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Die Kyropädie – Xenophon

Ueber Xenophon’s Lebensumstände haben wir nur wenige und unbestimmte Nachrichten; wir müssen uns daher bei manchen Punkten mit dem begnügen was sich durch Zusammenstellung der Angaben späterer Schriftsteller mit den in seinen eigenen Schriften enthaltenen Winken als das Wahrscheinlichste ergibt. Ein desto vollständigeres Bild können wir uns von seinem innern Leben entwerfen, das sich in seinen Schriften so schön entfaltet. Da er nach Lucian neunzig Jahre alt wurde, und in seiner Griechischen Geschichte noch die Ermordung des Alexander von Pherä (Olymp. 105, 4. vor Chr. 354) erzählt, so fällt das Jahr seiner Geburt etwa in Olymp. 84, 1 (vor Chr. 444), sein Tod in Olymp. 105, 4 oder 106, 1 (354 oder 353 vor Chr.). Sein Vater hieß Gryllos, aus dem Demos Ercheia im Aegeischen Stamme. Durch einen eigenen Zufall kam er in die Gesellschaft des Sokrates. Dieser begegnete ihm einst in einer engen Straße, sperrte ihm den Weg mit vorgehaltenem Stab und fragte ihn nach dem Ort wo diese und jene Lebensmittel verkauft würden. Xenophon gab ihm hierüber Auskunft; Sokrates aber fragte weiter, ob er auch wisse wo rechtschaffene Männer gebildet werden? Als Xenophon hierauf nichts zu antworten wußte, so sagte Sokrates: so folge denn mir und lerne es; und von der Stunde an war er Schüler des Sokrates. Seine ersten Kriegsdienste that er in der Schlacht bei Delion, im siebenten Jahr des Peloponnesischen Krieges (Ol. 89, 1. vor Chr. 424), um welche Zeit er wenigstens zwanzig Jahre alt sein mußte. Er stürzte vom Pferde; Sokrates aber nahm ihn auf die Schultern und trug ihn, während alle Athener flohen, mehrere Stadien weit, bis er ihn in Sicherheit gebracht hatte. Daß er im Verlauf des Peloponnesischen Krieges weitere Dienste gethan habe, darüber findet sich keine Nachricht. Es scheint, er habe diese Zeit seiner wissenschaftlichen Bildung gewidmet. Außer dem beständigen Umgang mit Sokrates benützte er den Unterricht des Sophisten Prodikos in der Beredsamkeit; Sokrates ermunterte ihn, so wie den Theopompos aus Chios, und den Ephoros aus Kumä, zur Geschichtschreibung, indem er Jedem die seinen Fähigkeiten angemessenen Stoffe zutheilte. Nach Beendigung des Peloponnesischen Kriegs eröffnete sich ihm eine unerwartete Laufbahn. Sein Freund Proxenos aus Böotien, der sich am Hofe des Persischen Statthalters Kyrus in Vorderasien aufhielt, lud ihn ein eben dahin zu kommen und die Bekanntschaft des Kyrus zu machen. Der Wunsch nach einer Veränderung seiner Verhältnisse war so lebhaft bei ihm daß er keinen Augenblick zweifelte dem Rufe zu folgen und bei dem Delphischen Orakel, an welches er sich auf den Rath des Sokrates wandte, nicht fragte, ob, sondern, wie er zu Kyrus abreisen solle? Er reiste nach Sardes, der Residenz des Kyrus, und wurde in Kurzem inniger Freund dieses mit ausgezeichneten Tugenden geschmückten Regenten.


