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Die Menschenaffen – Alfred Brehm

Wie die »Säugetiere« (Univ.-Bibl. 6324), so ist auch der vorliegende Band dem berühmten »Tierleben« Brehms entnommen, und zwar der zweiten, der letzten vom Verfasser herausgegebenen Auflage, deren Inhalt sich in allem wesentlichen noch mit dem der um die Jahrhundertwende erschienenen dritten Auflage deckt. Von Grund aus umgestaltet und größtenteils ganz neu geschrieben wurde erst die jetzt vorliegende vierte Auflage, die nicht mehr wie die früheren zehn, sondern dreizehn starke Bände umfaßt. Abgesehen von einigen durch die gesonderte Herausgabe des Abschnitts »Menschenaffen« bedingten Kürzungen ist auch in diesem Bande der Brehmsche Text wörtlich wiedergegeben, in der festen Überzeugung, daß dessen packende Lebendigkeit und Anschaulichkeit, die den eigentlichen Reiz des ursprünglichen »Tierlebens« ausmachte, auch heute durchaus noch imstande ist, den Leser zu fesseln und zu erfreuen, wie groß auch die Summe der neuen Beobachtungen und Erfahrungen sein mag, die seit seinem ersten Erscheinen gemacht worden sind. Über das Freileben der Menschenaffen wissen wir übrigens heute beinahe noch ebensowenig wie zu Lebzeiten Brehms. Das wichtigste Neue, das in den letzten Jahren auf dem Gebiet der Menschenaffenkunde hinzugekommen ist: die Ergebnisse der Intelligenzprüfungen an Schimpansen, die in der mit Unterstützung der Preußischen Akademie der Wissenschaften von 1912–1920 auf Teneriffa unterhaltenen Menschenaffenstation von ausgezeichneten Fachleuten vorgenommen wurden, hat der Herausgeber geglaubt, in einem besonderen Anhang berücksichtigen zu sollen, sind sie doch gleichsam eine posthume Bestätigung dessen, was Alfred Edmund Brehm von der Tierseele sagte. Nicht weniger willkommen wird dem Leser die Schilderung des ersten lebend nach Europa gelangten Gorillas sein, des berühmten »Mpungu« der deutschen Loango-Expedition, zumal sich in den früheren Nachrichten über diese größte Menschenaffenart noch vielfach Dichtung und Wahrheit verquickten. Leipzig, August 1921. Carl W. Neumann. Vor mehr als zweitausend Jahren rüsteten die Karthager eine Flotte zu dem Zwecke aus, Ansiedelungen an der Westküste von Afrika zu gründen. Auf sechzig großen Schiffen zogen ungefähr dreißigtausend Männer und Frauen zu diesem Behufe von Karthago aus, versehen mit Nahrung und allen Gegenständen zur Ansässigmachung. Der Befehlshaber dieser Flotte war Hanno, welcher seine Reise in einem kleinen, aber wohlbekannten Werke (dem »Periplus Hannonis«) der damaligen Welt beschrieb. Im Verlaufe der Reise gründete die Mannschaft jener Schiffe sieben Ansiedelungen, und nur der Mangel an Nahrungsmitteln zwang sie, früher als man wollte, zurückzukehren. Doch hatten die kühnen Seefahrer die Sierra Leone bereits hinter sich, als dieses geschah. Jener Hanno nun hinterließ uns in seinem Berichte eine Mitteilung, welche auch für uns von Wichtigkeit ist. Die betreffende Stelle lautet: »Am dritten Tage, als wir von dort gesegelt waren und die Feuerströme durchschifft hatten, kamen wir zu einem Busen, das Südhorn genannt. Im Hintergrunde war ein Eiland mit einem See und in diesem wieder eine Insel, auf welcher sich wilde Menschen befanden. Die Mehrzahl derselben waren Weiber mit haarigem Körper, und die Dolmetscher nannten sie Gorillas. Die Männchen konnten wir nicht erreichen, als wir sie verfolgten; sie entkamen leicht, da sie Abgründe durchkletterten und sich mit Felsstücken verteidigten. Wir erlangten drei Weibchen; jedoch konnten wir diese nicht fortbringen, weil sie bissen und kratzten. Deshalb mußten wir sie töten; wir zogen sie aber ab und schickten das abgestreifte Fell nach Karthago.« Die Häute wurden dort später, wie Plinius berichtet, im Tempel der Juno aufbewahrt. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß Hanno unter den wilden behaarten Menschen nur einen Menschenaffen meinen kann, und wenn er auch vielleicht den Schimpansen vor Augen gehabt hat, sind wir doch berechtigt, den riesigsten aller Affen Gorilla zu nennen.


