| Books | Libros | Livres | Bücher | Kitaplar | Livros |

Um die Indische Kaiserkrone 2 – Robert Kraft

Am Rande der lang ausgestreckten Dschungel, wie in Indien die mit Schilf und Rohr bewachsenen Sumpfniederungen genannt werden, entsprang unter einer Sykomore eine Quelle, bildete erst ein Bassin und floß dann dem Süden zu. Zahlreiche Spuren, große und kleine, bewiesen, daß an diesem Bassin die in der Dschungel hausenden Tiere ihren Durst zu löschen pflegten. Die Nacht war schon angebrochen, hell flimmerten am Himmel die Sterne, und es war also Zeit, daß die nächtlichen Raubtiere, Hyänen, Schakale, Panther und andere die Dschungel verließen und der Quelle zuschlichen. Aber sie taten es nicht. Sie heulten nur mit heiserer Stimme, welche den brennenden Durst verriet, jedoch die Dschungel zu verlassen und sich dem Wasser zu nähern, wagten sie nicht. Daran war der Mann schuld, welcher dort unter der Sykomore saß. Er lehnte seine kleine, korpulente und eine ungeheure Muskelkraft verratende Gestalt an eine Wurzel und lauschte bewegungslos, als wäre er aus Stein gehauen, dem immer näherkommenden Heulen, Wimmern und Fauchen der Raubtiere. Dieser Mann mußte in den Dschungeln wie zu Hause sein. Er wußte, daß der Durst der Bestien noch nicht so groß war, daß sie sich in grenzenloser Wut auf den Störenfried warfen. Sonst hätte er sich wohl nicht so ruhig verhalten. Näher und näher kam das entsetzliche Heulen, doch wurde es auch immer leiser. Noch unterlagen die Raubtiere dem mächtigen Einfluß, den ein furchtloser und bewegungsloser Mensch auf sie ausübt. Da verstummte das Geschrei plötzlich völlig. Der einsame Mensch bekam noch Gesellschaft. Zwei Reiter näherten sich in scharfem Trabe der Quelle, im Lichte der Sterne glänzten die Läufe ihrer Gewehre und die silberbeschlagenen Pistolenkolben. Der kleine Mann stand auf und trat aus dem Schatten des Baumes. Jetzt konnte man sein Gesicht erkennen, welches von abschreckender Häßlichkeit war. Die zwei Reiter zügelten vor ihm ihre Pferde. „Ich wußte, daß der letzte Sproß der Maharattenfürsten Wort hielt,“ begann der Kleine mit einem Tone, in. dem beißender Spott lag; „aber ich dachte mir auch schon, daß er nicht allein kommen würde. Die Maharatten haben es stets verstanden, ihre Feinde in Überzahl zu überraschen.“ Mit einem heftigen Satz sprang der größere der beiden Reiter aus dem Sattel, eine hohe, imposante Gestalt, nicht mehr jung. „Nana Sahib, hüte dich, mich noch mehr zu beleidigen,“ sagte er drohend, „ich bin gekommen, dir mit jeder Waffe, welche du willst, Rechenschaft zu geben, und damit genug der Worte! Ich brachte diesen treuen und verschwiegenen Diener mit, damit er die Pferde abführt, wenn du mit mir zu Fuß kämpfen willst, und dann, damit er den Ort kennt, wo der Zweikampf stattfindet. Im übrigen bin ich es, der dich zum Zweikampf auffordert, nicht du mich. Du warst nur eher hier als ich.


“ „Du bist sehr vorsichtig gewesen, als du hinterlassen hast wo man deinen Leichnam abholen soll,“ höhnte Nana Sahib. „Spotte nicht! Hast du nicht jemanden zu morgen früh hierher bestellt, im Falle, daß du nicht wieder zurückkehrst?“ „Der Fall kann nicht eintreten!“ war die selbstbewußte Antwort. „Nur du wirst deinen Tod hier finden. Die Pferde sind nicht nötig, ebensowenig Gewehr und Pistolen. Sieh hier, dies ist meine einzige Waffe.“ Nana Sahib zog einen Yatagan, das ist ein krummes Schwert, unter dem Mantel hervor und ließ den Stahl blitzen. Ein gleiches Schwert hatte der andere in metallener Scheide an der Seite hängen. Er zog es ebenfalls. „So soll dies auch meine Waffe sein,“ entgegnete er mit düsterem Lächeln. „Nana Sahib, ich glaube, mit solcher Waffe wirst du den kürzeren ziehen.“ Er mochte nicht ohne Grund so sprechen. Seine hohe, schlanke Gestalt verriet Kraft und Gewandtheit zugleich, sie schien durch Kampf und Jagd gestählt zu sein. Nana Sahib dagegen zeigte nur Muskelkraft, sonst war er plump gebaut, und zum Schwertkampf gehört vor allen Dingen ein gewandter und elastischer Körper. „Es wird sich finden, wer siegt oder fällt,“ sagte Nana Sahib ruhig; „ich glaube, ich werde der Sieger bleiben. Jetzt laß den Diener sich entfernen.“ Der Große übergab seinem Begleiter Gewehr und Dolche, sowie das mantelartige Gewand aus einfacher Baumwolle und deutete nach einer Richtung, in welcher der Indier mit beiden Pferden verschwand. „Ich bin bereit!“ sagte der Große. Nana Sahib warf ebenfalls das lange Gewand ab, welches bei ihm aber aus schwerer, indischer Seide bestand. Beide Männer standen sich in enganschließender Kleidung gegenüber, den blanken Yatagan in der Faust. Der Große stellte sich gleich in Fechtpositur, Nana Sahib nicht. Er legte noch einmal das Schwert zu Boden und wickelte den Mantel um seinen linken Unterarm. „Wie fechten wir?“ fragte der Große. „Wir fechten überhaupt nicht!“ „Was?“ rief der andere erstaunt. „Nein, mache dich bereit, eine andere Art von Zweikampf zu, bestehen. Du rühmtest dich, Sirbhanga, ein Maharatte aus den Bergen zu sein, ein Krieger, dessen Mut um so mehr wächst, je größer die Gefahr ist, du willst der letzte direkte Abkömmling des Maharattenfürsten Sewadschi sein .

