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Franz Schubert – Richard Heuberger

Die ehrende Aufforderung der Verlagshandlung, für die Sammlung „Berühmte Musiker” eine Biographie Franz Schuberts zu schreiben, erfüllte mich zwar mit lebhafter Freude, zugleich aber mit einiger Besorgnis. – Aus sieben Büchern ein achtes machen, d. h. lediglich aus der vorhandenen einschlägigen Literatur etwas kompilieren, was einem Buch ähnlich sah, konnte mir nicht als erstrebenswertes Ziel erscheinen. – Von einer Nachlese an Berichten über Persönliches war nicht viel zu erwarten. Was mir dennoch aufzustöbern gelang, lasse ich gern als freundliche Schickung des Finderglücks gelten. – Musste ich mich in dieser Richtung also notgedrungen an das mehr oder minder Bekannte halten, so bot sich – durch die erst vor kurzem zum Abschluss gelangte Monumentalausgabe sämtlicher Werke des großen Wiener Meisters – ein ungeheures, fast unbebautes Feld der Tätigkeit. Ist diese Ausgabe doch das gewaltige, authentische Dokument, aus dem man wirklich Neues, Merkwürdiges über das erstaunlich reiche Innenleben, das Fühlen, Denken und Schaffen, das Ringen und Werden des genialen Mannes erfahren konnte. Dass ich als Erster in die Lage kam, dieses Dokument einer Lebensbeschreibung zugrunde legen zu können, betrachte ich als einen besonders günstigen Umstand. Das daraus entspringende Verdienstliche fällt zum größten Teil auf die Veranstalter jener Ausgabe, auf die Revisoren, namentlich aber auf die Verfasser der unschätzbares Material enthaltenden Revisionsberichte zurück. Wenn nun gerade durch diese Art der Stoffbehandlung das Gesamtbild unseres Meisters – der bisher üblichen Auffassung gegenüber – wesentlich anders, um gar vieles ernster, strenger ausfiel, so ist dadurch nur ein alter Irrtum berichtigt, ein eingewurzeltes Unrecht getilgt worden. Schließlich obliegt mir die angenehme Pflicht, allen jenen meinen innigsten Dank zu sagen, die mich teils bei der Beschaffung neuer Daten, teils – durch liberale Überlassung kostbarer Originalmanuskripte, Bilder und Zeichnungen – bei Zusammenstellung des Illustrationsmateriales in ungewöhnlich liebenswürdiger, oft geradezu aufopfernder Weise gefördert und unterstützt haben. Es sind dies: die Archive und Bibliotheken der Stadt Wien und der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, Fräulein A. Assmayr, Frau Marie Baurnfeind (Wien), Herr Hofrat Dr. Ferd. Bischoff (Graz), Herr Fritz Donebauer(Prag), Ihre Exzellenz Frau Marie Dumba (Wien), Fräulein Marianne von Frech (Gmunden), Herr Regierungs-Rat Dr. C. Glossy (Wien), Frau Pauline Grabner, geborene von Sonnleithner (Graz), Herr Dr. Rob. Granitsch, Herr Dr. Erich R. von Hornbostel (Wien), Herr Robert Klinkhardt (Leipzig), Se. Hochwürden Domherr Fr. Kornheisl, Herr Eugen Miller R. von Aichholz, Frau Jenny Pachler (Wien), Frau M.


Riemerschmid, geborene Lachner (München), Se. Hochwürden Herr Pfarradministrator Rafael Riml (Hohenseibersdorf), Herr Bibliotheksdirektor Dr. A. Schlossar (Graz), der löbliche Männergesangverein „Schubertbund” (Wien), Frau Ida von Schweitzer, geborene von Kleyle (Lengefeld bei Krems), Frau Anna Siegmund, geborene Schubert, Herr Professor Dr. Ed. Spiegler (Wien), Fräulein Klot. Stadler (Graz), Herr Ed. Steinböck, Herr Professor E. Valenta, Frau Baronin M. von Voglsang, geborene Stohl (Wien), Herr Dr. H. Weis von Ostborn (Weiz). – Ein besonderes Wort des Dankes sage ich meinem Freund Dr. E. Mandyczewski. Ohne ihn, ohne seine Hilfe wäre das ganze Buch nicht zustande gekommen. Wien 1901. R. Heuberger. Vorwort zur zweiten Auflage In der vorliegenden zweiten Auflage war ich bemüht, die seit dem Erscheinen der ersten Auflage veröffentlichte Schubert-Literatur möglichst zu berücksichtigen. Manche Einzelheiten wurden infolge liebenswürdiger Anregung durch einige Schubertforscher – von denen ich besonders die Herren Otto Erich Deutsch in Graz und Dr. L. Scheibler in Bonn mit Dank nenne – richtiggestellt. Die Originale mehrerer Illustrationen sind in den letzten Jahren in andren Besitz übergegangen, was ich in den Bilder-Unterschriften zum Ausdruck brachte. Wien 1907.

