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Umrisse zur Geschichte und Kritik der schönen Literatur – Franz Horn

Obwohl ich selbst Vorreden mit ganz besonderer Aufmerksamkeit zu betrachten pƍege, so hat man mich doch so häuƌg versichert, die meisten Leser verführen in dieser Hinsicht anders, daß ich endlich wohl daran glauben muß. Ich habe deshalb gar manches, was ich über dieses Buch auf dem Herzen hatte, und was vielleicht in der Vorrede hätte stehen sollen, in das Buch selbst hineingetragen, damit es nicht etwa übersehen werde. Dennoch bleibt noch manches zu sagen übrig, wovon indessen nur Folgendes kurz angedeutet werden möge. Dieses Buch schließt sich gewissermaßen an mein früheres, das unter der Aufschrift: «Die schöne Literatur Deutschlands, während des achtzehnten Jahrhunderts», Berlin 1812 und 13, in zwei Theilen erschienen ist, und es kann dieser Umstand den guten Kritikern vielleicht zu einer nützlichen Vergleichung Anlaß geben. Schon in den genannten Jahren war es mein Plan, ein Buch zu schreiben wie das gegenwärtige; [IV:] doch bestimmt ausgesprochen ward derselbe erst später, und zwar bei Gelegenheit der Kritik einer in Charkow erschienenen, im Ganzen empfehlenswerthen deutschen Chrestomathie von Rommel. (Siehe die Blätter zur Kritik, Beilage zu den «Erholungen» 1815, Nro. 7). Ich äußerte dabei den Wunsch, daß doch auch einmal eine ächte Blumen- und Fruchtlese aus dem neunzehnten Jahrhundert erscheinen möge, da wir aus dem achtzehnten so viele haben, die nur leider fast immer das Abgeschriebene wieder abschreiben, und, wenn ich so sagen darf, in einer gewissen unerfreulichen Unendlichkeit schwimmen, aus der die Rettung nicht leicht ist. Auch damals gedachte ich, wie immer, des guten Wortes, daß wir Deutschen alles mit Ernst und Liebe treiben sollen, denn dieser Ernst und diese Liebe setzen ja den heitern Scherz und den edlen Haß voraus. Was wir aber hassen sollen, das wissen wir Deutschen gottlob recht wohl, und ebendeshalb wird unsre Liebe stets inniger und fröhlicher. In seinem ganzen Umfange ist der obige Wunsch noch nicht erfüllt worden, doch verdient Einiges, was der ƍeißige Raßmann für einzelne Parthien der neuesten Literatur gethan, lobende Anerkennung, obwohl manche Verbesserungen zu wünschen sind. [V:] Für die Kritik dieser neuesten Literatur ist im Einzelnen manches VortreƏiche geleistet worden; doch ein Buch, das die gesammten ästhetischen Bestrebungen dieser Zeit als ein Ganzes betrachtet und der Kritik unterworfen hätte, fehlte bisher noch, und wenn ich deshalb das gegenwärtige als den ersten Versuch, würdigen Männern und Frauen zur Prüfung vorlege, so darf ich wohl auf jene Nachsicht rechnen, die, der Idee nichts vergebend, dennoch wohl bedenkt, daß ja immer im irdischen Leben, die Erscheinung nicht vollkommen der Idee entspreche. Auf das, was man so obenhin und gewöhnlich Vollständigkeit nennt, macht dieses Buch keinen Anspruch; doch möchte ich erwähnen, daß manche Dichter, welche hier nicht vorzukommen scheinen, doch wohl wirklich vorkommen, wenn auch ohne Namen, und nur im Allgemeinen beschrieben. Finden sich aber dennoch auch rügenswerthe Auslassungen, so nenne man sie mir freundlich, und ich will gern gut machen, falls ich gefehlt. Einige Auslassungen, die ich selbst ƌnde, waren nicht zu vermeiden, da manches selbst ehrenwerthe literarische Bemühen der neuesten Zeit noch nicht deutlich genug sich entwickelt hat, um ein entschiedenes Urtheil zu leiden. Ueberhaupt setzen Werke wie dieses stets die Möglichkeit der Nachträge [VI:] voraus, und der Einzelne soll sich stets klar erhalten, daß er bei der Abfassung einer solchen Schrift leichter noch als sonst fehlen könne. Daß das dritte Buch einen weit größern Umfang hat als das erste oder zweite, sieht freilich ein jeder, und es brauchte deshalb nicht darauf aufmerksam gemacht zu werden; da dies aber doch wohl geschehen wird, so möchte ich nur erinnern, daß dies gar leicht zu vermeiden gewesen wäre, wenn es hätte vermieden werden sollen. Vielleicht könnte man in jenem Umstande etwas Allegorisches finden, das nicht ohne gute Bedeutung ist. Der zweite Theil meiner Literaturgeschichte des achtzehnten Jahrhunderts schloß mit dem innigen Wunsche, daß der Schriftsteller bald aufstehen möge, der uns eine Literaturgeschichte gebe, welche die meinige weit übertreƋe, und ich äußerte die HoƋnung, dann der erste zu sein, der ihm freudig dafür den Kranz reiche. — Lasset mich, ihr lieben Leser, auch hier das wohlgemeinte Wort wiederholen, mit dem es mir, wie sich von selbst versteht, ein wahrhaftiger und tiefer Ernst war, ist und sein wird. Berlin, am 19. Januar 1819. Franz Horn

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