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Memoiren – Karl Heinrich von Lang

Meine Geburt, 7. Jul. 1764 — in Schwaben, Fürstenthum Oettingen-Wallerstein. Vater: ein Landgeistlicher. — Großvater: der Kammerdirector des Fürsten. Die Langen — unter Ludovicus Barbatus in Donauwörth — im Bauernkriege — überall Märtyrer. Anecdote von meinem Großvater — und wie er die Directorstelle ausschlägt, darauf aber ein Dekret bekommt: »an meinen Director Lang, er mag wollen oder nicht.« Mein Urgroßvater, wie er vom Fürsten ausgeplündert wird. Ein Hofjude Rothschild. Wie man in diesen alten Häusern gelebt. — Etwas französische Weise. Krankheit des Großvaters — Consultation von Tissot, der eine Definition der Krankheit giebt — der Kranke stirbt aber dabei doch. Meine Kindheit — Tod des Vaters — Scenen der theuren Jahre — Klosterscene. Schwäbisches Jauerwesen, wobei meiner Mutter ein Kind gestohlen wird. Aufnahme in das Haus eines Oheims — am Hoflager des Fürsten von Wallerstein. Schilderung des Fürsten-Hofes. Altschwäbische Sitten des Landes — Volkssagen — Spiele. Meine Lectüre — Besuche des Dichters Schubart — Landwirthschaft — und meine Beschäftigung dabei. Meine Confirmation — wobei ich wörtlich das Glaubensbekenntniß des Großfürsten Paul, vom Erzbischof Plato abgefaßt, öffentlich recitire. Hauslehrer — habe vor dem zwölften Jahre kein Wort Latein gelernt. Gymnasium in Oettingen — Schulwesen damals. Um Rollius römische Geschichte lesen zu können, habe ich mich bei einem barbarischen Bruder 150 Puffe und Prügel, 200 Ohrfeigen und 80 Stunden Wegs hin und wieder Preis geben müssen. Ich werde davon gejagt — im 15ten Jahre — wegen Insubordination und angeschuldigter körperlicher Mißhandlung des Rectors; der Oheim und der Fürst in Wallerstein giebt mir wieder Zuflucht in seiner Bibliothek. Ich studire nunmehr für mich selbst und arbeite in der fürstlichen Bibliothek als Amanuensis. Wunderbares Treiben des Fürsten in seiner Bibliothek.


Ein neuer Roman zieht auch hier meine Vertreibung nach sich. Ich werde einem Oheim im Würtembergischen, zu Heidenheim an der Bunt, ausgeliefert. Schilderung des häuslichen Lebens eines Würtemberger Officials oder Superintendenten. Ich soll angehalten werden, Belfingers Logica zu studiren. Nehme aber den nächsten besten Gaul und reite auf und davon. Man läßt mich nun in Gottesnamen auf Universitäten ziehen. Juristisches Studium unter Malblanc, Siebenkäs; Seitenflug nach Jena. Rückkehr nach drei Jahren — Anfang des Practicirens bei der Regierung in Oettingen. Beschreibung, wie es bei solchen Collegien zugegangen. Lavater — Ursergesche und Sailersche Congregationen in Oettingen. Ich steige auf zum Regierungssecretair. Befehl des Fürsten, daß alle seine Diener am Charfreitage communiciren, oder seine Dienste verlassen sollen. Angst und Jammer des Hofjuden, als ich nicht communiciren will. Er und meine Gläubiger packen mich gleichsam auf der Straße und stoßen mich zur Kirche hinein; geben mir aber am Abend ein fröhliches Banquett. Der kleinlichsten Neckerei in Oettingen müde, setze ich mich auf gut Glück auf ein Donauschiff und fahre nach Wien. Leichtes, wohlgemuthes Gilblas Leben in Wien. Die Reichshofräthe und Agenten, an die ich mich wende. Nach etlichen Monaten reise ich mit einer ungarischen Gräfin, Mutter der auch literarisch berühmten Frau von Zay Uzrocz, als Gesellschafter und Hofmeister nach Ungarn, Treutschiner Comitat, in den Karpathen. Leben der ungarischen Großen — und zum Theil Portraite: Apony, Windischgrätz, Calisch, Pronay. Reise nach Krakau und ich lege hier den Grund zu meiner slavischen Sprachkenntniß. Von Wien kommt mir eine Einladung nach, vom würtemberg. Gesandten B. v. Bühler, als sein Privatsecretär. Nun öffnet sich mir auch der Blick in die größere Wiener Welt.

