese Rache an dir gewähren möge.« Nachdem die Alte dies gesagt, eilte sie aus Furcht vor einer Tracht Prügel die Stufen der Treppe hinunter; Zoza aber, begann von Stund an auf jede mögliche Weise und immer wieder von neuem über die Worte der Alten nachzudenken, da sie ihr gar sehr in den Kopf gefahren waren und ihn ihr zu einer wahren Gedanken- und Zweifelsmühle hinsichtlich dieses Vorfalles gemacht hatten. Endlich riß sie sich mit einer gewaltsamen Anstrengung aus dieser Geistesverwirrung, welche den Sinn und Verstand des Menschen zu blenden und umdunkeln pflegt, und nachdem sie einen tiefen Griff in die Goldsäcke des Vaters getan, verließ sie heimlich den Palast und ging immer weiter, bis sie an das Schloß einer Fee gelangte. Vor dieser nun schüttete sie die Bürde ihres Herzens aus, und da die Fee mit einer so schönen Jungfrau, welche durch ihre Jugend und ihre übermächtige Liebe für einen unbekannten Gegenstand wie mit Sporen den größten Gefahren entgegengetrieben wurde, das tiefste Mitleid empfand, so gab sie ihr einen Empfehlungsbrief an eine Schwester, auch eine Fee. Von dieser wurde sie wieder sehr freundlich empfangen, und am darauffolgenden Morgen, um die Zeit, wenn die Nacht durch die Vögel ausrufen läßt, ob jemand einen verlorenen Haufen schwarzer Schatten gesehen, denn er solle eine gute Belohnung erhalten, gab sie ihr eine hübsche Walnuß und sagte: »Hebe diese Nuß sorgfältig auf und öffne sie nur in der größten Not.« Zugleich empfahl sie die Prinzessin an eine andere Schwester, bei welcher sie denn auch nach langer Reise anlangte und mit gleicher Liebe empfangen wurde. Auch von dieser erhielt sie am darauffolgenden Morgen einen Brief und eine Kastanie nebst derselben Ermahnung, die sie mit der Nuß bekommen.

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