Ol. 94, 4 (vor Chr. 401) machte Kyrus Anstalten zu einem Zuge nach Persien, um sich von der Oberherrschaft seines argwöhnischen und despotischen Bruders, Artaxerxes Mnemon, Königs von Persien, zu befreien. Er suchte so viel möglich Griechische Truppen, vorzüglich aus dem Peloponnes, an sich zu ziehen, und brachte ein Heer von mehr als zwölftausend Griechen und vierzigtausend Barbaren zusammen. Xenophon machte den Zug mit; weil aber von Athen, das mit dem Perserkönig befreundet war, keine Mannschaft dabei war, so war er ohne militärische Würde. Das Heer zog durch die Küstenländer des mittelländischen Meers hin und gelangte nach glücklicher Ueberwindung vieler Schwierigkeiten bis in die Gegend von Babylon. Hier kam es zur Schlacht; bereits war der Sieg für Kyrus entschieden, schon wurde er als König von Persien begrüßt, als er seinen Bruder Artaxerxes in einem dichten Haufen erblickte. Voll Erbitterung stürzte er mit wenigen Auserlesenen auf ihn los und verwundete ihn durch den Panzer, fiel aber als Opfer seiner Kühnheit. Das ganze Unternehmen ist gescheitert. Die Barbaren welche dem Kyrus gefolgt waren trennen ihr Interesse von dem der Griechen; durch Bruch der Verträge werden die Griechischen Heerführer ermordet, und das Heer, mehr als sechzehntausend Stadien von Ionien entfernt, ohne Wegweiser, ohne sichern Unterhalt, durch Ströme und Berge von der Heimat abgeschnitten und von treulosen Barbaren umgeben, befindet sich in einer verzweifelten Lage. Die Wahl schwankt zwischen Ergebung auf Gnade und Ungnade, und dem Rückzug. Da erhebt sich Xenophon, voll Muth und Einsicht, und zeigt mit einleuchtenden Gründen, wie allein beim Rückzug Rettung möglich sei. Er wird mit vier Andern zum Heerführer gewählt und die Richtung nach dem schwarzen Meere genommen: Xenophon übernimmt die Deckung des Rückzugs. Hier zeigte er so viele Klugheit, Tapferkeit, Ausdauer, eine solche Sorge für die Soldaten, eine so weise Nachgiebigkeit gegen nebenbuhlerische Mitfeldherrn, eine so großmüthige Entsagung, als ihm der Oberbefehl über das ganze Heer angeboten wurde, daß ihm, als Mensch und als Feldherr gleich groß, eine ausgezeichnete Stelle in der Kriegsgeschichte gesichert bleibt, obwohl seine Thätigkeit nicht der glänzende Ruhm gewonnener Siege begleitete. Nachdem er das Heer bis nach Byzanz zurückgeführt hatte trat er mit demselben in die Dienste des thrakischen Königs Seuthes, der sein väterliches Reich wieder zu erobern gedachte. Als dieß gelungen war luden die Spartaner, deren Feldherr Thimbron die Persischen Statthalter Tissaphernes und Pharnabazus bekriegen sollte, das Heer ein in ihre Dienste zu treten. Xenophon führte es nach Pergamos und legte den Oberbefehl in die Hände des Thimbron nieder. Hier schließen Xenophon’s eigne Berichte. Durch die Verbannung, die er sich durch seine Anschließung an Kyrus, welcher die Spartaner gegen die Athener unterstützt hatte, und durch die Uebergabe seines Heers an die Spartaner, zugezogen haben mochte, wurde er an der Rückkehr in sein Vaterland gehindert, und diente nun wahrscheinlich bei dem Heere fort, dessen Oberbefehl (Ol. 95⅔, vor Chr. 398) dem Spartaner Derkyllidas übertragen wurde; denn unter dem Anführer der ehemaligen Truppen des Kyrus dessen Xenophon in der Griechischen Geschichte (III, 2, 7) anonym erwähnt ist wohl er selbst zu verstehen; und der Umstand daß Xenophon der einzige Griechische Schriftsteller ist welcher die Thaten des Derkyllidas würdigt, so wie die Art dieser Würdigung scheint ebenfalls wahrscheinlich zu machen daß er Augenzeuge derselben gewesen sei. Ol. 96½, finden wir ihn bei Agesilaos in Asien; er war Theilnehmer und Augenzeuge der großen Thaten dieses Mannes, und wurde durch längern Umgang mit ihm sein innigster Freund und Verehrer. Als Agesilaos mitten im Laufe seiner Siege aus Asien abgerufen wurde, um dem bedrängten Vaterlande Hülfe zu leisten, zog Xenophon mit ihm zur Schlacht von Koroneia in Böotien (Ol. 96⅔, vor Chr.

