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Fußreise durch Oesterreich und Baiern – Joseph Kyselak

Ein Funke ist’s, ein Trieb, der den Menschen in regeres Leben verwebt, sein Blut auf eine oder die andere Art besonders anzieht, zu verschiedenen, wenn auch insgesammt lohnenden Tempeln hinleitet, Frauenliebe reißt den Jüngling oft hin, für seine Auserwählte sich zum Helden, zum Dichter zu bilden; Liebe zur schönen Natur, zur ewig bewunderten, ein nicht minder hohes Motiv, beseelte mich schon lange, spornt zum Danke für sie, und heißt mich manches Gute schildern. dessen ich von ihr begünstigt mich erfreute. Getreu, wie ich die Ansichten aufgefaßt, übergebe ich sie der Welt, diesen Erstlingen eine sichere Bahn zutrauend, Findet Jemand meine Ansichten hie und da zu bildlich, zu poetisch , so bedenke er: daß man von einem glücklichen Zufalle überrascht, gemeiniglich in Lobeserhebungen schönerer Form ausbricht. Ich reiste, von einem meiner treuen Wolfshunde begleitet, allein, und nur mit dem nothwendigsten Gepäcke; denn einige Hemden, Tücheln, Fußsäckel ec., ein Paar Schuhe zum Wechseln der Stiefel, ein gutes Fernrohr, blecherne Feldflasche, Steigeisen, Feuerzeuge, Windlichter und Wachskerzen, Papier, Bleistift, auf Leinwand gespannte topographische Karten zum Zusammenlegen in Bücherform, starke lange Schnur, Bürste ec., wird doch Niemand leicht entbehren. Etwas überflüssig, aber für mich sehr erfreulich, war mein Gewehr, das zu dem sechspfündigen Gewichte auch einen kleinen Vorrath von Pulver und Blei erforderte; und so betrug die ganze Bagage, welche ich aber selbst überall mitzutragen mir vornahm, 15 Pfunde. Den lästigen Mantel, oder sonstige Hindernisse einer Fußwanderung entbehrte ich, mit dem festen Willen, täglich wenigstens sechs Meilen zurückzulegen, und nur in Provinzialstädten zu verweilen; weil man sonst ohne ähnlichen bestimmten Vorsatz, von mancher schönen Gegend zu viel eingenommen, oftmals gar nicht vom Flecke kommt, und die karge Zeit mit Bewunderung von Kleinigkeiten verschwendet, ohne dann Meisterstücken Stunden weihen zu können. Daß diese Landschaftsänderungen den Reisenden immer in neue Genüsse verweben, und solche, die Gesundheit keineswegs angreifenden Wanderungen die Geistes- und Körperkraft vielfach verstärken, bedarf wohl erst keiner neuen Versicherung! Uebrigens war ich bei Schilderung einer Alpenfußreise nicht gesonnen, mit theilweiser Beschreibung der Provinzialstädte die Naturfreunde einigermassen zu ermüden; da sie ohnedieß mit den ausführlichsten und sichersten Notaten von Grätz, Salzburg, Passau, Linz ec., durch die Schriften der Herren Schultes, Satori ec. hinlänglich bekannt, ihnen daher eine einseitige, in kurzer Zeit geschöpfte Betrachtung, schwerlich verläßlicher, noch weniger aber neu seyn könnte: darum beschrenkte ich mich vielmehr auf die entlegenen Stationen, Alpen und Merkwürdigkeiten, welche noch nicht hinlänglich erläutert wurden, nebst einigen Gebräuchen, Sitten und Abenteuern, welche Manchen zur schätzbaren Unterhaltung dienen sollen, das Hauptaugenmerk zu richten. Wenn ich zu diesen mir ein Recht zu nehmen wagen konnte, so war es die Ueberzeugung: daß ich seit mehrjähriger Fußwanderung durch das ganze österreichische Erbkaiserthum, in so vielerlei Gegenden gekommen bin, die von einander so verschieden, so einladend oder abschreckend für den Besucher sind. Da ich nun jenen Unterschied auf dieser Exkursion ausschlüssig bemerkte, und dabei nachbenannte Gefilde wiederholt und in den verschiedensten Richtungen durchstrich; so glaube ich, wird man mir so viel Urtheilskraft zutrauen, keine falschen Ansichten oder Uebertreibungen auftischen zu wollen. Möchte es mir doch gelingen, Nachsicht und Wohlwollen meiner geehrten Leser zu erringen, der ich mit ungekünstelter Feder Naturschönheiten zu schildern wagte, bei deren mühsamster Kopie mancher meisterhafte Pinsel nur getändelt zu haben scheinen würde! Doch das Vergnügen, mich über empfundene Wonne herzlich zu ergießen und dieselbe nach Möglichkeit zu schildern, erhob mich über das Gefühl meiner empfundenen Schwäche, und die zagende Feder siegte im Willen; wohl ihr, wenn fsie am Ende nicht büßt, kühn unternommene That. Wer also in diesen Blättern etwas Höheres, als Verkürzung etlicher Winterabende erwartet, den ersuche ich, solche liber anfänglich bei Seite zu legen, damit er nicht in der Erwartung getäuscht, den Unwillen dem Erzähler durch Rezensionen entgelten lasse. Uebrigens, was ich geschrieben, habe ich selbst gesehen und erfahren, ohne geradezu einen Commentar für meine werthen Leser entwerfen, sondern nur Skizzen schildern zu wollen, wie sie einem von romantischen Ideen begeisterten Reisenden theils geflissentlich aufgesucht, theils von Ungefähr darbiethend, vorkommen. Auch strebte ich nicht, (Jahreszahlen und Daten ausgenommen, welche aus den besten Urkunden und Topographien entlehnt wurden,) mich früherer Quellen zu bedienen, mehrere Bände zu bezwecken, und interessanter scheinen zu wollen; was mir minder merkwürdig deuchte, habe ich gänzlich übergangen, und Anderem, vielleicht meinen schätzbaren Lesern Unbedeutendem, meine ganze Aufmerksamkeit geweihet. Wohl mir, wenn ich Empfindung und reine Gefühle verrathen, und dem edlen Herzen nicht ganz unbedeutend geschienen habe. Wien, am 30. Juli 1828. KYSELAK. [Abreise von Wien.] Abreise, Steinfeld, Bergfeste Klam, komischer Auftritt. Es war ein herrlicher Abend am zwölften August; kein Wölkchen trübte den Horizont, nur leiser Westwind belebte die glänzenden Blätter und lüftete die verweilte Schwüle des Tages: als ich mit wonnetrunkenem Gemüthe wegen endlich befriedigter Sehnsucht, dem Wienerberge zufuhr. Ich wählte die anfängliche Wagenreise, weil Jeder der die langweilige Fläche bis Neunkirchen auch nur einmal zu Fusse überschritt, sich gewiß diese marternde Wanderung nicht zum zweitenmale wünscht.


