| Books | Libros | Livres | Bücher | Kitaplar | Livros |

Die Geschichte des Cevennenkrieges – Therese Huber

Bei Heinrichs IV. Regierungsantritt waren zwar die Hugenotten, in Folge der voraus gegangenen Religionskriege, die bereits seit dreißig Jahren fast ununterbrochen gewüthet hatten, und durch die Metzeleien der Pariser Bluthochzeit, bei der allein siebenzigtausend Reformirte umgekommen waren, schon merklich geschwächt und hatten durch den Tod ihrer bedeutendsten Häupter, so wie durch Heinrichs IV. Uebertritt zur katholischen Kirche, an politischer Macht beträchtlich eingebüßt. Sie machten indessen zu jener Zeit noch immer den zwölften Theil der Bevölkerung von ganz Frankreich aus, und ihre Macht war noch immer sehr ansehnlich. Noch standen mehrere der ersten Familien des Reichs an ihrer Spitze; bedeutende Städte hingen dem reformirten Glauben an; die befestigten Städte von Montauban, Nimes, Saumur, La Rochelle und vierzehn der ersten Plätze im Dauphiné waren in ihrem Besitz, und durch das Edict Von Nantes (1594), wodurch Heinrich IV. den inneren Frieden wieder herstellte, wurden die Hugenotten nicht allein in dem Besitz aller dieser Plätze und ihrer errungenen Privilegien bestätigt, sondern auch den Katholiken in dem Genusse der bürgerlichen Rechte gleichgesetzt. Sie hatten freie Ausübung ihres Cultus; freie Bestimmung ihrer kirchlichen Angelegenheiten in die Synoden ihrer Geistlichen; den Genuß der Preßfreiheit; den Zutritt zu allen Staatsämtern, und zu ihrer gleichmäßigen Theilnahme an der Gesetzgebung und Gerichtspflege war sowohl in Castre ein eigenes Parlament, als auch in dem Parlamente zu Paris eine eigene Kammer für die Hugenotten errichtet, und die Kammern zu Toulouse, Grenoble und Bordeaux mußten verfassungsmäßig zur Hälfte durch Glieder ihrer Confession besetzt werden. So befanden sich die Hugenotten unter der Regierung Heinrichs IV. im Genusse aller wesentlichen Bedingungen, sich von den früher erlittenen Verfolgungen wieder aufzurichten und an dem Wohlstand und dem Frieden Theil zu nehmen, welche Heinrichs und Sully’s menschliche und weise Verwaltung über Frankreich verbreitete. Aber dieses glückliche Verhältniß ging mit Heinrichs IV. Tode zu Ende. Durch das enge Familienbündniß, welches wenige Jahre darauf der französische Hof mit Spanien einging, sahen die Hugenotten ihre Zukunft aufs neue bedroht; in Folge der Vereinigung ihrer Landschaft Bearn mit der Krone, und der gewaltsam eingeführten gemeinschaftlichen Verwaltung der Kirchengüter beider Confessionen, brachen neue Unruhen aus. Ueber fünfzig Städte mußten sich dem Connetable Luines, der mit dem jungen Könige Ludwig XIII die Provinzen durchzog, unterwerfen; noch einmal errang zwar der tapfere Rohan einen ziemlich günstigen Frieden; aber da dieser nicht gehalten wurde, mußten die Hugenotten bald wieder die Waffen ergreifen, und wurden nun auch noch ihrer letzten und wichtigsten, für ihre Verbindung mit England und Holland unersetzlichen, Festung La Rochelle verlustig, die sich, nachdem sie durch die siebenzigjährige Fürstin von Rohan heldenmüthig bis aufs äußerste vertheidigt worden, endlich (1629), von Hunger gezwungen, dem Cardinal Richelieu ergeben mußte. Hiemit nahm die politische Macht der Hugenotten ein Ende, und in den Gegenden und Orten des letzten Kampfes wurden sie gleichzeitig selbst der freien Ausübung ihres Cultus verlustig und mußten sich dem vom Cardinal Richelieu ihnen vorgelegten Gnaden-Edict unterwerfen. In dem übrigen Frankreich blieb indessen das Edict von Nantes noch geltend, und so sehr auch die katholische Geistlichkeit und insonderheit die Jesuiten sich bemühten, die Hugenotten zu verdrängen und ihren Glauben zu unterdrücken, so wurden sie doch, sowohl unter der Verwaltung des Cardinals Mazarin, als auch unter dem Minister Colbert, noch fortwährend zu den Staatsämtern zugelassen. Besonders wußte der letztere ihre Betriebsamkeit und Kenntnisse für die Künste und Manufacturen, für das Seewesen, für die Domänen-Pachtungen u.s.w. zu benutzen, und sie trugen wesentlich zu der Höhe bei, auf welche dieser aufgeklärte Minister die Betriebsamkeit und Macht Frankreichs erhob. Als aber die Jesuiten und Colberts Feinde, Tellier und Louvois, überwiegenden Einfluß auf Ludwig XIV gewonnen, und diesen zu dem Entschlusse, keine andere als die katholische Kirche in Frankreich bestehen zu lassen, gebracht hatten, da vereinigte sich die Macht des Königs mit der der katholischen Geistlichkeit zur offenen Verfolgung und Ausrottung der Hugenotten, und niemand war mehr, der sie schützte. Von nun an wurden ihre Religionsverwandten nicht nur von allen Aemtern und Domänen-Pachtungen, sondern selbst von allen zünftigen Gewerben ausgeschlossen; in vielen Orten wurden sie, unter den nichtigsten Vorwänden, ihrer Kirchen beraubt, die Ehen zwischen Reformirten und Katholiken verboten, und die Bekehrung derselben auf das eifrigste betrieben. Es wurden Missionäre in die von ihnen bewohnten Gegenden geschickt, die mit allen Künsten der Ueberredung und Intrigue dem Bekehrungswerke oblagen. Besonders suchte man sie auch durch Geld zum Uebertritt zur katholischen Kirche zu vermögen, wozu der König die Summen um so bereitwilliger gewährte, als sich dieses Mittel als das wirksamste und minder gewaltsame darstellte, und als man ihm vierteljährlich Verzeichnisse von den gewonnenen Neubekehrten vorlegte, zum Beweise, daß die Ausrottung der Ketzerei glücklich von Statten gehe, und wie sich alles, selbst die Gewissen seiner Unterthanen, vor der Macht des Königs beuge. Vorzüglich angelegen ließ man sich die Bekehrung der Hugenottenkinder seyn, und zu einem frommen, verdienstlichen Werke hielt man gewaltsame Mittel für erlaubt. Durch eine königliche Verordnung wurden schon die siebenjährigen Kinder für fähig zum Uebertritt zur katholischen Kirche erklärt, und die katholische Geistlichkeit wurde ermächtigt, die Kinder unter jedem Vorwande ihren Eltern zu entziehen und in dem katholischen Glauben zu unterweisen.


