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Biographisches Denkmal Risbecks – Johann Pezzl

In den ersten Tagen des Monats Februar 1786, starb in dem, zum Kanton Bern gehörigen, Städtchen Arau, in der Schweitz, Herr Kaspar Risbeck [So schrieb er selbst seinen Namen, nicht Riesbeck, wie er in Meusels gelehrtem Deutschland steht.], Verfasser der Briefe eines reisenden Franzosen, und verschiedener anderer Schriften. [Der vollständige Titel dieses Buchs ist: Briefe eines reisenden Franzosen, über Deutschland, an seinen Bruder zu Paris. Von K. (Kaspar) R. (Riesbeck.) MDCCLXXXIII 2 Bände. 8. Ohne Druckort (Zürich bei Orell, Geßner, Füßli, und Kompagnie.) Zweyte Vermehrte und verbesserte Auflage. 1784.] Unter den litterarischen Produkten des Jahrs 1783 haben wenige so viel Aufsehn und lärmen gemacht; sind so allgemein durch ganz Deutschland gelesen, und so verschieden aufgenommen und beurtheilt worden, wie die Briefe des reisenden Franzosen. Da diese Briefe, und einige andere Schriften Risbeck’s, ihm keinen unrühmlichen Platz unter den Schriftstellern Deutschlands erworben haben: so wird dem lesenden Publikum die Lebensgeschichte dieses Mannes, wie ich hoffe, nicht ganz unwillkommen sein. Schwerlich ist jemand mit den Schicksalen Risbeck’s so bekannt, wie ich: darum wag ich es, durch eine kurze Lebensbeschreibung sein Andenken der gänzlichen Vergessenheit zu entreißen. Kaspar Risbeck ward in der zwischen Frankfurt und Maynz gelegenen Kur-Maynzischen Stadt Höchst geboren. Sein Vater war ein ziemlich wohlhabender Mann, der eine kleine Manufaktur von leinenen Schnupftüchern und dergleichen Waaren hatte. Risbeck war der einzige Sohn seiner Aeltern; seine ebenfalls einzige Schwester ist in Höchst verheirathet. Das Jahr seiner Geburt kann ich nicht genau angeben. Ich vermuthe aber, es sey das Jahr 1749 oder 1750. Denn er erzählte mir manchmal, daß er sich noch sehr wohl erinnerte, wie er nebst vielen andern Leuten von den Dächern von Höchst der Bataille zusah, welche am 14. April 1759 zwischen den Franzosen und Hannoveranern bei dem Dorf Bergen, nahe an Frankfurt, vorfiel; wie man die Kanonade hörte, die Rauchwolken in der Ferne aufsteigen sah; und wie alle halbe Stunden ein Kurrier durch Höchst sprengte, um dem Kurfürsten von Maynz Rapport zu bringen, wie es mit der Bataille stünde. Folglich muß Risbeck dazumal doch schon 8 bis 9 Jahr alt gewesen sein. Risbeck hatte einen ausserordentlich fähigen, offenen Kopf, und ein äusserst lebhaftes Temperament. Er studierte in Maynz; sollte, nach dem gewöhnlichen Schicksal der bessern Köpfe im katholischen Deutschland, ein Geistlicher werden, bezeugte aber dazu keine Lust; studierte deswegen Jura in Maynz, und eine kurze Zeit auch in Gießen. Während dieser seiner Studierjahre, und besonders in den Herbstferien durchwanderte er alle benachbarte Gegenden seines Vaterlandes; den Rhein hinauf bis Straßburg, und hinunter bis Rotterdam.