Meine Gesellschaft, ein alter Herr nebst Frau und ein Jude, hatte zu wenig Interessantes für mich, als daß ich dem freudig zu dringenden Lebewohl für Stadt und deren liebe Bewohner hätte widerstehen können. Ich stieg daher bei der Säule (Spinnerin am Kreuze) aus, und erblickte den ausgebreiteten Steinhaufen von Tausend Laternen beleuchtet, im silbernen Glanze des eben aufsteigenden Mondes. Freudig hoben meine Brust süß sich entbildende Gefühle beim Bewußtseyn, nun dem dunstigen Getümmel Wiens für längere Zeit entzogen zu seyn. Bis ausser Ginselsdorf, wo wie gewöhnlich in heissen Sommerabenden rechts in dem Sumpfgraben neben dem Posthause häufige Irrlichter ihr äffendes Wesen trieben, war die Unterhaltung ziemlich einseitig; der alte Herr schlief, die Frau bethete, der Jude zitterte, unser Kutscher rauchte sein Pfeischen, und ich schwebte in der Zukunft. Bald passirten wir das dürre Theresienfeld [Dorf, wurde von der Kaiserin Maria Theresia anno 1763 auf eigene Kosten angelegt,und Tiroler-Ackerleute dahin beschieden, die Steppen urbar zu machen, welches jedoch deren Nachfolgern, pensionirten Of izieren, ebensowenig gelang.], dessen langweiligen Sandboden der späteren Einwohner Fleiß und Kunst endlich zum Nutzen zwang. Neustadt’s wild vorbeirauschende Fischa [Von den Landleuten nur gemeinhin das NeustädterWasser genannt, entspringt bei Grünbach und Emmerberg in Nieder-Österreich aus mehreren Quellen.], manchen Feinden brückenlos eine trotzige Gegnerin, und deren ehemalig strenge Thore gestatteten nun gutmüthig den Durchzug; fürchterlich rasselte der Wagen auf dem noch alten Pflaster; doch schliefen ruhig die Bürger, der Zeiten ihrer Vorfahren entwöhnt, wo manches Lärmen zur Nacht Arme und Herzen bewaffnet herbei rief. Neustadt, die in ihrem berühmten Leben so viel hinlänglich bekannte Merkwürdigkeiten aufzuweisen hat, wird kein Oesterreicher ungerührt verlassen. Der von hier nach Wien führende Kanal ist der vielen Krümmungen wegen noch um einige Stunden länger, als die Poststrasse. Vor dem Neunkirchnerthore und mitten am Steinfelde links an der Poststrasse stehen zwei gleich gewölbte Säulen als Meridian Meßzeichen vom Jahre 1763, welche somit das Andenken des Jsuiten Liesganig erhalten.

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