| Books | Libros | Livres | Bücher | Kitaplar | Livros |

Benjamin Franklin’s Jugendjahre – Benjamin Franklin

Ich habe mir das Vergnügen gemacht, einige kleine Anecdoten von unserer Familie zu sammeln. Du wirst dich wohl noch der Nachforschungen erinnern, die ich unter den mir noch übrigen Verwandten, als wir zusammen in England waren, anstellte, so wie auch der Reise, die ich deshalb unternahm. Vermuthlich ist es dir eben so angenehm, als mir, alle Umstände meiner Herkunft und meines Lebens zu kennen, von welchen dir ein großer Theil noch unbekannt ist. Ich will sie für dich niederschreiben; und die ungestörte Muße einer Woche darauf verwenden, welche mir mein gegenwärtiger Aufenthalt auf dem Lande verspricht. Außerdem werde ich auch noch durch andere ziemlich triftige Gründe dazu veranlaßt. Aus dem Schooße der Armuth und der Dunkelheit, worin ich geboren wurde, und die Jahre meiner Jugend verlebte, stieg ich in einen Zustand des Ueberflusses, und auf eine ziemlich hohe Stufe des Ruhmes in der Welt empor. Das Glück blieb bis in mein hohes Alter mein unzertrennlicher Begleiter. Vielleicht wünschen meine Nachkommen die Mittel zu wissen, die ich anwandte, und welche, Dank sey der helfenden Vorsehung, so gut anschlugen. Sie können ihnen einigen Nutzen gewähren, wenn sie sich jemals in ähnlichen Lagen befinden sollten. Dieses Glück, wenn ich, wie öfters geschah, darüber nachdachte, veranlaßte mich bisweilen zu sagen: wenn es mir angeboten würde, so wollte ich wohl eben dieselbe Lebensbahn noch einmal von einem Ende bis zum andern durchlaufen. Ich würde mir nur das Recht der Schriftsteller ausbedingen, bey einer neuen Ausgabe ihrer Werke die Fehler der ersten zu verbessern. Allenfalls möchte ich auch wohl einige kleine Zufälle und Begebenheiten meines Lebens gegen günstigere vertauschen. Indessen wenn mir auch dieser Punct verweigert würde, so wäre ich nichts desto weniger bereit, wieder von vorn anzufangen. Weil man nun aber das Leben selbst nicht wiederholen kann, so muß man thun, was diesem am nächsten kommt; man muß seine Begebenheiten ins Gedächtniß zurückrufen, und damit das Andenken desto dauerhafter sey, dieselben niederschreiben. Bey diesem Geschäfte werde ich dem natürlichen Hange der Greise, von sich selbst und ihren eigenen Handlungen zu reden, nachgeben, und mich diesem um so williger überlassen, je weniger ich dadurch denen beschwerlich falle, die sich etwa aus Ehrfurcht für mein Alter verpflichtet halten könnten, mich anzuhören. Denn zu lesen brauchen sie mich doch nicht, wenn sie nicht selbst wollen. Endlich geschieht dadurch auch meiner Eitelkeit vielleicht Genüge, welches ich lieber freywillig bekenne, da mir, wenn ich es leugnete, doch Niemand glauben würde. Denn fast nie hörte oder las ich die Einleitungsphrasen: Ohne Eitelkeit kann ich sagen u. s. w. ohne daß irgend ein Zug der entschiedensten Eitelkeit unmittelbar nachgefolgt wäre. Die meisten Menschen hassen die Eitelkeit an Andern, so viel ihnen auch immer selbst davon zu Theile geworden seyn mag. Was aber mich betrifft, so ist sie mir überall willkommen, wo ich sie finde, weil ich überzeugt bin, daß sie so wohl ihrem Besitzer als auch denen vortheilhaft ist, welche sich in seinem Wirkungskreise befinden. Es würde daher in gar manchen Fällen eben nicht widersinnig seyn, wenn ein Mensch seine Eitelkeit zu den übrigen Annehmlichkeiten seines Lebens mitzählte, und der Vorsehung Dank dafür sagte. Hier ist der Ort, wo ich in aller Demuth bekennen muß, daß ich eben dieser göttlichen Vorsehung das Glück verdanke, welches ich bis hieher genossen habe.


