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Im Niemandsland der Galapagos – Olaf Abelsen

Niemandsland… Aus dem Schoße des Meeres geboren… Hervorgestoßen durch die glühenden Fäuste der flammenden Titanen, die unter der Erdrinde ihr enges Reich mit den Feuern vulkanischer Eruptionen zu erweitern suchen… Niemandsland, Meeresboden, angeflickt wie eine Wüstenei an die Gestade von Santa Renata. Santa Renata?! …Insel… Westlichste, nördlichste der Galapagos-Gruppe… Das sei genug… Vorläufig… — — — — Da sitzt er vor mir jenseits des Feuers, über dem ein Wildferkel röstet. Feuer, genährt von den Resten meines Bootes. Da sitzt der alte Kapitän des Trampdampfers, dreht den Bratenspieß und fängt das herabträufelnde Fett mit einem Kochgeschirrdeckel auf und gießt es über die braune Schwarte. Es mag ihm ungewohnte Arbeit sein, dem greisen Maat, in dessen Gesicht die Ruinen wildbewegter Vergangenheit klaffen. Er spricht zu mir – müde, hoffnungslos, – von allem Möglichen. Spricht mit der starren, unelastischen Weisheit derer, die bereits in das andere Reich der Toten hinüberschauen mit dem stillen Blick der Erdenfernen. Um uns her dunkelt die Nacht, und der zuckende Feuerschein beleuchtet die faulenden Algen und die glitzernden runden Flecken, zu denen die Meeresquallen vertrockneten. Vom nahen Kanal her, wo der verrostete Tramp ankert, der so stolz den Namen „Vandalia“ führt und der mit mir emporstieg in dieses Niemandsland, erklingen die Klänge wilder Matrosenmusik, das Johlen von Stimmen und das brüllende Gelächter über eine Zote… Der alte Johannsen schüttelt den braunen Kopf mit dem Silberhaar und spuckt in die Glut… „Die sind vergnügt, Herr…“ Nur das sagt er. Viel kann man heraushören, sehr viel… Zwischen Kapitän und Besatzung besteht ein mir noch unklares Verhältnis Ich kenne die Herrschaften erst wenige Stunden… Angenehm sind sie mir nicht. – So, nun habe ich die Büchse, die Pistolen, Messer und Patronen gesäubert, eingefettet und kann den greisen Mann ablösen. „Sie gestatten, Kapitän…“ Er murmelt etwas, macht mir Platz, und unter den Büscheln grauer Augenbrauen streift mich ein harter, fragender Blick… Wir kennen uns erst drei Stunden… Da entrann ich der wütenden Brandung, weil ich leben wollte… Wollte… Und ich lebe. Mein Hund ist tot: Seemannstod! Armer Monte… – Der Greis fragt mit der seltsam brüchigen Stimme: „Glauben Sie wirklich, Herr, daß wir mit dem Dampfer wieder offenes Meer erreichen? Werden sich die Kanäle bis zum Rande des Neulandes hinziehen?“ Achselzucken… „Hoffentlich, Kapitän…“ Und wie sehr ich darauf hoffe!! Niemandsland?! – Das sollte ja mein Land werden… Und ich fand es besetzt… Die Titanen der Tiefe hatten den Dampfer mit seinen sechsunddreißig Menschen mitten hineingepflanzt in das ungeheuere Gebiet, dessen Ausdehnung sich nur vermuten läßt. Kapitän John Johannsen streichelt zerstreut den Lauf meiner Waffe. „Eine gute Büchse, Herr…“ „Ja, Kapitän, System Snyders, neunschüssig… Hat schon allerlei erlebt.“ Das Ferkel am Spieß duftet. Die Scheite knallen. Ich steche zur Probe in die Lende hinein… Wildscheinferkel von Santa Renata, selbst geschossen. Vor dem Konservendreck des Dampfers graute mir. Meine Messerklinge zerlegt den Braten, und der Dampf steigt hoch… „Es muß schön sein, so wie Sie zu leben, Herr,“ – der Kapitän zerkleinert die Scheibe auf dem Teller… „…Es schön!“ erkläre ich munter, denn dieses Gespenst von Greisenhaftigkeit lähmt mich. Ich schüttele das Unbehagen von mir… Die Kerle drüben brüllen, feiern Sieg… Sieg?! …So wie sie ihn verstehen…“ Albern das.! haben sie denn gekämpft um ihr Leben?! Die Titanen der Tiefe schenkten ihnen Pardon. Und nun saufen die Burschen und brüllen und treiben Unfug. Bande!! Gefällt mir nicht, die Sippe! Weiß überhaupt nicht, was mit dem alten Rattenkasten von Dampfer überhaupt los ist.