Auf diesen Wanderungen hatte ihm sein junger, hitziger Brausekopf verschiedene, zum Theil auch unangenehme, Abentheuer, besonders in Köln eines, zugezogen. Die Korrespondenten seines Vaters brachten aber die Sache allemal ins Geleise, und spedirten ihn wohlbehalten wieder nach Hause. Gegen das Ende von Risbecks Studier-Jahren fieng sich in Deutschland die Epoche des Geniewesens, und jener borstigen, ungekämmten, kraftgefühlvollen Kalibanen an, welche die eisernen Fesseln der Regel zermalmten, bloß mit der Matrone Natur buhlten, und im Rausch der wildesten Gährung jene Mißgeburten zeugten, die unter dem Namen Göz von Berlichingen, der Hofmeister, Sturm und Drang, die Kindermörderin, Prometheus Deukalion und seine Rezensenten auf den Bühnen und in den Buchläden spukten, nun aber glücklicher Weise meist wieder vergessen sind. Der Zufall hatte die Väter jener Geniekinder in die Nachbarschaft von Höchst versezt; und so machte Risbeck persönliche Bekanntschaft mit Wolfgang Göthe, Max Klinger, Johann Michael Lenz, und Heinrich Leopold Wagner. Sein empfänglicher Kopf konnte sich der nahen Glut unmöglich erwehren, fieng ebenfalls Feuer; und so schwärmte er einige Zeit in Frankfurt, Hanau, Darmstadt ec. ec. herum, machte Balladen, Mord- und Gespenster-Geschichten, und trieb Geniewesen. Man weiß, daß es einer der ersten Glaubensartikel in der Liturgie jener Genies war, alle bürgerlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse, alle ordentlichen Beschäftigungen und Aemter zu vermaledeien. Ihre Schwungkraft vertrug keine politischen Fessel, keine Amtspflichten, keinen gefühllosen mechanischen Dienst, der seinen Mann ehrlich und rechtlich nährte: sie flohen und schimpften diese Lebensart. Bei Risbecken muß dieser hohe Paroxismus doch nicht sehr lange in seiner ganzen Stärke angehalten haben, ob er ihm schon eine Falte eindrückte, die er sein ganzes Leben hindurch nie wieder ganz zu verwischen vermochte. Er gieng nach Maynz, und fieng an, sich durch Praxis zu einem ordentlichen Civildienst brauchbar zu machen. Seine Talente machten, daß er sich die Bekanntschaft und Protektion der beiden damaligen Maynzischen Minister, der Barone Grosschlag und Benzl, erwarb. Ohne Zweifel würde er bald einen guten Posten erhalten haben, wenn nicht kurz darauf der unvergeßliche Kurfürst Emerich Joseph gestorben, und jene beiden Minister, wie bekannt, dadurch ausser Aktivität gesezt worden wären. Daß Risbeck jemals wirklich bei der Maynzischen Schulenkommißion angestellt gewesen sey, wie in einigen litterarischen Journalen stand, ist ein Irrthum. Indessen hatte er schon seit einiger Zeit seine beiden Aeltern verloren. Er lebte nur von seinem Erbgute, hielt sich abwechselnd in Maynz, Höchst, und Frankfurt auf; und wohnte einige Zeit mit dem Engländer Ibbekken, der unter dem Namen Tompson als englischer Sprachlehrer und deutscher Theater?-Dichter bekannt ist, zusammen. Im Jahr 1775 befand sich Risbeck während des Karnavals auf einem Ball in Maynz. Er hatte ein schönes Frauenzimmer bei sich. Der Domherr ***, welcher ein eben so grosser Meister und Dilettante in der Kunst der Inokulation der Liebe seyn mag, wie sein vom launigen Thümel besungener Kollege, gab zu einer Scene Anlaß, in der Risbecks Temperamentshitze und Eifersucht bis zur derben Thätlichkeit gegen den Domherrn ausbrach. Dieser Auftritt brachte Risbecken in eine unangenehme Lage, und zwang ihn, Maynz zu verlassen. Er gieng sogleich in den ersten Wochen der Fastenzeit über Nürnberg und Regensburg nach Wien. Sein erster Anschlag war, sich unter seinen dortigen Landsleuten Freunde zu machen, und sich um eine Stelle bei der Reichshofrathskanzlei zu bewerben. Ob dieses Bemühn mißlang; oder, ob er von selbst jenen Gedanken wieder aufgab, kann ich nicht ganz zuverläßig sagen. Wahrscheinlicher ist das leztere; denn es hieng ihm noch aus der Genie-Epoche an, jeder Lebensart, mit welcher einiger Zwang und Mechanismus in der Arbeit verbunden war, soviel möglich, auszuweichen. Nachdem er einige Zeit in Wien privatisirt, schwur er endlich zumAltar Thaliens, und bestieg unter der Direktion des Hrn.

Moll das Theater an dem Kärnthnerthor. Er spielte in Komödien, Tragödien, und Pantomimen: seine Rollen waren Könige, Prinzen, Minister, Liebhaber. In diesem Zirkel gewann er eine allgemeine Kenntniß der komischen Welt, und aller jener Kniffe, Kabalen, Schwänke des Handwerksneides, der Kulissenkriege; kurz, aller jener lächerlichen Armseligkeiten, die jeden Theater-Staat in seiner innern Verfassung beunruhigen. Auch schrieb er nun für die Bühne; bearbeitete ein paar englische Stücke für das deutsche Theater, so wie er auch ein paar Singspiele aus dem Französischen für eben diesen Gebrauch zuschnitt. Auf dem Theater selbst hab ich Risbecken nicht gesehn; aber nach der Art zu urtheilen, wie er mir manchmal einzelne Stellen auf seiner Stube vordeklamirte, muß er im komischen Fach kein schlechter Schauspieler gewesen seyn. In dieser Gesellschaft machte er die Bekanntschaft eines Schauspielers, der unter dem angenommenen Namen Starke bei einigen wandernden Gesellschaften eine Zeitlang bekannt war. Dieser Mann hieß eigentlich A—k, war aus einer guten Familie aus Hamburg, und durch verschiedne Schicksale auf das Theater gerathen. Er hatte schöne Kenntnisse, war den grösten Theil von Deutschland durchreist, trieb neben dem Theaterwesen als seine Lieblingssache politische Kannegießerei, und erweckte dadurch in Risbecken ebenfalls eine Neigung zum statischen und politischen Studium

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