“ „Zweifelst du, daß ich es bin, wo mich doch selbst Bahadur anerkannt?“ unterbrach ihn der mit Sirbhanga Angeredete finster. „Wohlan, so beweise, daß du des Sewadschi Nachkomme bist!“ „Was für einen Zweikampf hast du .gewählt?“ fragte Sirbhanga stolz. „Ich werde vor nichts zurückschrecken.“ „Auch nicht vor einem Kampf mit einem Königstiger?“ Der Große zuckte doch etwas zusammen. „Wie, du wolltest es wagen, mit dem Yatagan in der Hand dem Beherrscher der Dschungeln gegenüberzutreten?“ fragte er wie scheu. Nana Sahib lachte höhnisch auf. „Sieh, wie schnell dein Mut sinkt! Du willst ein Nachkomme des heldenmütigen Sewadschi sein und bebst zurück, wenn du das ausführen sollst, was er getan hat. Denn Sewadschi hat, nur mit dem Dolch bewaffnet, einen Königstiger im Kampf getötet. Nein, Sirbhanga, du bist ein Prahler, und „ich hatte recht, als ich mich gestern abend beleidigt fühlte, als du dich am Tisch näher zu Bahadur als ich setzen wolltest. Mit vollem Recht warf ich dir vor, daß du nichts weiter bist als der Radscha eines armseligen Gebirgsvolkes, so arm, daß du nur Kleider aus Baumwolle tragen und deinen Schwertgriff nur mit buntem Glas schmücken kannst. Ich dagegen bin ein mächtiger, reicher Fürst; Tausende von Kriegern gehorchen mir!“ „Der Neffe von Bahadur bist du, weiter nichts,“ unterbrach ihn Sirbhanga heftig, „nur deshalb hast du die .Radschawürde und Reichtum erhalten. Mir dagegen gebührt die Herrschaft eines Radschas, ja, die Herrschaft über ganz Indien, denn meine Vorfahren hatten sie in Händen. Und geht nicht durch ganz Indien die Prophezeiung, daß aus meinem Blut einst der Herrscher über Indien entstehen wird, welcher die Faringis vernichten wird? Glaubt nicht Bahadur selbst an diese Prophezeiung?“ „Du irrst, nicht dein Samen, sondern die Tochter Sewadschis, die er in der Nirwana mit der Göttin Kali erzeugt hat, wird die Vernichtung über die Faringis bringen und die alte Herrschaft der Maharatten wieder aufrichten. Dein Sohn soll diese Königin ehelichen, weil es nicht gut ist, daß ein Weib regiert; also nur durch Heirat wird dein Sohn König der Indier werden.“ „Das bleibt sich gleich. Ich bin der Ahne der indischen Könige, du bist nichts weiter als ein Hindu, noch dazu ein mohammedanischer, der durch Verwandtschaft mit dem Großmogul die Radschawürde erlangt hat.“ „Genug davon! Als ich mich weigerte, mich hinter dir an den Tisch zu setzen, entspann sich zwischen uns ein Streit, den zu schlichten Bahadur nicht für seine Pflicht hielt. Statt dich mit mir zu einigen, ergingst du dich in maßlosen Beleidigungen, du nanntest mich einen Emporkömmling, einen Mann, der sich durch Schmeichelei emporgeschwungen hätte, einen Sklaven von Weibern und so weiter. Gibst du zu, daß ich der beleidigte Teil bin?“ „Und du nanntest mich in Gegenwart der übrigen Fürsten einen Bettler, einen anmaßenden Menschen.“ „Wohl; aber begannst du nicht?“

.

PDF Herunterladen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

PDF • Kostenlose eBooks © 2020 | Free Books PDF | PDF Kitap İndir | Baixar Livros Grátis em PDF | Descargar Libros Gratis PDF | Telecharger Livre Gratuit PDF |