Sind da ein paar Halsabschneider darunter, die über mein Erscheinen gar nicht entzückt schienen und die nicht mal dulden wollten, daß John Johannsen mir hier zwischen den Felsen Gesellschaft leistete. …Ist da ein jüngerer Bruder, Knut Johannsen… Miserables Gewächs… Zu ölig… Verdammt noch mal, ich liebe das Schroffe, Klare, Ehrliche… Verdammt noch mal, ich bin ich – noch immer! Und die da?! Hergelaufenes Pack, bunt gemischt, seltsames Gemengsel! Was ist mit der „Vandalia“ los?! …Der Greis kaut und kaut… Wolken jagen über uns… Der Oststurm fegt sie davon, zuweilen erscheint der Mond. Und ringsum: Niemandsland! Aus dem Meer emporgestiegen, so wie ich es schon vor Wochen erlebte… Nun ist Neuland dazugekommen, wieder Neuland… In den Wolkenfahnen klafft plötzlich ein ganz weißer Riß, und der Mondschein zeigt sich in strahlender Helle. Gleichzeitig fast von dem Kanal her eine Frauenstimme… Klar, hart, entschlossen – wie ein greller Blitz: „Hände weg!! – – Schurken!!“ Im letzten Wort schwingt eine Verachtung, die den Abscheu, den Widerwillen, den Widerstand in sich schließt… All das… Im klaren, kalten Ton der hellen Stimme. Mein Blick fliegt zu Johannsen… Der Greis lächelt töricht… „Wer ist das, Käpten?“ Und mein Organ kreischt fast, peitscht auf… Der Alte kaut hilflos… Ein Schritt, und meine Sniders liegt im Arm, – fünfzig Meter über neuen Boden… weite Sprünge… Der Kanal blinkt im Mondlicht… Rotbraun leuchten die die rostbedeckten Schiffswände… Das kleine Boot fliegt hinüber, das Fallreep kracht, und ich empor an Deck… Da habe ich sie vor mir, die Banditen… Laternen glotzen mich an, Menschenaugen, vertiert durch Trunk, glitzern tückisch… In der Mitte des Kreises steht die, die niemand vor mir erwähnte… Niemand… Auch der Alte nicht… Nicht jung mehr, eine reife Frau, gekleidet in derben Sportanzug, Golfmütze schief auf den Kupferhaaren… Meine Blicke tasten das Deck ab. Brandylachen – Würfelbecher – Würfel… Sich lümmelnde Gestalten, fünf Kerle aufrecht. Und die fünf, – – das sind die Burschen, die mir den Magen umkrempeln… Fratzen wie aus Bürostuben mit Klubmöbeln und mit niedlichen, allzeit gefälligen Tippmädels und mit sonstigem Drum und Dran… Feine Herren… So recht für das Neuland geschaffen.!! Besser, man befiehlt dem Magen Ruhe und lächelt… „Was geht hier vor?“ Die eine Frage – Schwerthieb, bringt Leben in die Bude. Und das soll Neuland, Niemandsland sein?! Banditennest – das ja.! Wie die bissigen, räudigen Köter fliegen sie hoch… Herr Klaus Johannsen, sehr prunkvoll in Weiß mit goldenen Knöpfen – erster Steuermann – nur kein Mann, schade! – – also Herr Klaus schiebt seine aalglatte Schnauze höflich vor… „Unsere Angelegenheit, mein lieber Herr Benson…“ Ja – Benson, noch immer Benson… Mein lieber Herr – nicht schlecht gesagt.! Verfängt nur nicht. Ich schaue die Frau an. „Und Ihre Antwort?“ Sie lacht… Aber Herr Klaus mit der Geiernase wird nervös… „Mein lieber Herr Benson…“ – er stoppt, er zieht den Rüssel zurück. Ich habe Rückendeckung an der Reling… Und zwei Pistolen, je acht Schuß, sind etwa zehn Leichen. Das gefällt den Herrschaften nicht… Sie sind unbewaffnet. Mit leisem, zweifachem metallischen Klick fährt die Sicherung zurück… die eine… die zweite… Sagt da Klaus‘ Freund, der dicke zweite Offizier: „Wir sind friedliebende Leute…“ „Alle!!“ betont der dritte Offizier… „Sämtlich!“ säuselt der fette Ingenieur. …Komische Käuze.!! Der Deubel mag aus der Gesellschaft schlau werden! – Kerle?! Nein, Weiber in Schiffsuniformen… Herr Klaus hüstelt vornehm… „Mein lieber…“ – – und verstummt… Die Frau hat ihn bei Seite gestoßen, steht neben mir, nimmt mir die Büchse ab, entsichert sie, legt halb an… „Herr Benson, sie haben um meinen Besitz gewürfelt… Das ist es… Und der Jämmerling da gewann…“ Der Büchsenlauf schwenkte herum… Klaus Johannsens Unterkiefer sinkt, schlottert, – – dann lächelt der Gentleman wie eine Giftschlange… „Es war nur Scherz, Frau Land…“ Ich horche auf… Land? Frau Land? – Niemandsland…

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