Narrheiten des Gesandten — Erbärmlichkeiten des ganzen Gesandtenwesens. Ich treibe nebenbei meine Studien, benutze auch fleißig die Bibliotheken. Präsentation bei van Swirten, durch Birkenstock, der mich als Professor der griechischen Sprache anstellen will. In Privatangelegenheiten des Fürsten Potemkin schickt mich der Gesandte nach Slavonien und in die Moldau, — Langer Aufenthalt in Servien — endlich auch in Belgrad. Art zu leben in dieser Gegend. Aufenthalt in Ofen und Pesth, wo mich ein ungarischer Advokat dringend als seinen Gehülfen anwerben will. Rückkunft — Unaufhörliche Narrheiten des Gesandten. Müde derselben nahm ich die Stelle eines Kabinetssecretärs bei dem Fürsten von Wallerstein, meinem alten Landesherrn, an. Hier geht’s noch verrückter zu. Wunderbare Art desselben, die Geschäfte zu betreiben. Sendet mich nach Frankfurt, zur Kaiserkrönung Leopolds, zum Grafentag. Scene dieser Krönung, der Beschreibung Göthe’s nicht entsprechende Bettelstadt. Reise mit dem Fürsten auf seine Güter — bin aus guter Meinung die Veranlassung, daß beim Empfange die Glocken nicht geläutet werden, und komme darüber in Ungnade. Zweifelhaft wo ich nun hingehen soll, entweder wieder nach Wien oder nach Göttingen, überließ ich dem Kutscher. Dieser entscheidet für Göttingen. Leben in Göttingen zwei Jahre, im Umgange mit Schlözer, Spittler, Sartorius, Benecke, Schönemann — tägliches Treiben auf der Bibliothek. Ich gewinne einen juristischen Preis. Heyne lobt öffentlich meine Latinität. Bekanntschaft mit Nicolai, der meine Geschichte der Steuern verlegt. Besuch bei Herrn von Hardenberg, auf seinem Gute bei Göttingen, und bewerbe mich um Dienste in Polen. Antwort: dazu wär‘ ich zu gut; es werde sich schon für mich was in Franken finden. Ich ziehe zu Herrn von Hardenberg selber auf sein Gut, richte seine Archive ein und schreibe eine Geschichte der Familie, die aber bei den streng adeligen Mitgliedern des Hauses keinen Beifall findet. Komische Skizzen daraus. Schilderung des Lebens auf dem Schlosse Hardenberg — und in anderen hannoverschen Häusern binnen 2 Jahren meines Aufenthalts auf dem Hardenberger Schlosse. So oft der Minister aus Franken ankommt, gebraucht er mich als Secretär in seiner fränkischen Sache.

Spies, geh. Archivar in Plassenburg, stirbt. Der Minister giebt mir diese Stelle. Heirath: eine Schwester des Oberhofpredigers Ammon — stirbt in der Niederkunft. Der Minister schickt mich nach Rastatt, als preußischen Legationssecretär — bei den Gesandten Görz, Jakobi, Dohm. Treiben der Höfe in Rastatt. Personalia und Anecdoten von den Gesandten und anderen Sollicitanten — Plane, die der alte Metternich mit mir hatte — ich aber ablehne — Bekanntschaft mit dem Sohne. Gesandten-Mord — meine Ansichten darüber (Lehrbach). Ich gehe zurück nach Ansbach, als Reichs- und Domänenrath, arbeite hauptsächlich in allen Landeshoheits- und auswärtigen Sachen. Allerlei über die preußische Verwaltung und Maxime. Zweite Frau — eine v. Reitzenstein — stirbt in den Wochen. Der Minister ruft mich nach Berlin, wo ich ein paar Monate in seinem Hause lebe. Umgebung der Mad. Schönemann, nachheriger Fürstin — Iffland u.s.w. Beyme. Dritte Frau, eine Schwester des Präsidenten v. Hänlin, stirbt in der Niederkunft. Der Minister nimmt mich mit zu der Unterhandlung nach München. Beschreibung des damaligen Hofs und der Geschäftsmänner in München. Unselige Verhältnisse zwischen Hardenberg und Haugwitz. Haugwitz aus Neid verwirft alle Beschlüsse Hardenbergs und die mit Baiern bezweckte ächte Grenzregierung, wodurch die nachherigen Grenzverletzungen durch Bernadotte und vielleicht der Krieg mit Frankreich selbst hätte vermieden werden können. Einrücken der Franzosen in Ansbach.

Man verheißt mir eine Domherrnstelle in Magdeburg oder Halberstadt, wenn ich mit den Preußen abgehe. Aber angesessen und hier zu Hause, und weil ich dem heimtückischen N., den ich haßte, nicht folgen mag, schlage ich’s ab. Ich werde nun das erste Mitglied der militärisch-civilistischen sogenannten Kriegs-Commission, welche das Fürstenthum Ansbach im Namen Baierns, unter dem Grafen von Thürheim, zu verwalten hat. Personalien und Anecdoten von Bernadotte und Berton, seinem Generaladjutanten, dem nachher in Frankreich Hingerichteten General Berton, der bei mir im Quartier lag. Geheimer Plan des Bernadotte, Fürst in Nürnberg zu werden oder auch in Ansbach, und wollte mich da als Staatsrath halten. Bei Bildung der baierischen Landescollegien werde ich Director in Ansbach — Ritter und stehe überhaupt hoch in Gnaden, zeige auch von meiner Seite den größten Eifer. Werde aber ganz verblüfft und kleingläubig, als ich die Willkühr, Habsucht und Verworfenheit der baierischen höheren Staatsdiener hinter den Coulissen näher zu betrachten Gelegenheit fand. Mehrere namentliche Beispiele davon, die fast ans Unglaubliche steigen und einen schrecklichen Blick in das Innere von Baiern, wenigstens damals geben; und wobei der vorige König immer höchst schwach erscheint. Ankunft des Herrn von Lerchenfeld, als Präsident des Landes. — Diesem folgt Dörnberg, ein Verkuppler seiner eigenen Frau und Genosse der schmutzigsten Juden; und wie dieser Dörnberg den Schuckmann gern hätte erschießen lassen. Dieser Clique natürlich gelang es, mich von Ansbach zu entfernen, mit dem Vorwande, daß ich das Reichsarchiv in München organisiren solle.

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