R. Heuberger. Vom Vaterhaus bis wieder zum Vaterhaus Das Jahr 1797 brachte Österreich das populärste Lied und den populärsten Liederkomponisten. Am 12. Februar war Joh. Haydns Volkshymne 1 zum ersten Mal in allen Theatern Wiens abgesungen und sogleich volkstümlich geworden, kurz vorher, am 31. Januar, erblickte Franz Schubert in Wien das Licht der Welt. Er stammte aus einer Bauernfamilie, die – soweit wir sie jetzt zurückverfolgen können – in dem mährischen Örtchen Neudorf bei Altstadt (Gerichtsbezirk Altstadt, Bezirks-Hauptmannschaft Mähr. Schönberg, Pfarrfiliale Hohenseibersdorf) sesshaft war. Hier lebte Franz Schuberts Großvater, der Bauer und Ortsrichter Karl Schubert, der in einer bei seiner Trauung mit Jungfrau Susanna (geb. Möck 2 ) aus Neudorf errichteten Urkunde 3 als ein gebürtiger Neudorfer bezeichnet wird. Er starb in seinem Heimatort am 24. Dezember 1787, fünfundsechzig Jahre alt. 4 Von seinen zehn Kindern ist der am 11. Juli 1763 in Neudorf zur Welt gekommene Franz Theodor Florian Schubert der Vater unseres Meisters. Er widmete sich dem Lehrfach und zog 1784 als Schulgehilfe nach Wien zu seinem ältesten Bruder Carl, der bereits seit einiger Zeit in der Kaiserstadt lebte; 1786 wurde er Lehrer und Schulleiter an der Elementarschule in der Säulengasse in Lichtental (damals ein Vorort von Wien), bis er (1818) die Schule in der Grünen Torgasse in der Rossau (dermalen 9. Bezirk) übernahm. Am 17. Januar 1785 vermählte er sich mit der um drei Jahre älteren, aus Zuckmantel gebürtigen und in Wien als Köchin bediensteten Schlosserstochter Elisabeth Vitz. Aus dieser Ehe stammten, wie ein Familiendokument 5 meldet, vierzehn Kinder, von denen jedoch nur fünf am Leben blieben. Nach dem am 28. Mai 1812 erfolgten Tod seiner Frau Elisabeth heiratete Vater Schubert nochmals, und zwar (am 25. April 1813) eine Gumpendorfer Fabrikantentochter, die „wertgeschätzte Jungfrau Anna Kleyenböck” (geboren 1. Juni 1783), die ihn noch mit fünf Kindern beschenkte. Vater Schubert, der sich in späteren Jahren auch noch Verdienste um die Armenpflege in seinem Bezirk erwarb, stand als Schulmann in gerechtem Ansehen.

