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Memoiren der Frau von Stael – Germaine de Stael

Germaine von Staël-Holstein ist nicht allein die bedeutendste französische Schriftstellerin ihrer Zeit, sondern sie war es auch, die der Romantik Theorien, Ideen und Kritik verlieh. In ihr vereinigten sich starke Gegensätze: sie war gleichzeitig die Geistesschwester Rousseaus und die Bewunderin Voltaires, kurz ein Kind ihres Jahrhunderts. Sie wurde am 22. April 1766 in Paris geboren. Ihr Vater war der Finanzminister Necker. Ungemein frühzeitig entwickelte sich ihr Geist durch den Einfluß ihrer Mutter, deren Salon zu den berühmtesten in Paris zählte. Schon als Kind durfte Germaine Necker an den Gesellschaften ihrer Eltern teilnehmen. Sie lernte Männer wie Grimm, Raynal, Morellet, Marmontel, Saint-Lambert und Buffon kennen, und besaß die Gabe und Intelligenz, sich deren Wissen und Geist zunutze zu machen, von ihnen zu hören und zu lernen. Daß im Salon eines Ministers, eines Staatsmannes die politischen Gespräche vor den literarischen den Vorzug hatten, ist begreiflich. So wurden die Fähigkeiten und der Geist des jungen Mädchens anfangs auch auf dieses Gebiet gelenkt. Mit 15 Jahren bereits schrieb sie juristische und politische Abhandlungen. Ihre eigentliche schriftstellerische Tätigkeit aber begann erst im ersten Jahre ihrer Ehe mit dem schwedischen Gesandten in Paris, Eric Magnus, Baron von Staël-Holstein. Sie hatte ihn im Jahre 1786 auf den Wunsch ihrer Mutter geheiratet und war mit dem geistig tief unter ihr stehenden Manne nicht glücklich. [Beide lebten später getrennt voneinander. Als der Baron von Staël jedoch krank wurde, eilte seine Frau zu ihm, um ihn bis zu seinem Tode zu pflegen. Er starb in Poligny am 9. Mai 1802 auf der Reise nach Coppet, wohin er sich zurückzuziehen gedachte.] Gesellschaft, Literatur, Wissenschaft und Politik halfen ihr, sich über das, was sie in ihrer Ehe vermißte, hinwegzusetzen. Bald war ihr Salon, wie der ihrer Mutter, einer der besuchtesten in Paris, besonders beim Ausbruch der Revolution, die Frau von Staël, die große Freiheitsschwärmerin, mit Freuden begrüßte. Sie träumte für Frankreich eine Verfassung wie die englische, und diese Hoffnung wurde von Männern, wie Clermont-Tonnere, dem Marquis de Montmorency, Malouet, Mounier und anderen, die in ihrem Hause verkehrten, geteilt. Man politisierte und intriegierte viel bei Frau von Staël. Dadurch wurde sie im Jahre 1792 dem Wohlfahrtsausschuß verdächtig, und ihr Gemahl wurde aufgefordert, seine Gattin aus Paris zu entfernen. Sie zog sich eine Zeitlang auf das Schloß ihrer Eltern in Coppet am Genfer See zurück und blieb dort bis nach dem 9. Thermidor. Aber auch das Direktorium traute dieser klugen, intrigenspinnenden Frau nicht.