Der Gorilla (Gorilla gina), »Njina« oder »Ingiine« der Eingeborenen, Vertreter einer besonderen Gattung oder doch Untergattung, ist zwar etwas kleiner, aber bei weitem breitschulteriger als ein starker Mann. Laut Owen beträgt beim erwachsenen Männchen die Höhe von der Sohle bis zum Scheitel 1,65 m, die Breite von einer Schulter zur anderen 95 cm, die Länge des Kopfes und Rumpfes zusammengenommen 1,08 m, die der Vorderglieder 1,08 m, der Hinterglieder bis zur Ferse 75 cm, bis zur Spitze der Mittelzehe aber 1,5 m. Die Länge und Stärke des Rumpfes und der Vorderglieder, die unverhältnismäßige Größe der Hände und Füße sowie die durch Bindehaut größtenteils vereinigten mittleren Finger und Zehen sind die bezeichnendsten Merkmale. Der Umriß des Kopfes bildet von dem stark hervortretenden Augenbrauenbeine an nach dem Scheitel zu anfänglich eine etwas eingesenkte, später sanft gewölbte Linie, steigt am Scheitel auf und fällt nach dem Nacken zu gerade ab. Der Brauenbogen wird durch die aufliegende dicke Haut und starke Behaarung noch weiter vorgerückt und läßt das kleine, braune Auge um so tiefer zurücktreten. Die Nase ist flachgedrückt, in der Mitte der Länge nach eingebuchtet und an ihren Flügeln sehr verbreitert, tritt aber, der weiten, schief nach vorn und oben geöffneten Nasenlöcher halber, an ihrer Spitze merklich hervor. Das breite Maul wird durch dicke Lippen geschlossen, welche kürzer und minder beweglich sind als bei anderen Menschenaffen und mehr mit denen des Menschen übereinstimmen. Das Kinn würde seiner Kürze halber zurücktreten, wäre nicht der ganze Unterteil des Gesichtes vorgeschoben. Das ziemlich weit nach hinten, in gleicher Höhe mit den Augen gelegene Ohr ist verhältnismäßig kleiner als das des Schimpansen, jedoch vergleichsweise größer als das des Menschen, diesem ähnlicher als das irgendeines anderen Affen; Leiste wie Gegenleiste, Ecke wie Gegenecke ist wohlentwickelt und selbst ein zwar kleines, aber entschieden hängendes Läppchen vorhanden. Der kurze Hals bildet hinten wegen der langen, mit mächtigen Muskeln überdeckten Wirbelfortsätze mit Hinterkopf und Rücken eine gerade Linie, trennt sich daher nur seitlich und vorn vom Rumpfe ab, so daß der Kopf unmittelbar auf letzterem zu sitzen scheint. Der Rumpf selbst fällt ebensowohl durch seine außerordentliche Stärke wie seine im Vergleiche zu dem des Menschen unverhältnismäßige Länge auf; der mächtige Brustkasten ist ungemein geräumig, die Schulterbreite fast unmäßig, der Rücken sanft gebogen, ohne daß die Schulterblätter hervortreten, der Bauch allseitig gewölbt. Die Glieder unterscheiden sich wesentlich von denen des Menschen durch die gleichmäßige Stärke ihrer einzelnen Teile, indem dem Oberarme die Anschwellung, dem Schienbeine die Wade gänzlich fehlt. Verhältnismäßig ist der Oberarm länger, der ganze Arm aber kürzer als bei anderen Menschenaffen, unter Berücksichtigung der Rumpflänge vergleichsweise nicht viel länger als beim Menschen, obgleich dies der in der Entwicklung zurückgebliebenen Beine halber den Anschein hat. Der Unterarm geht ohne erhebliche Verschmächtigung in die ebenso kurze wie breite und dicke, wegen ihres langen Tellers ausgezeichnete Hand über, deren drei überaus dicke und kräftige, gleichsam geschwollene Mittelfinger bis zu dem dritten Gliede durch eine Bindehaut vereinigt sind, also höchstens zwei Glieder frei bewegen können, und Nägel tragen, welche zwar denen der Menschenhand an Größe gleichkommen, im Verhältnisse zu den Fingern aber klein erscheinen; der Daumen ist wie bei allen Menschenaffen schwach und kurz, kaum halb so lang wie jeder andere Finger. Mit denen der Verwandten verglichen, erscheinen der Oberschenkel stark, der Unterschenkel dagegen ebenso kurz wie schwach, der Fuß kurz und unförmlich breit, die an ihrer Spitze verbreiterte, sehr bewegliche Daumenzehe, welche unter einem Winkel von sechzig Graden zu den anderen steht, verhältnismäßig stark und lang, die übrigen Zehen, unter denen die dritte die längste, die letzte sehr verkürzt ist und deren zweite bis vierte unter sich ebenfalls größtenteils durch Haut verbunden sind, jener gegenüber kurz und schwach. Das gewellte, entfernt an Wolle erinnernde Haar läßt das Vordergesicht nach oben bis zu den Augenbrauen, seitlich bis zur Mitte der Jochbogen, nach unten hin bis zum Kinne, das Ohr, die Hand und den Fuß seitlich und, soweit Finger und Zehen nicht vereinigt sind, auch unten gänzlich frei, bekleidet dagegen ziemlich regelmäßig den übrigen Leib, Oberkopf, Nacken, Schultern, Oberarme sowie Ober- und Unterschenkel am dichtesten, Brust und Bauch am spärlichsten, ist bei alten Tieren aber auch auf Mittel- und Unterrücken gewöhnlich abgerieben und hat, mit Ausnahme des Unterarmes, seinen Strich von vorn und oben nach hinten und unten, am Unterarme dagegen von unten nach oben. Alle nackten Teile haben graulich-schieferschwarze, die mit Haaren bekleideten Hautteile dunkellederbraune, die Haare dagegen verschiedene, schwer zu beschreibende Färbung. Ein düsteres Dunkelgrau, hervorgebracht durch wenige rötliche und viele graue Haare, herrscht vor; die Mischung beider Farben wird gleichmäßiger auf Oberkopf und Nacken, weshalb diese Teile deutlich graurot aussehen; auf dem Rücken kommt mehr das Grau, an den inneren Schenkelseiten das Braun zur Geltung. Einige wenige weiße Haare finden sich am Gesäße. Männchen und Weibchen unterscheiden sich nicht in der Färbung, Alte und Junge anscheinend nicht wesentlich.

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