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Ernst Moritz Arndt – Eduard Langenberg

Die Herausgabe dieser Biographie Arndt’s hat darin ihren Grund, daß bisher kein Werk über ihn erschienen ist, welches neben dem fortlaufenden Lebensbilde zugleich seine reiche literarische Thätigkeit berücksichtigt, in der nach Garve ein Autor am allertreuesten sich selbst schildert. Ich habe in den biographischen Mittheilungen Alles zu vereinigen gesucht, was ich in den Schriften Arndt’s und anderwärts gefunden und erfahren, und glaube nichts Wesentliches vergessen zu haben, wiewohl ich mich natürlicher Weise oft beschränken mußte, um nicht gar zu vielen Raum in Anspruch zu nehmen. Wenngleich Arndt’s Gedichte in diesem Werke einen besondern Abschnitt bilden, so mußte ich doch in dem biographischen Theile des Verständnisses wegen Einzelnes daraus hervorheben, um dadurch einen psychologischen Blick in Arndt’s Leben zu gewinnen und zu erleichtern. Es war mein besonderer Zweck, sowohl in der Biographie als in den Referaten über die Schriften, mich Arndt’s kernhafter und origineller Worte so viel als möglich zu bedienen. Die etwaigen wörtlichen Mittheilungen tragen allerdings den Stempel subjectiver Auffassung, aber ich glaube die Versicherung geben zu dürfen, daß wenn Jemand eine andere charakteristische Auswahl träfe, es würde doch derselbe Arndt nach Ton und Inhalt hervortreten. „Es sind keine tiefen Speculationen, die Arndt vorbringt,“ sagt Häusser in seiner deutschen Geschichte 1863, „sondern schlichte, kernhafte Wahrheiten von einem rüstigen, frischen Geist sachgemäß und lebendig vorgetragen; er sucht dabei nicht den Ruhm und den Zierrath eines ordentlichen Kunstwerkes, sondern er wendet sich mit der schlichten, eindringlichen Beredsamkeit eines biedern und rechtschaffenen Mannes an den Verstand und an das Herz seines Volkes, dessen Dienst sein Leben gewidmet war.“ Die Schriften Arndt’s gehen in diesem Werke in ihrer Zeitfolge mit der Biographie parallel und dienen dadurch einander zur Ergänzung. Des Urtheils über das Eine und Andere habe ich mich enthalten. Das mögen Andere thun, und haben es genug gethan. Mir galt es: einerseits um eine charaktertreue Biographie, und andrerseits um einen erfrischenden Einblick in die Schriften Arndt’s. Sollte mir dieses einigermaßen gelungen sein, so bin ich für meine Thätigkeit reichlich belohnt. Bonn, 18. Juni 1865. E. Langenberg. Einleitung. Da erhebt sich nun am linken User des Rheines, aus dem bekannten „alten Zoll“ in Bonn, das eherne Standbild Arndt’s. Zur Errichtung desselben haben nicht allein deutsche Gaue bereitwilligst und mit Freuden ihre Gabe dargebracht, sondern alle Länder Europas, ja der ganzen Erde, wo „deutsche Zungen klingen“. Es ist daher ein National-Monument, von Deutschlands Söhnen einem seiner Lieblinge, der sein Stolz, sein Wohlthäter, sein Lehrer, ja sein Mahner und sein „Gewissen“ war und ist, aus Dankbarkeit, Verehrung und Liebe errichtet. Möge das Bild des ehernen „deutschen Wächters am Rhein“ jedem Beschauer Arndt’s Worte zurufen: Nun brause fröhlich, Rhein, Nie soll ob meinem Hort Ein Wälscher Wächter sein! Das brause fort und fort. In Arndt tritt uns, wenn wir so sagen dürfen, eine verkörperte Idee entgegen. Es ist die Idee: „eines einigen freien Deutschlands.“ Diese Idee zieht sich durch sein ganzes Leben, vom Mannesalter (1806) bis zum höchsten Greisesalter (1859), und nicht Arndt hatte diese Idee, sondern die Idee hatte ihn. Für sie hat er geschrieben, geredet, gesungen, gestritten und gelitten, ja sein Leben eingesetzt, und es ist uns schier unmöglich, an ihn zu denken, von ihm zu sprechen, ohne an Vaterland, an Freiheit, Ehre und Einigkeit desselben zu denken; aber eben so unmöglich ist auch das Gegentheil; denn Arndt ist durch und durch ein ächt deutscher Mann, ein Repräsentant des deutschen Volkes, dem „deutsche Freiheit, deutscher Gott, deutscher Glaube, deutsches Herz und deutscher Stahl allzumal vier Helden sind.“ Darum hat ihm auch Deutschland den Ehrennamen „Vater“ Arndt gegeben, den Keiner vor ihm gehabt hat.