Wenn nun auch noch nicht geradezu mit Feuer und Schwert gegen die Hugenotten verfahren wurde, so war doch dieser Zustand der allgemeinen Unterdrückung und heimlichen Verfolgung, die ungescheute Verletzung ihrer früher zuerkannten Rechte und Privilegien, die Kränkung ihrer heiligsten Interessen hinreichend, sie zur Verzweiflung zu bringen. Tausende sahen ihre einzige Rettung in der Auswanderung und wandten sich auf die Einladung der auswärtigen protestantischen Fürsten nach England, Deutschland, Holland, Dänemark und andern Orten, wo sie mit Freuden aufgenommen wurden und mit ihrer Betriebsamkeit und Bildung die Aufnahme der Gewerbe wesentlich befördern halfen. Die Zahl der Einwohner, welche Frankreich durch diese und die folgenden Auswanderungen einbüßte, wird auf mehr als 800,000 angegeben. Wilhelm III, König von England, gewann durch sie ganze Regimenter; in Deutschland wurde der bürgerliche Wohlstand mehrerer Städte, namentlich der von Berlin, das allein 10,000 Hugenotten aufnahm, wesentlich vermehrt und selbst auf dem Vorgebirge der guten Hoffnung eine Stadt durch sie gegründet. Die Wunde, welche Frankreich durch diese Auswanderung geschlagen wurde, konnte der französischen Regierung nicht lange verborgen bleiben; aber man war von dem Verfolgungsgeiste zu sehr verblendet, um zu dem Wege der Vernunft und Menschlichkeit zurückkehren zu können; man glaubte in gewaltsamen Maßregeln das kürzeste und wirksamste Mittel zu finden, und hielt sich zu deren Anwendung selbst von Gott berechtigt. Dem zufolge wurde den Reformirten der Verkauf ihrer Güter und die Auswanderung bei Vermögensconfiscation und Galeerenstrafe untersagt. Zugleich wurde die Härte, mit welcher man die Hugenotten von allen öffentlichen Aemtern ausschloß, sie in dem Genusse ihrer bürgerlichen Rechte beeinträchtigte und ihre religiöse Bekehrung betrieb, verdoppelt; die öffentliche Ausübung ihres Cultus überall aufs strengste verboten, und ihre gottesdienstlichen Zusammenkünfte, wo sie dabei betroffen wurden, mit Gewalt auseinander getrieben

.

PDF Herunterladen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

PDF • Kostenlose eBooks © 2020 | Free Books PDF | PDF Kitap İndir | Baixar Livros Grátis em PDF | Descargar Libros Gratis PDF | Telecharger Livre Gratuit PDF |