Der Besuch seiner Schule muss ein zahlreicher gewesen sein; er hielt zu Zeiten sechs Schulgehilfen und verdiente – da die Lehrer ehedem zwar keinen Gehalt, dafür aber freie Wohnung und das Schulgeld von 1 Gulden Wiener Währung pro Kopf und Monat bekamen – immerhin so viel, um nicht nur seine zahlreiche Familie erhalten, seine Kinder gut erziehen, sondern sich auch noch etwas ersparen zu können. Kaufte er sich doch gemeinschaftlich mit seiner Frau Elisabeth 1801 das noch bestehende Haus „Zum schwarzen Rössel” am Sporkenbichl (jetzt 9. Bezirk, Säulengasse 3). 6 Zur Zeit, da dem Schullehrer Schubert sein nachmals so berühmter Sohn geboren wurde, hauste er in dem unweit der Schule gelegenen, noch bestehenden, aber jetzt teilweise umgebauten Haus „Zum roten Krebs” in der Nussdorferstraße (neu No. 54, am 7. Oktober 1858 mit einer vom Wiener Männergesangvereine gestifteten Gedenktafel versehen). Hier wuchs der aufgeweckte Knabe im häuslichen Kreis 7 heran. Schon im zartesten Alter zeigte er auffallende Vorliebe für Musik und machte sich gerne an dem alten Klavier im Elternhaus oder an den Instrumenten in einer Klavier-Werkstätte zu schaffen, wohin ihn ein Verwandter, ein Tischlergehilfe, zuweilen mitnahm. – Der Vater, dem die ungewöhnlichen Anlagen seines Sohnes nicht entgingen, leitete selbst den ersten Unterricht. „In seinem fünften Jahre bereitete ich ihn zum Elementarunterricht vor, und in seinem sechsten Jahre ließ ich ihn die Schule besuchen, wo er sich immer als der erste seiner Mitschüler auszeichnete. Schon in seiner frühesten Jugend liebte er die Gesellschaft, und niemals war er fröhlicher, als wenn er seine freien Stunden in dem Kreise munterer Kameraden zubringen konnte. In seinem achten Jahre brachte ich ihm die nötigen Vorkenntnisse zum Violinspiel bei und übte ihn soweit, bis er imstande war, leichte Duetten ziemlich gut zu spielen”, sagt Vater Schubert in seinen Aufzeichnungen. Ignaz, der älteste der Brüder, unterrichtete Franz im Klavierspiel. Bald aber bestand der Knabe darauf, sich ohne Lehrer forthelfen zu wollen, worauf Ignaz einging, da er Franz schon nach kurzer Zeit als einen ihn „übertreffenden und nicht mehr einzuholenden Meister anerkennen musste.” Nun wurde Franz zu Michael Holzer 8 (Dirigent des Lichtentaler Kirchenchors) „in die Singstunde” geschickt. Der tüchtige Holzer unterwies den lernbegierigen Knaben im Klavier- und Orgelspiel sowie im Generalbass. Zu eigentlichem gründlichen Unterricht scheint es nicht gekommen zu sein. Der Lehrer war wohl mehr ein geschickter Praktikus und fand sich bald in der Lage, eingestehen zu müssen, dass er dem Kleinen nichts mehr beibringen könne. Schubert selbst scheint die durch Holzer empfangenen Anregungen auch späterhin keineswegs geringgeschätzt zu haben. Er blieb stets in lebhaftem Verkehr mit seinem alten Lehrer, und widmete ihm auch eine seiner Messen, diejenige in C-Dur, (Gesamt-Ausgabe von Breitkopf & Härtel, Serie XIII, No. 4). Jedenfalls hat der zukünftige große Meister durch seinen frühzeitigen Verkehr mit der praktischen Musikübung gerade im Holzerschen Kirchenchor (zu dessen ständigen Besuchern er von 1805-1808 gehörte) gar viel und Wichtiges gelernt. Als Knabe sang er da Soli oder spielte Violine, Viola oder Orgel, und bekam so einen Einblick in jenen Umwandlungsakt, der aus der Partitur erst ein lebendiges Kunstwerk entstehen lässt. Hier saugte sein musikdurstiges Ohr auch den Klang der Instrumente und der Menschenstimmen in allen Lagen, sowohl einzeln, als in ihren Gegenüberstellungen ein. Hier machte er späterhin mit seinen Messen, deren mehrere ihre ersten Aufführungen ebenfalls auf dem Chor der Lichtentaler Kirche erlebten, seine wichtigsten und für sein weiteres eigentümliches Schaffen entscheidensten Erfahrungen.

So ist die Entwicklung von Schuberts merkwürdiger und noch immer nicht genügend bewunderter Instrumentationskunst mit der Vorstadtkirche in Lichtental und deren wackeren Chorregenten für immer aufs Innigste verknüpft.

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