Vereinigte sie doch alle diejenigen um sich, die mit dem Verlauf der so schön begonnenen Revolution unzufrieden waren. Benjamin Constant, Cabanis, Roederer, Garat, Marie Joseph Chénier, Daunou und andere gingen bei ihr aus und ein, und so sah sich Frau von Staël von neuem gezwungen, auf Befehl der Regierung Paris zu verlassen. Auf dem Schlosse Coppet wurde sie von dem Direktorium aufs eifrigste beobachtet, sie kehrte indes 1797 nach Paris zurück. Dort sah sie zum erstenmal den Helden, den Sieger Italiens, den sie in ihren Briefen mit Scipio und Tankred verglichen hatte. Zu jener Zeit verblaßte vor Bonapartes Siegergestalt alles in den Augen der Frau von Staël. War er doch der berühmteste Mann des Tages. Zwanzig gewonnene Schlachten und Gefechte wanden um die junge Stirn ruhmvolle Lorbeeren! Alles vereinigte sich in ihm: Genie, Hochherzigkeit, Unerschrockenheit, Jugend und Glück! Um Bonaparte schwebte nicht allein der Zauber der Berühmtheit, sondern auch der Nimbus der Originalität. Das genügte für eine so romantische Natur wie Frau von Staël, um in dem jungen General eine Art Halbgott zu erblicken. Außerdem glaubte sie in seinen grauen Augen das Feuer zu lesen, das darin für die Freiheit des Vaterlandes glühte. Sie nannte ihn den besten Republikaner Frankreichs! den Freiesten der Franzosen! Wie bitter wurde Frau von Staël in ihren Hoffnungen getäuscht! Bonaparte entsprach weder als Mensch noch als Staatsmann ihren Erwartungen. Schon bei der ersten Begegnung mit dem General zerfloß der Traum, in dem sie sich gewiegt hatte. Ihre weibliche Eitelkeit hatte im Stillen gehofft, der Held, der berühmteste Mann seiner Zeit, werde sie, die bedeutende Schriftstellerin, auszeichnen und auch als Frau nicht übersehen. Vergebens! Der General beachtete sie kaum, als er ihr beim Minister Talleyrand begegnete, er richtete nur die nötigsten Worte der Höflichkeit an sie. Und sie, die Beherrscherin des Worts, die geistreiche, schlagfertige Frau, wußte im ersten Augenblick kaum etwas zu erwidern, so sehr schüchterte sie die Person Napoleons ein. Als sie sich von ihrer starren Bewunderung ein wenig erholt hatte, fühlte sie „ein ausgesprochenes Gefühl der Angst in sich aufsteigen.“ Und dieses Angstgefühl wurde Frau von Staël nie los, wenn sie sich in der Nähe Napoleons befand. Einmal sagte sie zu Lucien Bonaparte, mit dem sie in freundschaftlichen Beziehungen lebte: „Vor Ihrem Bruder werde ich blöde, weil ich ihm gefallen will. Ich weiß plötzlich gar nichts mehr, möchte mit ihm sprechen, suche nach Worten und drehe meine Sätze hin und her. Ich will ihn zwingen, sich mit mir zu beschäftigen, mit einem Wort, ich bin in seiner Gegenwart dumm wie eine Gans.“ Napoleon ließ sich nicht zwingen, er wich ihr geflissentlich aus. Seine Abneigung gegen Frau von Staël war ungeheuer. Er sah in ihr nicht allein den Blaustrumpf, der ihm zuwider war, sondern vor allem die gefährliche Geistesmacht, die er allerdings anfangs mit Vorsicht behandelte, weil sie großen Einfluß hatte, und weil seine politische Stellung damals durchaus nicht unerschütterlich war. Frau von Staëls Herrschernatur aber lechzte danach, den Staat von ihrem Salon aus zu regieren oder wenigstens durch ihre Ideen beeinflussend auf den Mann zu wirken, der das Ruder Frankreichs in Händen hatte. Bonaparte jedoch wollte weder von ihr beraten noch beobachtet sein. Alles an ihr schreckte ihn ab: ihr Salon, ihre Feder, ihr Einmischen in die Politik! So entspann sich jener erbitterte Kampf zwischen den beiden Größen: der des Geistes und der des Schwertes.

Anfangs war er rein persönlich und begann mit der verschmähten Bewunderung des Genies auf der einen Seite und der Verabscheuung alles Unweiblichen auf der andern Seite. Bald aber ward aus diesem persönlichen Kampfe ein politisches Ringen, bei dem keins von beiden nachgeben wollte. Und gewiß hätte Frau von Staël sich nur mit ein wenig Vernunft ein besseres Los schaffen können. Aber sie versäumte nie eine Gelegenheit, Napoleon zu schaden, sei es in Worten oder mit der Tat. Sie verband sich mit seinen Gegnern und Feinden und intrigierte, wo sie konnte. Bis nach dem 18. Brumaire lebten sie jedoch wenigstens nach außen hin in Frieden miteinander. Da hielt Benjamin Constant, mit dem Frau von Staël enge Freundschaft verband, im Januar 1800 in ihrem Salon in Paris seine berühmte Rede gegen die im Aufsteigen begriffene Tyrannenherrschaft. Nun war der offene Bruch mit dem Ersten Konsul unvermeidlich. Gerade um diese Zeit war das Haus der Frau von Staël eins der einflußreichsten und besuchtesten der französischen Hauptstadt. Man kabalierte und intrigierte und sprach ganz offen den Wunsch aus, den Ersten Konsul zu stürzen. Napoleons Geduld hatte den höchsten Grad erreicht. Im Oktober 1803 traf Frau von Staël der Befehl, Paris auf 40 Meilen in der Runde zu verlassen und es nie wieder zu betreten. Das war ein harter Schlag für sie, die Weltdame, der die Pariser Luft Bedürfnis war; es war die Vertreibung aus dem Paradies! Paris! wo allein sie wahren Genuß an der Unterhaltung mit geistreichen Menschen fand, Paris! das allein ihrem Temperamente und ihrem Geiste Zufriedenheit verlieh, Paris! das sie über alles liebte, Paris war ihr von nun an verschlossen! Frau von Staël begab sich nach Deutschland, mußte jedoch bald, auf die Nachricht hin, daß ihr Vater sterbenskrank sei, nach Coppet zurückkehren. Sie fand den von ihr heißgeliebten, vergötterten Mann nicht mehr am Leben. Ihre Trauer und ihr Schmerz über diesen Verlust waren unbeschreiblich, und sie hielt es nicht lange in dem vereinsamten Schlosse auf, sondern unternahm eine Reise nach Italien, von der sie erst im Jahre 1805 wieder heimkehrte. Die Frucht dieser Reise war der Roman „Corinne“, mit dem sie einen ungeheuren Erfolg erzielte.

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