394) und kämpfte hier gegen die Thebaner und seine mit den Thebanern verbündeten Landsleute. Von da begleitete er den Agesilaos wahrscheinlich nach Sparta, und erhielt auf sein Verwenden von den Spartanern ein Landgut bei Skillus in Elis, unfern Olympia. Seine Gattin Philesia nebst zwei Söhnen, Diodoros und Gryllos, folgten ihm dahin. Daß er schon vor seinem Zuge nach Asien verheirathet gewesen sieht man aus Cicero (de Invent. I 31), wo Sokrates, welcher während seiner Abwesenheit in Asien starb, einer Gattin des Xenophon erwähnt. Ob diese bis dahin in Athen geblieben oder nach Asien zu ihm gekommen sei ist nicht bekannt. Uebrigens ist kein Grund vorhanden, mit Andern eine zweimalige Verheirathung Xenophon’s anzunehmen. In Skillus lebte er seinen Lieblingsneigungen, dem Landbau, der Jagd und der Pferdezucht; wahrscheinlich war es spöttische Anspielung auf seinen Reitersinn daß seine Söhne die Dioskuren genannt wurden. Hier ist auch die Entstehung nicht nur seiner Schriften über die Haushaltungskunst (Oekonomikos), über die Jagd (Kynegetikos), über die Reitkunst zu suchen, sondern namentlich die Abfassung der Anabasis, in welcher er seinen Landsitz mit so lebhaften Farben schildert. Er richtete ihn nach dem Muster des heiligen Haines der ephesischen Artemis ein. Vor seiner Abreise von Ephesos hatte er bei einem Priester der Artemis eine Summe Gelds von der Beute niedergelegt, welches ihm, wenn er beim Leben bliebe, wieder zugestellt, wenn er umkäme, der Göttin geweiht sein sollte. Als er das Geld wieder erhalten hatte kaufte er bei Skillus ein Stück Landes, baute der Artemis einen Tempel nach dem Muster des ephesischen, ließ ihr Bild von Cypressenholz verfertigen und stiftete ihr zu Ehren ein Fest, an welchem die ganze Umgegend Theil nahm. Das Feld weihte er der Göttin, und verordnete in einer bei dem Tempel aufgestellten Inschrift daß der Zehnte ihr alljährlich dargebracht werden sollte. Als die Eleer (Ol. 102, 2. v. Chr. 368) den Lakedämoniern Skillus wieder nahmen mußte Xenophon mit den Seinigen fliehen, und begab sich nach Korinth, erhielt aber nachher von der Eleïschen Regierung seine Besitzungen zu Skillus zurück nebst der Erlaubniß dort zu wohnen. Von Letzterem scheint er jedoch keinen Gebrauch mehr gemacht zu haben. Als (Ol. 102, 4. vor Chr. 366) die Athener dem Bündnisse mit Böotien entsagten und den Lakedämoniern Beistand leisteten, schickte Xenophon seine zwei Söhne, die er auf Agesilaos’ Rath in Sparta hatte erziehen lassen, nach Athen, um unter dem Athenischen Hülfsheer für die Lakedämonier zu streiten. Sie dienten als Reiter unter Kephisodoros. Diodoros kam wohlbehalten aus dem Feldzug zurück, Gryllos aber fiel in der Schlacht bei Mantineia.

Der Vater war eben im Begriff zu opfern, als er die Nachricht vom Tode des Sohnes erhielt; da nahm er den Kranz den er auf dem Haupt hatte ab: als er aber hörte daß er eines edlen Todes gestorben sei, setzte er ihn wieder auf und sprach, ohne eine Thräne zu vergießen, die im Alterthum hochgefeierten Worte: »ich wußte ja daß ich einen Sterblichen gezeugt habe.« Ein Gemälde Euphranor’s im Kerameikos zu Athen stellte die Schlacht von Mantineia vor, und darauf war Gryllos zu erkennen, wie er mit eigener Hand den Epaminondas tödtete. Gryllos erhielt von den Mantineern eine öffentliche Bestattung und eine Reiterstatue zum Denkmal. Diese Annäherung Xenophon’s an die Athener scheint die Widerrufung seines Verbannungsdecretes bewirkt zu haben. Ob er wirklich nach Athen zurückgekehrt sei ist nicht bekannt. Wenigstens machen die dafür angeführten Gründe, daß Xenophon die Verhandlungen in den Athenischen Volksversammlungen um diese Zeit so ausführlich beschreibe und daß seine Unterweisung des Reiterei-Anführers an Kephisodoros, unter welchem seine Söhne dienten, gerichtet sei, seinen Aufenthalt in Athen nicht nothwendig, da Beides bei seiner wieder angeknüpften Verbindung mit Athen auch in der Entfernung geschehen konnte. Er starb in Korinth. Wie hoch er noch nach seinem Tode geachtet wurde beweist der Umstand daß der Artemistempel den er in Skyllus errichtet hatte noch von Pausanias, welcher mehr als vierhundert Jahre nachher Griechenland bereiste, gesehen wurde, und neben demselben ein Denkmal von pentelischem Marmor, nebst einer Figur welche, nach der Versicherung der Nachbarn, den Xenophon vorstellte.

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