In Arndt tritt uns zugleich ein geschworner Feind des Napoleonismus entgegen. Um aber diesen zur Leidenschaft gewordenen Haß gegen das Wälsche, wie er es nannte, gehörig zu würdigen, muß man sich der Zeiten von 1806 bis 1815 erinnern, in welchen derselbe, verbunden mit einem hohen patriotischen Selbstgefühl ein Charakterzug deutscher Männer und Frauen war. Der Napoleonismus sitzt wieder auf dem Thron und lugt nach Deutschlands Strom, dem Rheine und seinen herrlichen Gauen, und so ist es wohl an der Zeit, sich dieses hundertfach verdienten Hasses zu erinnern. Wer weiß, was in der Zukunft dunkelm Hintergrunde schlummert und wozu es gut ist. Das eherne Denkmal am Rheine möchte, wie einst der Mann im Leben, den Franzosenhaß auf sich laden und — zerstört werden. An uns wäre es alsdann den Fehdehandschuh, welchen Arndt in seinem Werke: „Geist der Zeit“ hinwarf, von Neuem hinzuwerfen, zum Trotz „allen Schurken und Käuzen“. An uns wäre es alsdann insbesondere, Angesichts des Denkmals an den Ufern des Rheines, des „heiligen germanischen Stromes“, das von Arndt mit der größten Begeisterung geschriebene Werk: „Der Rhein, Deutschlands Strom, aber nicht Deutschlands Grenze,“ nicht nur einzuprägen, sondern endlich zur vollen Wahrheit zu machen, und mit Arndt zu singen: „Für unsern Rhein frisch über’n Rhein,“ und die „lang gestundete Schuld“ einzufordern. In Arndt tritt uns aber auch eine durch und durch poetische Natur entgegen. Diese Natur, Anfangs mit Liebe und Freude, Schmerz und Sehnsucht ec. spielend, aber doch einen freien Sinn und eine freie Weltanschauung offenbarend, brach erst in vollem Glanze hervor, als unser Vaterland erniedrigt, geknechtet und gefesselt war. Da, ergriffen von der Schmach der Zeit, ist die rechte Dichterweihe über ihn gekommen; da erst hat er seine Lebensaufgabe ganz erkannt. Glühender Haß gegen die Feinde; glühende Liebe für das Vaterland; gerechter Zorn über die Duldung des fremden Jochs; höchste Freude über die endliche Erhebung des Volkes; frommer Dank nach vollendetem Siege; fester Glaube an das Kommen eines deutschen Frühlings — das Alles hat er in seinen Vaterlandsliedern, die schnell mit den trefflichsten Melodien versehen wurden, niedergelegt. Wohl ist es wahr, Arndt steht unter den Freiheits- und Vaterlandssängern der damaligen Zeit nicht allein — wir erinnern an Körner, Schenkendorf — aber die Palme gebührt ihm. Seine Lieder waren einem zweischneidigen Schwerdte gleich. So lange man der damaligen großen und ernsten Zeiten nicht vergessen wird — und wer könnte es? — so lange wird man auch des deutschen Kämpfers und Sängers nicht vergessen, der zugleich der Dichter unseres einzigen Nationalliedes vom „deutschen Vaterland“ geworden ist. In Arndt tritt uns endlich auch ein rechter Mensch — ein ganzer Mensch, ein Charaktermensch entgegen. Schlicht und einfach in seiner äußeren Erscheinung, ohne Prunk und Schein, treu und wahr im Leben und Reden, Feind alles schmeichelnden, heuchelnden und lügnerischen Wesens — heiter und fröhlich im Umgange, voll Liebe gegen seine Mitmenschen, sittlich streng und unzugänglich für das Schlechte — so hat er unter uns gewandelt, so kannten ihn Alle, die mit ihm verkehrt haben. Der Grund dieser hohen menschlichen Tugenden war seine Frömmigkeit, sein Glaube an Gott und an Jesum Christum, voll kindlicher Einfalt. Diese kindliche Gottesfurcht, verbunden mit einem unerschütterlichen Gottvertrauen haben ihn in seinem schweren Leiden aufrecht erhalten, tapfer gemacht, gehoben und getragen, ihn geistig frisch bewahrt, und zu einem christlichen Sänger gebildet, so daß wir in seinen geistlichen Liedern nicht wenige Anklänge von Paul Gerhard und Georg Neumark finden. Das Leben und die Werke dieses ächt deutschen Mannes, Kämpfers, Sängers und Schriftstellers in möglichst einfacher aber dennoch umfassender Weise darzustellen, das ist der Zweck dieser Schrift.

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