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Ausgewählte Gedichte – Paul Verlaine

Wundersame Dämmerung Erinnerung in Dämmerlicht verglühend Zittert und loht am fernen Himmelsrand Der Hoffnung, die geheimnisvoll bald fliehend Bald wachsend flammt, wie eine Scheidewand. Wie mancher Blume farbenbunt Gewand, Wie Dalie, Tulpe, Lilie erblühend, Ein Gitter rings umrankend und umziehend Mit gift’gem Hauch, der all mein Wesen bannt; Voll schweren Wohlgeruchs, der zu mir fand, Aus Dalie, Tulpe, Lilie erblühend, Ertränkend Seele, Sinne und Verstand, Bis mich mit schwerer Ohnmacht übermannt Erinnerung in Dämmerlicht verglühend. Abendsonnen Blass giesst im Verrinnen Auf Felder und Rain Schwermütiges Sinnen Der scheidende Schein. Schwermütiges Sinnen Wiegt flüsternd mich ein, Mein Herz zu umspinnen Im scheidenden Schein. Und fremde Träume Ziehn sonnengleich Über Heiden und Bäume, Rotflimmernd und weich, Endlos durch die Räume Ziehn sonnengleich Sie über das Reich Der Heiden und Bäume. Herbstlied Chanson d’automne Den Herbst durchzieht Das Sehnsuchtslied Der Geigen Und zwingt mein Herz In bangem Schmerz Zu schweigen. Bleich und voll Leid, Dass die letzte Zeit Erscheine, Gedenk‘ ich zurück An fernes Glück, Und ich weine. Und so muss ich gehn Im Herbsteswehn Und Wetter, Bald hier, bald dort, Verweht und verdorrt Wie die Blätter. Am graubedeckten Horizont erhebt Am graubedeckten Horizont erhebt Sich rot der Mond, vom Nebeltanz getragen. Das Feld schläft dampfend ein, die Frösche klagen Im grünen Schilf, durch das ein Frösteln bebt. Den Kelch verschliesst die Wasserblume wieder, Starr und gedrängt in weiter Ferne reihn Sich Pappeln auf in ungewissem Schein, Leuchtkäfer irren zu den Büschen nieder. Der Eulen lautlos finstre Schar erwacht, Die Luft mit schwerem Fluge zu durchsteuern, Der Äther füllt sich mit gedämpften Feuern, Venus taucht bleich hervor: das ist die Nacht. Die Nachtigall Es senkt wie ein Schwarm von Vögeln sich All mein Erinnern hernieder auf mich, Hernieder durchs gelbe Laub von den Zweigen, Und gebeugt ist mein Herz, wie Erlen sich neigen, Die sich spiegeln, wo das Wasser der Reue Schwermütig gleitet in tiefer Bläue. Sie senken sich, bis im wachsenden Wehen Des Winds ihre bösen Stimmen vergehen, Im Baume verklingen mit sterbendem Laut, Dass Stille rings von den Zweigen taut. Nur die Stimme, die sie, die fern ist, in Tränen Verherrlicht, tönt, nur die Stimme voll Sehnen Des Vögleins, das erste Liebe mir war, Das heute noch singt, wie vor manchem Jahr. Und in dem trauernden Mondenscheine, Der bleich und feierlich strahlt, wiegt eine Schwermütige Nacht der Sommerszeit Voll tiefer Sehnsucht und Dunkelheit Im Himmel in flüsternden Windesschauern Das Zittern des Baums und des Vogels Trauern.

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