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Die Treibjagd – Emile Zola

Bei der Heimkehr war das Gedränge der längs des Teichufers zurückfahrenden Wagen so stark, daß die Equipage im Schritt fahren mußte. Einen Moment lang war das Gewirr so arg, daß dieselbe anzuhalten gezwungen war. Langsam sank die Sonne an dem Oktoberhimmel hinab, der von hellgrauer Farbe und an seinem Rande von leichten Wolken gestreift war. Ein letzter Strahl, der durch das ferne Dickicht am Wasserfall auf die Fahrstraße fiel, hüllte die lange Reihe der regungslos verharrenden Wagen in ein mattes, röthliches Licht. Die goldschimmernden Lichter und hellen Blitze, welche die Räder warfen, schienen an das strohgelbe Untertheil der Kalesche festgebannt, in deren dunkelblauen Feldern sich einzelne Stücke der umgebenden Landschaft widerspiegelten. Von dem röthlichen Lichte ganz umflossen, welches sie von rückwärts erhielten und die Messingknöpfe ihrer in faltenloser Glätte über den Sitz zurückgelegten Ueberröcke schimmern machte, verharrten Kutscher und Kammerdiener in ihrer dunkelblauen Livrée, ihren ockerfarbenen Beinkleidern und gelb und schwarz gestreiften Westen steif, gelassen und ernst auf ihrem erhöhten Sitze, wie es sich für die Dienstleute eines guten Hauses geziemt, die ein Wagengedränge nicht aus der Fassung zu bringen vermag. Ihre mit einer schwarzen Kokarde versehenen Hüte verriethen viel Würde. Nur die Pferde, herrliche Braune, zeigten eine große Ungeduld. »Sieh ‚mal!« sagte Maxime; »dort unten, in dem Coupé, sitzt Laura d’Aurigny. – – Sieh doch, Renée!« Renée richtete sich ein wenig empor, wobei sie die Augen mit einer allerliebsten Grimasse zusammenkniff, um ihre schwache Sehkraft etwas zu unterstützen. »Ich dachte, sie sei durchgebrannt,« erwiderte sie. »Sie scheint die Farbe ihrer Haare gewechselt zu haben, wie?« »Ja,« bemerkte Maxime lachend; »ihr neuer Liebhaber mag die rothe Farbe nicht.« Nach vorne geneigt, mit auf dem niedrigen Wagenschlag ruhender Hand blickte Renée in die angedeutete Richtung, nachdem sie das traurige Sinnen von sich geschüttelt, in welchem sie wohl über eine Stunde versunken gewesen, während sie wie in einem Krankenstuhle, in den weichen Kissen ihres Wagens gelegen. Ueber dem mit einer Tunique, einem Vorderbesatz und breiten gepreßten Falten besetzten grauseidenen Kleide trug sie einen kurzen Paletot aus weißem Tuch mit grauen Überschlägen, welcher ihr ein vornehm-keckes Aussehen verlieh, während ihre Haare, deren blaßgelbe Farbe am ehesten mit der der Butter zu vergleichen war, von dem mit bengalischen Rosen besetzten kleinen Hütchen kaum bedeckt wurden. Sie fuhr fort, gleich einem kecken Knaben mit den Augen zu zwinkern, wobei sich eine Falte über ihre glatte Stirne legte und die Oberlippe hervortrat wie bei einem schmollenden Kinde. Da sie schlecht sah, nahm sie ihr in Schildpatt gefaßtes Binocle, wie es Männer zu tragen pflegen, hervor und es in der Hand haltend, ohne es auf die Nase zu setzen, betrachtete sie gemächlich, mit vollkommen ruhiger Miene die dicke Laura d’Aurigny. Noch immer kamen die Wagen nicht vorwärts. Inmitten der langen, dunkeln Linie, welche die Equipagen bildeten, die sich an diesem Herbstnachmittage überaus zahlreich im Gehölz eingefunden hatten, erglänzten die Ecke eines Spiegels, das Gebiß eines Pferdes, der silberne Griff einer Laterne, die Tressen eines auf erhöhtem Sitze thronenden Lakaien. Hier und dort gewahrte man in einem offenen Landauer ein Stück Stoff, ein Stück FrauenToilette aus Sammt oder Seide. Allmälig hatte sich eine große Stille über dieses regungslos gewordene Gewirr herniedergesenkt und man vernahm vom Wagen aus das Gespräch der Fußgänger. Man tauschte Blicke mit einander von einem Wagen zum andern; doch sprach Niemand ein Wort inmitten der allgemeinen Erwartung, welche blos von dem Reiben der Geschirre und dem Stampfen der Pferdehufe unterbrochen wurde. In der Ferne erstarben die verworrenen Stimmen des Gehölzes. Trotz der vorgerückten Saison war ganz Paris da: die Herzogin von Sternich in ihrer Kalesche auf acht Federn; Frau von Lauwerens in einer tadellos bespannten Victoria; die Baronin von Meinhold in einem entzückenden braunrothen Cab; die Comtesse Vanska mit ihren Ponyschecken; Frau Daste und ihre herrlichen Rappen; Frau von Guende und Frau Teissière im Coupé; die kleine Sylvia in einem dunkelblauen Landauer. Weiterhin Don Carlos in Trauer mit seiner feierlichen, altmodischen Livrée; Selim Pascha mit seinem Fez und ohne seinen Erzieher; die Herzogin von Rozan in einem kleinen Coupé, mit ihrer weiß bepuderten Dienerschaft; der Graf von Chibray im Dog-Cart; Herr Simpson in tadellosem Jagdwagen, sowie die ganze amerikanische Kolonie. Und zum Schluß zwei Akademiker im Fiaker.


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