| Books | Libros | Livres | Bücher | Kitaplar | Livros |

Texte zu politischen und geschichtlichen Themen – Johann Gottfried Seume

Die gegenwärtigen Nachrichten erschienen im Jahre 1796 unter dem Titel: »Einige Nachrichten über die Vorfälle in Polen im Jahre 1794; von J. G. Seume, RussischKaiserlichem Lieutenant. – Leipzig, bey Gottfried Martini, 1796«. Von den 151 Druckseiten der mit einem Titelkupfer, »Igelström’s Tod«, gezierten Schrift enthalten S. 1–108 die Nachrichten über Polen und S. 109–150 folgende Gedichte Seume’s: Auf Igelström’s Tod Gebet eines Mannes, der selten betet An die Schwermuth Die Beterin An einen an der Düna bei Riga gefundenen Todtenkopf Rückerinnerung. An meinen Freund Münchhausen Ruhe Dem Herrn Grafen von Hohenthal auf Knauthain, Städteln, Lauer etc. aus wahrer Dankbarkeit gewidmet. Verehrungswürdiger Wohlthäter! Es war einer der schönsten Tage meines Lebens, als ein rechtschaffener Mann mich Ihnen einst mit den Worten empfahl: »Er ist ein Knabe guter Art, der Segen seines Vaters ruhet auf ihm.« Seine Empfehlung galt; und noch jetzt thut dem Kriegsmanne die Erinnerung im Herzen so wohl, als sie dem Jünglinge oft am Grabe des Vaters that. Ich bin stolz, Ihnen hier öffentlich die Größe meiner Verbindlichkeiten zu wiederholen. Ihnen kann es gleichgiltig sein, ob Jemand vom Publicum weiß, was ich Ihnen schuldig bin, aber mir nicht; denn dieses ist die einzige Art, in welcher Sie Zahlung annehmen und ich einigermaßen leisten kann. Das Opfer ist klein; ich wäre aber sehr unglücklich, wenn Sie oder meine ästhetischen Beurtheiler seinen Werth nach dem Volumen des Inhaltes nehmen sollten. Auf alle Fälle hoffe ich, sei auch des Geistes noch so wenig darin, daß es der Stempel eines guten, philanthropischen Herzens bezeichnet. Wenn irgend eine gute Seele bei einer gut gedachten und gut gesprochenen Stelle mir mit einer leisen Empfindung des Dankes lohnen sollte, so übergebe ich Ihnen den Zoll, den ich durch Ihre Güte zu empfangen in den Stand gesetzt wurde. So veränderlich auch meine Lage war und werden mag, so wird doch meine Dankbarkeit unter jeder Gestalt beständig die nämliche bleiben. Leipzig, 1796. J. G. Seume. Vorbericht »Wer Wahrheit sucht, muß kein Vaterland haben!« sagt irgend ein Bemerker der Menschen. Kein Mann von Sinn wird in Versuchung kommen, diese Aeußerung wörtlich zu nehmen. Sie will blos sagen, der Wahrheitsforscher in jeder Rücksicht müsse von äußern Verhältnissen, die ihm Parteilichkeit einflößen könnten, abstrahiren und ohne Leidenschaft die Dinge, wie sie sind, betrachten und darstellen. Ich glaube in folgendem Aufsatze dieses befolgt zu haben, welches mir um so leichter ward, da wirklich jede Heftigkeit und Einseitigkeit des Parteigängers außer meinem Charakter liegt.


