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Fielding und Smollett – Walter Scott

Unter allen Werken der Phantasie, welche der englische Genius erzeugt hat, sind Fielding’s Romane vielleicht am meisten dessen entschiedenes und ausschließendes Eigenthum. Sie sind nicht nur in des Wortes eigentlichem Sinne und Geiste ganz unübersetzbar, sondern wir möchten sogar bezweifeln, ob sie von denjenigen Bewohnern Schottlands und Irlands, die mit den geistigen Eigenheiten und den Sitten Alt Englands nicht vertraut bekannt sind, auch nur völlig verstanden, oder ganz genossen werden könnten. Pfarrer Adams, Towwouse, [Im Josef Andrews.] Partridge, und vor allem Junker Western, [Beide im Tom Jones.] sind so durchaus England eigene Wesen, daß sie in andern Ländern unbekannt sind. Ja selbst diejenigen handelnden Personen, deren Gemüthsart allgemeinere Züge hat, wie Allworthy, Frau Miller, Tom Jones selber, haben eben denselben volkthümlichen Zuschnitt, welcher nicht wenig beiträgt, der Erzählung Wahrscheinlichkeit zu geben. Die Personen in der Geschichte leben in England, reifen in England, zanken und fechten in England, und es ereignet sich kaum ein Vorfall, den nicht etwas auszeichnete, das sich nicht wohl in irgend einem andern Lande hätte zu tragen können. Diese Volkthümlichkeit mag darin ihren Grund haben, daß der Verfasser in verschiedenen Lebenszeiten einen genauen Verkehr mit allen Volksklassen in England hatte, aus welchen er, unnachahmlich in feiner Auswahl und lebendiger Schilderung, zur Ergetzung seiner Leser Bildnisse aufgegriffen hat. Fielding war, wie viele andre geistreiche Menschen, unglücklich, und sein Leben ein Leben voll. Unbesonnenheit und Unstetigkeit; aber eben dadurch, daß er aus dem höheren gesellschaftlichen Gebiete, das seine Herkunft ihm angewiesen, zu der niedrigsten und gemischtesten Gesellschaft überging, erlangte er jene ausgebreitete Bekanntschaft mit der englischen Sinnesart unter allen Ständen und in allen Verhältnissen, welche ihn als einen Makler volkthümlicher Sitten unsterblich gemacht hat. Heinrich Fielding, geboren am 22. April, 1707, war von edlem Stamme, der dritte Sohn des Generals Edmund Fielding, der gleichfalls der dritte Sohn von Johann Fielding war, wie dieser der fünfte Sohn des Grafen Wilhelm von Denbigh, welcher 1655 starb. Unser Verfasser war ein naher Verwandter des herzoglichen Hauses Kingston, das eine glänzendere Zierde, als Rang und Würden verleihen konnten, in dem Geiste und der Schönheit der berühmten Marie Wortley Montague besaß. Fieldings Mutter, die erste Gemahlinn seines Vaters, war eine Tochter des Richters Gold, und Heinrich der einzige Sohn aus dieser Ehe, aber er hatte vier leibliche Schwestern, von welchen die dritte, Sara, als Verfasserinn des Romans David Simple, und andrer Versuche, sich bekannt machte. General Fielding schritt nach dem Tode seiner Frau zur zweiten Ehe, und zeugte noch mehre Kinder. Der Aufwand, den die Unterhaltung einer so zahlreichen Familie einem Manne kostete, dem überdieß eine leichtsinnige Sorglosigkeit eigen war, mag wohl Ursache gewesen sein, daß Heinrich früh in jene ungewisse Lage geworfen ward, womit er, kurze Zwischenzeiten abgerechnet, sein ganzes Leben hindurch zu kämpfen hatte. Er empfing den ersten Unterricht von dem Geistlichen, Oliver, von welchem er die Grundzüge zu einer Schilderung des Pfarrers Trulliber [In Josef Andrews.] entlehnt haben soll. Späterhin kam er auf die Schule zu Eton, wo er jene innige Liebe zu der klassischen Gelehrsamkeit einsog, wovon man in allen seinen Schriften Spuren findet. Sein Vater, der ihn zum Rechtsgelehrten bestimmte, schickte ihn von Eton nach Leyden, und hier soll Fielding sich mit Eifer der Rechtswissenschaft gewidmet haben. Wäre er diesen regelmäßigen gelehrten Beschäftigungen treu geblieben, so würden die Gerichtshöfe wahrscheinlich einen Sachwalter gewonnen, und die Welt würde einen schöpferischen Geist verloren haben; die Vermögensumstände des Generals aber bewirkten eine Veränderung zum Vortheile der Nachwelt, wiewohl vielleicht zum Schaden seines Sohnes. Die Wechsel blieben aus, und der junge Mann war genöthigt, in seinem zwanzigsten Lebensjahre heimzukehren, und stürzte sich nun in alle Zerstreuungen Londons, ohne daß ihm ein Warner zur Seite gestanden, oder ein Freund ihm hilfreich geworden wäre. Der General versprach ihm zwar eine jährliche Beihülfe von zweihundert Pfund; aber, wie Fielding zu sagen pflegte, bezahlen mochte das Geld, wer Lust hatte. Fügt man hinzu, daß Fielding schlank, hübsch und wohl gebaut war, ein ausdruckvolles Gesicht, eine ungewöhnlich rüstige Körperkraft, einen lebhaften Hang zu frohem Lebensgenusse besaß, und daß es in seiner Macht stand, den gegenwärtigen Augenblick zu genießen und auf die Gunst der Zukunft zu bauen; so läßt sich ermessen, wie weit er in seiner Unbesonnenheit ging und wie viele Leiden er sich bereitete. Frau Wortley Montague, seine Verwandte, die früh mit ihm bekannt war, hat seine Sinnesart und deren Folgen mit wenigen Zügen geschildert, und wer möchte selber sprechen, wo sie Worte leiht.