Sie allein hat mir die Mittel dargeboten, welche ich angewendet habe, und hat sie mir gelingen lassen. Mein Glaube in diesem Stücke läßt mich wenigstens hoffen, wenn ich auch nicht mit Gewißheit darauf rechnen kann, daß der Himmel seine Güte auch noch ferner an mir beweisen werde, entweder dadurch, daß er die Dauer meines Glückes bis an das Ziel meines Lebens erstrecket, oder daß er mir Kraft genug giebt, einen harten Umschlag desselben zu ertragen, den ich eben so leicht, als viele Andere, erfahren kann. Mein zukünftiges Glück kennt nur derjenige dessen Hand unser Schicksal lenkt, und welcher selbst unsere Drangsale zu unserm weit größern Wohlseyn dienen lassen kann. Einer meiner Oheime, beflissen wie ich, Familien-Anecdoten zu sammeln, gab mir einige Papiere, woraus ich mehrere Umstände entlehnt habe, die unsere Vorfahren betreffen. Ich habe daraus ersehen, daß sie seit wenigstens dreyhundert Jahren in einem und ebendemselben Dorfe, Ecton in Northamptonshire, auf einem Freygute von ungefähr dreyßig Morgen Landes gelebt haben. Mein Oheim hatte nicht ausfindig machen können, wie lange sie schon vor dieser Zeit daselbst zugebracht haben mochten. Sie wohnten hier vielleicht schon seit der Zeit, da sie, nach der Weise anderer Bürger durch das ganze Königreich, die sich beständige Namen beylegten, den Familien-Namen Franklin annahmen, der vorher Personen einer gewissen Classe bezeichnete. Dieses kleine Eigenthum würde zu ihrem Unterhalte nicht hinreichend gewesen seyn, wenn nicht bis auf seine Zeiten das Schmiedehandwerk in der Familie hergebracht gewesen wäre, in welchem beständig der älteste Sohn unterrichtet wurde. Diese Gewohnheit befolgten Er und mein Vater ebenfalls in Ansehung ihrer ältesten Söhne. Die Untersuchungen, die ich zu Ecton anstellte, ergaben in Ansehung ihrer Geburten, Heirathen und Sterbefälle keine besondere Auskunft, als erst seit dem Jahre 1555, weil das Kirchenregister daselbst nicht über diesen Zeitpunct hinausgeht. Aus diesem Register ersah ich, daß ich durch fünf Zeugungen hinauf immer der jüngste Sohn des jüngsten Sohnes war. Mein Großvater Thomas, geboren 1598, lebte zu Eaton, bis er zu alt wurde, sein Handwerk fortzusetzen, da er sich denn nach Banbury in Oxfordshire zu seinem Sohn Johann, einem Färber, begab, bey welchem mein Vater in der Lehre stand. Mein Urgroßvater starb daselbst, und ward auch da begraben. Wir sahen 1758 sein Denkmal. Sein ältester Sohn, Thomas, blieb in dem väterlichen Hause zu Ecton, und hinterließ dieses, samt der Länderey, seiner einzigen Tochter, welche selbiges nachher mit Beystimmung ihres Ehemannes Herrn Fishers von Wellingborough, an Herrn Isted, gegenwärtigen Eigenthümer des Schlosses zu Ecton, verkaufte. Mein Urgroßvater hinterließ vier lebende Söhne, nehmlich Thomas, Johann, Benjamin und Josias. Ich will dir von ihnen so viel mittheilen, als mein Gedächtniß mir darbietet; denn ich habe meine Papiere nicht bey der Hand, in welchen du umständlichere Nachrichten finden wirst, wenn sie anders während meiner Abwesenheit nicht verloren gegangen sind. Thomas hatte das Schmiedehandwerk von seinem Vater erlernet. Da er aber von Natur viel Geistesgaben besaß, so bildete er diese auf Antrieb des Herrn Palmer Esq., vornehmsten Einwohners des Kirchsprengels, durch Studien aus. Eben dieser munterte auch meine übrigen Oheime auf, etwas zu lernen. Thomas brachte es auf diese Art so weit, daß er mit Notariatsgeschäften umgehen konnte; wurde bald ein sehr nothwendiger Mann in den Angelegenheiten der Provinz, und eine der vornehmsten Triebfedern aller öffentlichen Unternehmungen, so wohl der Grafschaft und Stadt Northampton, als auch seiner Gemeinheit. Man erzählte uns zu Ecton manchen merkwürdigen Zug von ihm. Ungemein geachtet und begünstigt von dem Lord Halifax starb er am 6. Jänner 1702, gerade vier Jahre vor meiner Geburt.

Das, was uns einige alte Personen im Dorfe von seinem Leben und Charakter erzählten, war, wenn ich mich recht erinnere, wegen der außerordentlichen Aehnlichkeit mit dem, was du von mir selbst wußtest, dir so auffallend, daß du noch sagtest: Wenn er vier Jahre später gestorben wäre, so möchte man eine vorgegangene Seelenwanderung annehmen. Johann wurde, wie ich glaube, zum Handwerk eines Wollenfärbers erzogen.

.

PDF Herunterladen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

PDF • Kostenlose eBooks © 2020 | Free Books PDF | PDF Kitap İndir | Baixar Livros Grátis em PDF | Descargar Libros Gratis PDF | Telecharger Livre Gratuit PDF |