Freilich darf ich wol schwerlich hoffen, durch meinen Beitrag zur Geschichte den warmen Beifall irgend einer Partei zu erhalten; es ist dieses aber auch nicht meine Absicht. Wenn der künftige pragmatische Geschichtsforscher aus demselben nur einige Belege für Wahrheit ziehen kann, so ist die Bekanntmachung dieser Blätter gewiß nicht ohne Nutzen. Diese Form habe ich beibehalten, weil es wirklich die ursprüngliche war, ob ich gleich damals noch nicht an den Druck dachte. Die Gründe, welche mich zur Bekanntmachung bestimmten, will ich offenherzig ganz kurz angeben. Erstlich wünschte ich meinem erschlagenen Freunde, dem Major Igelström, nach meinem Vermögen ein Todtenopfer zu bringen; zweitens meinem ehemaligen Wohlthäter öffentlich die Gefühle meines warmen Dankes auszudrücken, und sodann glaubte ich mehrern guten harmonirenden Seelen nicht ohne wohlthätige Teilnahme meine Empfindungen über verschiedene Gegenstände sagen zu können. Ich erwähne nicht der Aufmunterung mehrerer Freunde, die vielleicht aus warmer Anhänglichkeit für den Verfasser mehr äußerten, als der strengere Aesthetiker vertheidigen kann. Ueber die Gedichte darf ich nichts sagen, wenn sie nicht ihre eigene Apologie sind. Erinnerungen von competenten Kritikern sind mir billig so willkommen, als sie einem Manne von Bescheidenheit, der selbst nichts weniger als Literator ist, und der seine Mängel sowol als sein etwaniges Gute zu fühlen gewohnt ist, irgend nur sein können. Incompetente sollten zur Ehre unserer Philosophie und unsers Geschmacks billig nicht Richter über irgend ein Werk sein. Es ist die Gewohnheit auch unserer besten Kritiker, zuweilen durch ganz lieblose Ironien und bittere Seitenhiebe ihren Mann zu mißhandeln. Der Kritiker ist Richter; dem Richter geziemt Würde, und desto mehr Würde, je mehr der Delinquent Verdammung verdient. Bloße Darstellung des Fehlerhaften, Geschmacklosen, Lächerlichen und Unsinnigen ist gewiß hinreichend und läßt den Leser weit heller sehen als die angelegte Momusmaske. Kein gutmüthiger Kritiker wird den Leser auf Kosten eines armen Schachers belustigen. Der schlechte Scribent ist schon hinlänglich durch die Verachtung des Publicums und die Sarkasmen jedes witzigen Individuums bestraft. Ich hoffe Verzeihung wegen dieser Expectoration und gebe sie jedem Edeldenkenden zur Beherzigung. Freilich, freilich ist es schwer, unter der Sündfluth von schlechten Producten beständig ernsthaft zu bleiben; aber es ist überhaupt auch schwer, Kritiker zu sein. Der Verfasser. Amicus Plato, amicus Socrates; sed magis amica veritas. Sie verlangen von mir, lieber Freund, eine richtige Beschreibung der letzten sehr wichtigen Vorfälle dieses Jahres in Polen und erwarten in derselben etwas sehr Authentisches und Vollständiges; weil ich, wie Sie sagen, selbst Augenzeuge und einigermaßen Mithandler gewesen sei. Bedenken Sie aber – denn Sie kennen ja meinen Charakter in dieser und mehrern andern Rücksichten ziemlich – daß ich bei meiner Sorglosigkeit in Ansehung aller Dinge, die nicht strict zu meiner Pflicht gehören, gar nicht sehr zum genauen Bemerker und also ebenso wenig zum Geschichtschreiber geschickt bin, und daß ein Subaltern im Militär und Civil nur sehr wenig sehen, also nur sehr wenig selbst beurtheilen und verbürgen kann! Indessen, da die Sache doch für jeden Menschenbeobachter wichtiges Interesse haben muß und jeder der öffentlichen und Privaterzähler vielleicht seinen eigenen persönlichen Gesichtspunkt hat, so will ich, Ihren Wunsch zu erfüllen, so viel mir im Ganzen bekannt ist, Ihnen mittheilen; und Sie können Sich gewiß darauf verlassen, daß ich Ihnen nichts vortragen werde, wovon ich nicht entweder selbst Augenzeuge war, oder wofür ich nicht sonst giltige Bürgschaft habe. Seit langer Zeit kennen Sie meine Aufrichtigkeit, Unparteilichkeit und feste Wahrheitsliebe; Sie wissen, daß ich ohne alle Rücksicht immer mein Urtheil sage, auch wenn ich mir wol gar Nachtheil und Gefahr dadurch erwerbe. Ich bin ein ehrlicher Mann, der ohne Vorurtheile zu sehen glaubt, der seinen Satz hält, so lange er ihm Wahrheit ist, und gern den Irrthum verläßt, sobald ihn eine bessere Ueberzeugung führt. Mäßigkeit und Mäßigung sind der Charakter des vernünftigen Mannes im Physischen und Moralischen, und ich hoffe, Sie sollen ihn auch in meinen Schilderungen nicht vermissen.

.

.

PDF Herunterladen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

PDF • Kostenlose eBooks © 2020 | Free Books PDF | PDF Kitap İndir | Baixar Livros Grátis em PDF | Descargar Libros Gratis PDF | Telecharger Livre Gratuit PDF |