„Ich beklage Fielding’s Tod, sagte sie in einem ihrer Briefe, als sie die Trauernachricht erfahren hatte: nicht nur, weil ich nichts mehr von ihm lesen soll, sondern weil auch, wie ich glaube, er mehr als Andre verliert; denn Niemand genoß das Leben so sehr, als er, obgleich Wenige minder Veranlassung dazu hatten, da er nie zu einem höheren Berufe befördert ward, als in den niedrigsten Pfützen des Lasters und des Elends herumzusuchen … Bei seiner trefflichen Leibesbeschaffenheit, selbst als er sie zur Hälfte untergraben hatte, konnte er jedes Uebel vergessen, wenn er vor einer Wildpretpastete, oder über einer Flasche Champagner saß, und ich glaube, er hat mehr glückliche Augenblicke gehabt, als kein Fürst auf Erden. Seine angeborne Seelenstimmung setzte ihn in Entzücken, wenn seine Köchinn ihn versorgte, und gab ihm Frohsinn, wenn er in einer Dachstube hungerte. Er hatte in seiner Gemüthsart viel Aehnlichkeit mit Richard Steele, wiewohl er diesem, meines Bedünkens, an Gelehrsamkeit, wie an schöpferischem Geiste, überlegen war. Beiden fehlte es an Gelde, was auch alle ihre Freunde für sie thun mochten, und es würde ihnen daran gefehlt haben, wenn auch ihre ererbten Ländereien so umfassend gewesen wären, als ihre Phantasie, aber beide waren ganz für Lebensglück geschaffen, und man muß bedauern, daß sie nicht unsterblich waren.“ Für einen Lebemann waren Hilfsmittel nöthig, und Fielding fand sie in seiner Feder, da er, wie er zu sagen pflegte, keine andre Wahl hatte, als ein Lohnschreiber, oder ein Lohnkutscher zu sein. Er beschäftigte sich Anfangs, für die Bühne zu schreiben, die zu jener Zeit, wo Wycherley, Congreve, Vanbrugh und Farquhar ihre Geistesgaben ihr widmeten, in hohem Ansehen stand. Fielding’s Lustspiele und Possen wurden in rascher Aufeinanderfolge auf die Bretter gebracht, und ein Schauspiel nach dem andern, bis zur Zahl von achtzehn, sank oder schwamm auf dem Bühnenmeere in den Jahren 1727 bis 1735. Keines von diesen Stücken ist heutiges Tages noch bekannt oder gelesen, als das burleske Trauerspiel: Däumchen, (Tom Thumb) das übersetzte Schauspiel: Der Geizige, und die beiden Possen: Der falsche Arzt und das ränkevolle Kammermädchen, und doch sind sie die Erzeugnisse eines Schriftstellers, der in dem verwandten Gebiete der Erzählung durch Reichthum an Erfindung und durch Charakterschilderung so einzig war. [Ueberhaupt nennt W. Scott im Anhange zu dieser Denkschrift folgende 28 dramatische Arbeiten, deren Titel für den Literaturfreund auch hier eine Stelle finden mögen: Love in several masques, a Comedy in 3 acts. — The Temple bean, a Comedy im five acts, — The author’s farce, with a puppet-show, called the pleasures of the town, in 3 acts. — The Cof ee-house politician, or the justice caught in his own trap, a Comedy in 5 acts. — The tragedy of Tragedies, or the life and death of Tom Thumb the great, with annotations, in 5 acts. — The letter-writers, or a new way to keep a wife at home, a Farce. — The Lottery, a Farce. — The Grubstreet-Opera, a Farce — The modern husband, a play in 5 acts. – The Mock-Doctor, or the dumb Lady cured a Ballad-Farce. — The Coventgarden-Tragedy, a Bur1esque. — The Miser, a Farce. — The Debauchees, or the Jesuit caught, a Farce. — The intriguing Chambermaid, a Ballad-Farce in 2 acts. — Don Quixotte in England. — The old man taught wisdom, or the virgin unmasked, a Farce. — The universal galant, or the dif erent husbands, a Comedy in 5 acts — Pasquin, a dramatic Satire on the times, being tho rehearsal of two plays. — The historical Register for 1736.

— Eurydice, a Farce. — Eurydice hiss’d or, a Word to the wise. — Tumble-down Dick, or Phaeton in the suds. — Miss Lucy in Town, a sequel to the virgin unmasked, a Farce. — Plutus, the God of Riches, translated, from the greek of Aristophanes. — The wedding day, a Comedy in 6 acts. — An interlude between Jupiter, Juno, Apollo and Mercury. — The Fathers, or the good-natured man, a Comedy in 5 acts. — A Dialogue between Alexander the Great and Diogenes the Cynic.] Fielding, ohne Zweifel der erste britische Romanendichter, muß also zu Le Sage und mehren Andern gezählt werden, welche in der Erzählung ausgezeichnet, in ihren dramatischen Versuchen ganz unglücklich waren, oder doch weit unter jenem Grade von Trefflichkeit blieben, den man früher von ihnen hätte erwarten können. Es ist nicht leicht, einen wahrscheinlichen Grund für ein Mißlingen zu finden, welches sich in zu vielen Fällen zeigte, als daß es bloß Wirkung des Zufalles hätte sein können, zumahl da man a priori denken könnte, daß dieselben Geistesgaben für beide schriftstellerische Bestrebungen erforderlich wären.

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